Der Arbeitsmarkt im Ennepe-Ruhr-Kreis stand im Juli bereits im Zeichen der Ferienzeit. Die Zahl der Arbeitslosen stieg um 159 oder 1,2 Prozent auf 12.926, die Quote um 0,1 Punkte auf 7,4 Prozent. Vor einem Jahr waren es fast 200 Erwerbslose mehr, die Quote lautete damals 7,5 Prozent.
„Die aktuelle Arbeitsmarktentwicklung zeigt das für die Jahreszeit typische Bild im Ferienmonat Juli“, so Katja Heck, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Hagen. „Einerseits sind es häufig die Betriebsferien, andererseits die hohen Neumeldungen von Ausbildungsabsolventen, die die Gesamtarbeitslosigkeit vorübergehend ansteigen lassen. Speziell bei den unter 25-Jährigen gibt es den erwarteten Anstieg. Doch gerade die Jüngeren mit Ausbildungsabschluss haben die besten Aussichten, da ihnen als qualifizierte Fachkräfte viele Türen offenstehen. Doch sie müssen etwas warten, denn die weiterhin niedrige Kräftenachfrage passt auch in das Bild der Sommerpause. Und für den August bleibt meine Einschätzung wegen der anhaltenden Urlaubszeit verhalten.“ Die Arbeitslosenzahlen entwickelten sich in den Zuständigkeitsbereichen der Arbeitsagentur und des Jobcenters EN im Mai aktuell parallel. 4.650 Arbeitslose (Anteil 36,0 Prozent an allen Arbeitslosen) waren Kunden der Arbeitsagentur (130 oder 2,9 Prozent mehr als im Vormonat), 8.276 (Anteil 64,0 Prozent an allen) wurden durch das Jobcenter EN betreut (29 oder 0,4 Prozent mehr). Die Tendenz war für die meisten Zielgruppen ungünstig. Insbesondere bei den jüngeren Arbeitslosen unter 25 Jahren gab es durch einige Ausbildungsabsolventen einen für den Berichtsmonat typischen Anstieg um 146 oder 13,1 Prozent auf 1.258. Bei den älteren Arbeitslosen (50 Jahre und älter) hatten eine Zunahme um 23 oder 0,5 Prozent auf 4.578. Die Zahl der arbeitslosen Menschen mit Schwerbehinderung stieg um sechs oder 0,6 Prozent auf 973. Die Arbeitslosigkeit von Menschen ohne deutsche Staatsangehörigkeit sank leicht um zehn oder 0,2 Prozent auf 4.424. Die Entwicklung bei den Langzeitarbeitslosen zeigte aktuell eine marginale Abnahme um drei oder 0,1 Prozent auf 5.437. Gleichzeitig waren es 98 oder 1,8 Prozent mehr als vor einem Jahr.
Gemeldete Kräftenachfrage
Jahreszeitlich normal war die Tatsache, dass der gemeldete Kräftebedarf im ersten Ferienmonat keine nennenswerte Belebung erfuhr. Die Unternehmen im Kreis meldeten 320 Stellen und damit nur neun oder 2,9 Prozent mehr als im Juni, zugleich 36 oder 12,7 Prozent mehr als vor einem Jahr. Den größten Kräftebedarf hatten weiterhin freiberufliche Arbeitgeber (Rechtsanwälte, Steuerberater etc., 71 Stellen für Assistenzkräfte, Vormonat 65) und Personaldienstleister (65 Stellen, wie Vormonat), gefolgt vom verarbeitenden Gewerbe (46, zuvor 54), dem Handel (30, vorher 40), der öffentlichen Verwaltung (20, zuvor 13), dem Gesundheits- und Sozialwesen (16, vorher 22) und dem Baugewerbe (19, zuvor 21). Der Bereich Erziehung und Unterricht meldete 14 Vakanzen (im Vormonat acht). Die Zahl der insgesamt bei der Arbeitsagentur zur Besetzung gemeldeten Stellen nahm gegenüber Juni um 13 oder 0,8 Prozent auf 1.675 ab, in Relation zum Vorjahresmonat sogar um 115 oder 6,4 Prozent. Aktuell sind 63,1 Prozent aller Arbeitsstellen im Kreis für Fachkräfte mit dem Abschluss der dualen Ausbildung gemeldet, für Helfer hingegen nur 17,7 Prozent.
Kurzarbeit und tatsächliche Inanspruchnahme
Im Juli gab es bezirksweit 26 neue Anzeigen von Kurzarbeit für 323 potentiell betroffene Arbeitnehmer. Erst nach Ablauf von einigen Monaten zeigt sich die tatsächliche Inanspruchnahme von Kurzarbeit, da die Betriebe innerhalb dieses Zeitraums nachträglich abrechnen. Für Februar liegen inzwischen Daten zur effektiven Inanspruchnahme für den Kreis vor. Danach wurde Kurzarbeitergeld an 64 Betriebe für 735 Arbeitnehmer tatsächlich ausgezahlt.
Lokale Entwicklungen
Die Arbeitslosigkeit war im Juli in den Städten des Kreises nur mit zwei Ausnahmen ansteigend. In Sprockhövel ging sie leicht zurück (- 14 auf 530), während es in Breckerfeld im Ergebnis zum Monatsende keine Veränderung gab (230). Steigende Zahlen hatten dagegen Schwelm (+ 6 auf 1.500), Herdecke (+ 7 auf 748), Wetter (+ 7 auf 864), Gevelsberg (+ 13 auf 1.193), Ennepetal (+ 27 auf 1.221), Hattingen (+ 32 auf 1.852) und Witten (+ 81 auf 4.788).
Gesamteinschätzung
„Der Beginn der üblichen Sommerdelle – so könnte man die aktuelle Entwicklung am heimischen Arbeitsmarkt etwas salopp bezeichnen. Steigende Arbeitslosigkeit, mehr Dynamik bei Zu- und Abgängen bei gleichzeitig relativ niedriger Kräftenachfrage, da die Sommermonate häufig für Betriebsferien genutzt und Neueinstellungen in den frühen Herbst verschoben werden. Und Kurzarbeit haben seit Längerem nur wenige Unternehmen angemeldet“, so Katja Heck weiter. „Für die jungen Leute, die ihre Ausbildung beendet und keinen Anschlussarbeitsvertrag haben und die jetzt übergangsweise in der Statistik auftauchen, werden wir Lösungen finden. Die Sommerpause mit ihrer dämpfenden Wirkung auf die Beschäftigung lässt eine Besserung erst nach den Ferien erwarten. Aber wir dürfen uns auch nichts vormachen: An den ungünstigen konjunkturellen Rahmenbedingungen hat sich noch nichts verändert.“ Abschließend hat sie noch einen Tipp für die Kundinnen und Kunden im Urlaub: „Unsere digitalen Dienstleistungen stehen jederzeit bereit. Inzwischen kann man ohne Weiteres auch am Strand unsere eServices aufrufen und nahezu unser gesamtes Dienstleistungsangebot bequem digital nutzen.“