Der Arbeitsmarkt in Hagen war im August von der Sommerpause geprägt. Die Zahl der Arbeitslosen war im Ergebnis zum Monatsende mit 12.914 genau um eins höher als zum Ende des Vormonats, die Quote von 12,6 Prozent entsprechend unverändert. Vor genau einem Jahr waren es 48 Erwerbslose mehr, die Quote lautete auch damals bereits 12,6 Prozent.
„Die Hauptferienzeit hat sich auf die Arbeitsmarktentwicklung in Hagen nicht so deutlich ausgewirkt wie sonst üblich“, so Katja Heck, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Hagen. „Die Gesamtarbeitslosigkeit stagnierte. Für einige Zielgruppen war der aktuelle Trend sogar positiv. Anders sah es dagegen bei den Ausbildungsabsolventen aus. Speziell bei den unter 25-Jährigen gab es jetzt erst den richtigen Anstieg. Doch gerade den Jüngeren mit Ausbildungsabschluss gehört die Zukunft. Und die aktuelle Kräftenachfrage ist trotz häufiger Betriebsferien nicht zurückgegangen. Nach der Ferienzeit sollten sich Anzeichen einer beginnenden Herbstbelebung ankündigen. Hinsicht lich einer echten konjunkturellen Belebung bleibt meine Einschätzung aber verhalten.“
Die Entwicklung von Arbeitslosenversicherung und Grundsicherung waren im August gegenläufig und egalisierten sich dabei weitestgehend. 3.459 Arbeitslose (Anteil 26,8 Prozent an allen Arbeitslosen) waren Kunden der Arbeitsagentur (64 oder 1,9 Prozent mehr als im Vormonat), 9.455 (Anteil 73,2 Prozent an allen) wurden durch das Jobcenter Hagen betreut (63 oder 0,7 Prozent weniger). Nur zwei Zielgruppen hatten ungünstige Tendenzen. Bei den Jüngeren unter 25 Jahren gab es einige weitere Ausbildungsabsolventen und damit einen Anstieg um 115 oder 8,9 Prozent auf 1.411 Arbeitslose. Eine leicht negative Veränderung gab es auch bei den arbeitslosen Menschen mit Behinderung mit einem Anstieg um vier oder 0,5 Prozent auf 809. Bei den Älteren über 50 Jahren war es hingegen ein Rückgang um 112 oder 2,7 Prozent auf 3.992. Die Zahl der ausländischen Arbeitslosen sank um sechs oder 0,1 Prozent auf 6.138. Die Zahl der Langzeitarbeitslosen verringerte sich um 61 oder 1,1 Prozent auf 5.674. Zugleich waren dies aber auch 92 oder 1,6 Prozent mehr als vor einem Jahr.
Gemeldete Kräftenachfrage
Der gemeldete Kräftebedarf im zweiten Ferienmonat hat sich zwar erwartungsgemäß nicht besonders belebt, aber auch keinen Rückgang erfahren. Die heimischen Unternehmen meldeten 277 Stellen und damit 15 oder 5,7 Prozent mehr als im Juli, zugleich 26 oder 10,4 Prozent mehr als vor einem Jahr. Innerhalb der Branchen gab es wieder deutliche Veränderungen. Den größten Kräfte bedarf hatten das verarbeitende Gewerbe (64 Stellen, zuvor 35), freiberufliche Arbeitgeber (Rechtsanwälte, Steuerberater etc., 60 Stellen für Assistenzkräfte, im Vormonat 54), gefolgt von Personaldienstleistern (32 Stellen, zuvor 41), der öffentlichen Verwaltung (30, zuvor 33), dem Gesundheits- und Sozialwesen (22, zuvor 13), dem Gastgewerbe (19, vorher 4), dem Handel (14, zuvor 50), der Logistik (11, zuvor 10) und dem Bereich Erziehung und Unterricht (7, zuvor 19). Die Zahl der insgesamt gemeldeten Stellen nahm aktuell nochmal um 25 oder 1,9 Prozent auf 1.302 ab, in Relation zum Vorjahresmonat sogar um 491 oder über ein Viertel. Aktuell sind 61,3 Prozent aller Arbeitsstellen für Fachkräfte mit dem Abschluss der dualen Ausbildung vorgesehen, für Helfer hingegen nur 17,7 Prozent.
Kurzarbeit und tatsächliche Inanspruchnahme
Im August gab es in Hagen fünf neue Anzeigen von Kurzarbeit für 92 potentiell betroffene Arbeitnehmer. Erst nach Ablauf von einigen Monaten zeigt sich die tatsächliche Inanspruchnahme von zuvor angezeigter Kurzarbeit, da die Betriebe innerhalb dieses Zeitraums nachträglich abrechnen. Für März liegen inzwischen Informationen zur effektiven Inanspruchnahme für die Stadt Hagen vor. Danach wurde Kurzarbeitergeld nur an 21 Betriebe für 328 Arbeitnehmer tatsächlich ausgezahlt.
Gesamteinschätzung
„Der Verlauf der Sommerpause fiel auf dem Hagener Arbeitsmarkt im zweiten Ferienmonat ziemlich milde aus. Kein weiterer Anstieg der Arbeitslosigkeit, weniger Dynamik bei Zu- und Abgängen insgesamt und gleichzeitig eine Kräftenachfrage, die zwar nicht auf hohem Niveau, aber auch nicht eingebrochen ist. Und Kurzarbeit ist kein aktuelles Thema“, so Katja Heck weiter. „Mehr Sorgen macht mir der Ausbildungsmarkt. Auch kurz nach Beginn der ersten Ausbildungen ist hier noch viel los. 459 Jugendliche und damit fast jeder vierte, der in diesem Jahr eine Ausbildung beginnen wollte, ist noch unversorgt. Gleichzeitig stehen immer noch 166 und damit fast jede siebte aller gemeldeten Stellen zur Verfügung“, beschreibt die Agenturchefin die derzeitige Lage. An beide Seiten appelliert sie, flexibel und mutig zu sein: „Die Grundvoraussetzungen müssen stimmen, der Rest ist eine Frage der gemeinsamen Ausgestaltung und Entwicklung in den nächsten Jahren – niemand kann erwarten, dass Stelle oder Azubi von Beginn an in jeder Hinsicht perfekt sein können.“ Allen, die bisher noch keine Unterschrift unter einen Vertrag setzen konnten, macht Heck Mut: „Der Zug ist noch längst nicht abgefahren, denn die Kammern tragen bis weit in den Herbst neue Ausbildungsverhältnisse ein. Und wer noch Unterstützung braucht oder sich kurzentschlossen auf die Suche nach einem Ausbildungsplatz machen möchte, findet bei der Berufsberatung genau die richtigen Ansprechpartner. Denn eins ist sicher: Wer dieses Jahr leichtfertig die Chance auf Ausbildung vergibt, rennt ihr im nächsten Jahr hinterher. Denn dann sind auch Abiturienten aus den Gymnasien wieder auf der Suche und erhöhen die Konkurrenzsituation.“