Die Sommerpause prägte den Arbeitsmarkt im Ennepe-Ruhr-Kreis auch im August. Die Zahl der Arbeitslosen stieg um 117 oder 0,9 Prozent auf 13.043, die Quote um 0,1 Punkte auf 7,5 Prozent. Vor einem Jahr waren es 115 Erwerbslose mehr, die Quote lautete damals ebenso 7,5 Prozent.
„Mit einem weiteren, aber abgeschwächten Anstieg der Arbeitslosenzahlen geht die für die für die Ferienmonate erwartete Entwicklung weiter“, so Katja Heck, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Hagen. „Doch es gibt auch positive Auffälligkeiten. Es freut mich, dass gerade bei den vielen Ausbildungsabsolventen, die sich noch im Vormonat arbeitslos melden mussten, bereits ein spürbarer Rückgang eingetreten ist. Da zeigt sich sehr schnell, dass gerade den Jüngeren mit Ausbildungsabschluss die Zukunft gehört. Und die aktuelle Kräftenachfrage ist trotz häufiger Betriebsferien nicht zurückgegangen. Nach der Ferienzeit sollten sich Anzeichen einer beginnenden Herbstbelebung ankündigen. Hinsichtlich einer echten konjunkturellen Belebung bleibt meine Einschätzung aber verhalten.“
Die Arbeitslosenzahlen entwickelten sich in den Zuständigkeitsbereichen der Arbeitsagentur und des Jobcenters EN im August parallel. 4.730 Arbeitslose (Anteil 36,3 Prozent an allen Arbeitslosen) waren Kunden der Arbeitsagentur (80 oder 1,7 Prozent mehr als im Vormonat), 8.313 (Anteil 63,7 Prozent an allen) wurden durch das Jobcenter EN betreut (37 oder 0,4 Prozent mehr). Die Tendenz war für die Zielgruppen sehr unter schiedlich. Bei den jüngeren Arbeitslosen unter 25 Jahren fiel auf, dass nach dem starken Anstieg im Vormonat durch einige Ausbildungsabsolventen jetzt bereits ein Rückgang um 25 oder 2,0 Prozent auf 1.233 eingetreten ist. Bei den älteren Arbeitslosen (50 Jahre und älter) gab es eine marginale Zunahme um zwei oder 0,5 Prozent auf 4.580. Die Zahl der arbeitslosen Menschen mit Schwerbehinderung sank um 22 oder 2,3 Prozent auf 951. Die Arbeitslosigkeit von Menschen ohne deutsche Staatsangehörigkeit stieg um 96 oder 2,2 Prozent auf 4.520. Die Entwicklung bei den Langzeitarbeitslosen zeigte aktuell eine Abnahme um 46 oder 0,8 Prozent auf 5.391. Damit waren es 60 oder 1,1 Prozent mehr als vor einem Jahr.
Gemeldete Kräftenachfrage
Eher günstig zu beurteilen ist die Tatsache, dass der gemeldete Kräftebedarf auch im zweiten Ferienmonat leicht angestiegen ist. Die Unternehmen im Kreis meldeten 342 Stellen und damit 22 oder 6,9 Prozent mehr als im Juli, zugleich 15 oder 4,6 Prozent mehr als vor einem Jahr. Den größten Kräftebedarf hatten Personaldienstleister (72 Stellen, nach 65 im Vormonat), das verarbeitende Gewerbe (70, zuvor 46) und freiberufliche Arbeitgeber (Rechtsanwälte, Steuerberater etc., 68 Stellen für Assistenzkräfte, Vormonat 65), gefolgt vom Handel (36, vorher 30), dem Gesundheits- und Sozialwesen (24, vorher 16), der öffentlichen Verwaltung (17, zuvor 20), und dem Baugewerbe (13, zuvor 19). Der Bereich Erziehung und Unterricht meldete 12 Vakanzen (im Vormonat 14). Die Zahl der insgesamt bei der Arbeitsagentur zur Besetzung gemeldeten Stellen nahm gegenüber Juli um 37 oder 2,2 Prozent auf 1.638 ab, in Relation zum Vorjahresmonat sogar um 184 oder 10,1 Prozent. Aktuell sind 63,2 Prozent aller Arbeitsstellen im Kreis für Fachkräfte mit dem Abschluss der dualen Ausbildung gemeldet, für Helfer hingegen nur 17,8 Prozent.
Kurzarbeit und tatsächliche Inanspruchnahme
Im August gab es im Kreis nur sieben neue Anzeigen von Kurzarbeit für 97 potentiell betroffene Arbeitnehmer. Erst nach Ablauf von einigen Monaten zeigt sich die tatsächliche Inanspruchnahme von Kurzarbeit, da die Betriebe innerhalb dieses Zeitraums nachträglich abrechnen. Für März liegen inzwischen Daten zur effektiven Inanspruchnahme für den Kreis vor. Danach wurde Kurzarbeitergeld an 59 Betriebe für knapp 800 Arbeitnehmer tatsächlich ausgezahlt.
Lokale Entwicklungen
Die Entwicklung der Arbeitslosigkeit war im August in den Städten des Kreises recht unterschiedlich. In Herdecke (748 Arbeitslose) veränderte sich im Ergebnis zum Monats ende gar nichts, in Breckerfeld (+ 2 auf 230) sehr wenig. Anstiege hatten Gevelsberg (+ 9 auf 1.202), Ennepetal (+ 19 auf 1.240), Wetter (+ 31 auf 895), Hattingen (+ 32 auf 1.884) und Witten (+ 45 auf 4.833). In Sprockhövel (- 10 auf 520) und Schwelm (- 11 auf 1.489) gingen die Arbeitslosenzahlen leicht zurück.
Gesamteinschätzung
„Auch der zweite Ferienmonat wirkte sich typisch auf dem Arbeitsmarkt im Ennepe-Ruhr Kreis aus. Ein etwas geringerer Anstieg der Arbeitslosigkeit als zuvor, gleichzeitig eine Kräftenachfrage, die zwar nicht auf hohem Niveau, aber auch nicht eingebrochen ist. Und Kurzarbeit ist kein aktuelles Thema“, so Katja Heck weiter. „Mehr Sorgen macht mir der Ausbildungsmarkt. Auch kurz nach Beginn der ersten Ausbildungen ist hier noch viel los. 480 Jugendliche und damit mehr als jeder vierte, der in diesem Jahr eine Ausbildung beginnen wollte, ist noch unversorgt. Gleichzeitig stehen immer noch 451 und damit fast jede vierte aller gemeldeten Stellen zur Verfügung“, beschreibt die Agenturchefin die der zeitige Lage. An beide Seiten appelliert sie, flexibel und mutig zu sein: „Die Grundvoraussetzungen müssen stimmen, der Rest ist eine Frage der gemeinsamen Ausgestaltung und Entwicklung in den nächsten Jahren – niemand kann erwarten, dass Stelle oder Azubi von Beginn an in jeder Hinsicht perfekt sein können.“ Allen, die bisher noch keine Unterschrift unter einen Vertrag setzen konnten, macht Heck Mut: „Der Zug ist noch längst nicht abgefahren, denn die Kammern tragen bis weit in den Herbst neue Ausbildungsverhältnisse ein. Und wer noch Unterstützung braucht oder sich kurzentschlossen auf die Suche nach einem Ausbildungsplatz machen möchte, findet bei der Berufsberatung genau die richtigen Ansprechpartner. Denn eins ist sicher: Wer dieses Jahr leichtfertig die Chance auf Ausbildung vergibt, rennt ihr im nächsten Jahr hinterher. Denn dann sind auch Abiturienten aus den Gymnasien wieder auf der Suche und erhöhen die Konkurrenzsituation.“