Die Arbeitsmarktentwicklung im Januar 2026 im Ennepe-Ruhr-Kreis

Starker Anstieg der Arbeitslosigkeit zum Jahresbeginn – Qualifizierung als Gamechanger

30.01.2026 | Presseinfo Nr. 8

Der Arbeitsmarkt im Ennepe-Ruhr-Kreis war im Januar geprägt von dem erwarteten saisonalen Anstieg der Arbeitslosigkeit nach dem Jahreswechsel. Die Zahl der Arbeitslosen stieg um 644 oder 5,2 Prozent auf 13.089, die Arbeitslosenquote um 0,4 Punkte auf 7,5 Prozent. Vor einem Jahr waren es 80 Erwerbslose mehr, die Quote lautete damals ebenfalls 7,5 Prozent. 

„Wir haben die übliche Januar-Entwicklung. Der Anstieg der Erwerbslosenzahl am Jahresanfang ist immer der höchste im ganzen Jahr. Viele Arbeitsverhältnisse wurden zum Jahresende gekündigt oder waren entsprechend befristet. Außerdem enden die zweieinhalb- und dreieinhalbjährigen Berufsausbildungen. Leider wird dies alles noch durch die schlechte Wirtschaftslage verstärkt. Die Abgangsbewegungen haben nochmals deutlich nachgelassen, aber die Neumeldungen aus Beschäftigung sind stark gestiegen“, so Katja Heck, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Hagen. „Der aktuell gemeldete Kräftebedarf ist zwar leicht gestiegen, doch es besteht noch viel Luft nach oben“. Hecks Erwartungen für die nächste Zeit sind verhalten: „Für den Februar rechne ich mit einem weiteren Anstieg der Arbeitslosigkeit.“ 

Die Arbeitslosenzahlen entwickelten sich in den Zuständigkeitsbereichen der Arbeitsagentur und des Jobcenters EN im Januar parallel. 4.526 Arbeitslose (Anteil 34,6 Prozent an allen Arbeitslosen) waren Kunden der Arbeitsagentur (371 oder 8,9 Prozent mehr als im Vormonat), 8.563 (Anteil 65,4 Prozent an allen) wurden durch das Jobcenter EN betreut (273 oder 3,3 Prozent mehr). Die Tendenzen für die Zielgruppen waren ebenfalls ausschließlich ungünstig. Die Zahl der arbeitslosen Menschen mit Schwerbehinderung stieg um 58 oder 6,4 Prozent auf 961. Die Älteren über 50 Jahren verzeichneten ein deutliches Ansteigen um 290 oder 6,7 Prozent auf 4.602. Die Arbeitslosigkeit von Menschen ohne deutsche Staatsangehörigkeit nahm um 188 oder 4,3 Prozent auf 4.583 zu. Bei den jüngeren Arbeitslosen unter 25 Jahren gab es einen kleinen Anstieg um 56 oder 5,3 Prozent auf 1.114, und die Entwicklung bei den Langzeitarbeitslosen zeigte ein aktuelles Plus um 160 oder 3,0 Prozent auf 5.442. Gleichzeitig waren es 114 oder 2,1 Prozent mehr als vor einem Jahr. 

Gemeldete Kräftenachfrage 
Noch relativ gut für einen Januar hielt sich die Kräftenachfrage im Kreis. Die heimischen Unternehmen meldeten 299 Stellen und damit 46 oder 18,2 Prozent mehr als im äußerst schwachen Dezember, zugleich 134 oder 81,2 Prozent mehr als vor einem Jahr. Den größten Kräftebedarf hatten freiberufliche Arbeitgeber (Rechtsanwälte, Steuerberater etc., 78 Stellen für Assistenzkräfte, nach 65 im Vormonat), Personaldienstleister (70, Vormonat 57), das Gesundheits- und Sozialwesen (40), der Handel (28), das verarbeitende Gewerbe (28), die Logistik (13), die öffentliche Verwaltung (9) und das Baugewerbe (9). 
Die Zahl der insgesamt bei der Arbeitsagentur zur Besetzung gemeldeten Stellen stieg gegenüber Dezember um 56 oder 3,5 Prozent auf 1.679, sank hingegen in Relation zum Vorjahresmonat um 184 oder 9,9 Prozent. 
Aktuell sind 62,5 Prozent aller Arbeitsstellen im Kreis für Fachkräfte mit dem Abschluss der dualen Ausbildung gemeldet, für Helfer hingegen nur 20,7 Prozent. 

Kurzarbeit und tatsächliche Inanspruchnahme 
Im Januar gab es im Ennepe-Ruhr-Kreis 19 neue Anzeigen von Kurzarbeit für 300 potentiell betroffene Arbeitnehmer. Erst nach Ablauf von einigen Monaten zeigt sich die tatsächliche Inanspruchnahme von Kurzarbeit, da die Betriebe innerhalb dieses Zeitraums nachträglich abrechnen. Für August liegen inzwischen Daten zur effektiven Inanspruchnahme für den Kreis vor. Danach wurde Kurzarbeitergeld an 54 Betriebe für 546 Arbeitnehmer tatsächlich ausgezahlt.

Lokale Entwicklungen 
Die Arbeitslosigkeit entwickelte sich im Januar in allen Städten nur in eine Richtung. Die Anstiege waren wie folgt: Breckerfeld (+ 7 auf 248), Sprockhövel (+ 25 auf 551), Wetter (+ 40 auf 933), Herdecke (+ 48 auf 756), Gevelsberg (+ 63 auf 1.210), Schwelm (+ 70 auf 1.530), Hattingen (+ 85 auf 1.868), Ennepetal (+ 98 auf 1.259) und Witten (+ 208 auf 4.734). 

Gesamteinschätzung 
„Ungeachtet der aktuellen saisonalen und deutlichen Veränderungen am Arbeitsmarkt bleibt festzuhalten: Eine Trendwende ist nach wie vor nicht in Sicht.“ Für Heck steht aber auch fest, dass für niemanden ein bloßes Abwarten auf bessere Zeiten ausreichen werde, um die eigenen Jobchancen zu erhöhen: „Der Arbeitsmarkt befindet sich in einer grundlegenden Transformation. Abläufe, Berufsbilder und Anforderungen verändern sich nachhaltig und machen ein Umdenken bei allen Beteiligten erforderlich. Wo Digitalisierung und künstliche Intelligenz Einzug halten, werden manche Jobs entbehrlich, während in anderen die Nachfrage steigt und auch ganz neue Berufe entstehen. In jedem Fall steigen die Anforderungen. Der Anteil an Arbeitsstellen, für die ausschließlich Fachkräfte oder sogar Spezialisten in Frage kommen, nimmt immer weiter zu. Daher sollte sich jeder kritisch mit der eigenen beruflichen Situation auseinandersetzen und mithilfe unserer Arbeitsmarktexperten herausfinden, wie man sich unentbehrlich machen kann. Qualifizierungen werden zum Gamechanger und mehr als je zuvor zum ständigen Begleiter einer erfolgreichen Erwerbsbiografie.“