Der Arbeitsmarkt in Hamburg

Jahresrückblick 2025 und Ausblick 2026

07.01.2026 | Presseinfo Nr. 1

1. Entwicklung der Arbeitslosigkeit in Hamburg 2025 im Vergleich zu 2024

Wirtschaftliche Rahmenbedingungen in Hamburg 2025 

Die wirtschaftliche Entwicklung in Hamburg war im Jahr 2025 von einer insgesamt verhaltenen Dynamik geprägt. Die Hamburger Wirtschaft stand weiterhin unter dem Eindruck konjunktureller Unsicherheiten, die sich aus einer schwachen gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, strukturellen Transformationsprozessen sowie geopolitischen Belastungen ergaben. Insbesondere die exportorientierten Branchen, Teile der Industrie sowie das Baugewerbe verzeichneten eine gedämpfte Nachfrage. Gleichzeitig dämpfen weiterhin hohe Energiepreise, Inflation, zurückhaltender privater Konsum sowie eine zurückhaltende Investitionstätigkeit eine höhere Arbeitskräftenachfrage. 
Stabilisierend wirkten dagegen der Dienstleistungssektor, insbesondere unternehmensnahe Dienstleistungen, Logistik, Hafenwirtschaft sowie Teile des Gesundheits- und Sozialwesens. 
Auch der Tourismus und das Gastgewerbe zeigten im Jahresverlauf gute Auslastungen. Insgesamt blieb die wirtschaftliche Lage jedoch angespannt, was sich weniger positiv auf die Beschäftigungsentwicklung auswirkte, auch wenn diese nach den aktuellen Auswertungen im Oktober um 0,9 Prozent gestiegen ist und nun bei 1.095.400 liegt. 

Entwicklung der Arbeitslosigkeit

Im Jahresdurchschnitt 2025 waren in Hamburg 93.783 Personen arbeitslos gemeldet. Gegenüber dem Jahr 2024 mit durchschnittlich 88.471 Arbeitslosen entspricht dies einem Anstieg um 5.311 Personen bzw. 6,0 Prozent. Damit hat sich die Arbeitslosigkeit in Hamburg im Vergleich zum Vorjahr spürbar erhöht.
Im Nachfolgenden betrachten wir die Entwicklung der Arbeitslosigkeit einzelner Personengruppen des Hamburger Arbeitsmarktes mit ihren Jahresdurchschnittswerten. Während die Veränderungen zum Vorjahresdurchschnitt 2024 bei den Älteren (50+), den Menschen mit Behinderung und den Ausländern unterdurchschnittlich ausfallen, fällt der prozentuale Anstieg bei den jüngeren Arbeitslosen und Langzeitarbeitslosen überdurchschnittlich aus. 

Ausgewählte Personengruppen am Hamburger Arbeitsmarkt:

• Arbeitslose im Alter von 15 bis unter 25 Jahren

Die Zahl der arbeitslosen Jugendlichen und jungen Erwachsenen unter 25 Jahren ist im Jahresdurchschnitt 2025 auf 7.305 Personen gestiegen. Im Vergleich zu 2024 (6.621 Personen) entspricht dies einem Zuwachs um 684 Personen bzw. 10,3 Prozent. Etwas stärker fiel der Anstieg bei den unter 20-Jährigen aus. Hier erhöhte sich die Arbeitslosenzahl um 161 Personen bzw. 12,3 Prozent. Die Entwicklung weist darauf hin, dass der Übergang von Schule, Ausbildung und Studium in den Arbeitsmarkt schwieriger geworden ist.

• Arbeitslose ab 50 Jahre und älter

Bei den Arbeitslosen im Alter von 50 Jahren und älter setzte sich der bereits in den Vorjahren beobachtete Anstieg fort. Im Jahresdurchschnitt 2025 waren 27.534 Personen dieser Altersgruppe arbeitslos gemeldet. Gegenüber 2024 (26.000 Personen) bedeutet dies einen Anstieg um 1.534 Personen bzw. 5,9 Prozent. Die Entwicklung zeigt, dass ältere Arbeitslose weiterhin von Arbeitsplatzverlusten betroffen sind und gleichzeitig Schwierigkeiten haben, wieder in den Arbeitsmarkt integriert zu werden. Strukturelle Veränderungen, Qualifikationsanforderungen sowie gesundheitliche Einschränkungen und Vorurteile gegenüber Älteren können hierbei auch eine Rolle spielen.

• Langzeitarbeitslose

Die Zahl der Langzeitarbeitslosen ist im Jahresdurchschnitt 2025 auf 29.549 Personen gestiegen. Im Vergleich zu 2024 (26.883 Personen) ergibt sich ein Zuwachs um 2.666 Personen bzw. 9,9 Prozent. Dieser deutliche Anstieg ist kritisch zu bewerten. Er zeigt, dass es unter den aktuellen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zunehmend schwieriger wird, arbeitsmarktferne Personen nachhaltig in Beschäftigung zu integrieren. Die Verfestigung von Langzeitarbeitslosigkeit stellt eine zentrale Herausforderung für die Arbeitsmarktpolitik in Hamburg dar.

• Schwerbehinderte Menschen

Auch bei den schwerbehinderten Menschen nahm die Arbeitslosigkeit zu. Im Jahresdurchschnitt 2025 waren 3.849 schwerbehinderte Menschen arbeitslos gemeldet, gegenüber 3.713 Personen im Jahr 2024. Dies entspricht einem Anstieg um 136 Personen bzw. 3,7 Prozent. Obwohl der prozentuale Zuwachs geringer ausfiel als in anderen Gruppen, verdeutlicht die Entwicklung, dass Menschen mit Behinderungen weiterhin unterstützt werden müssen, um Integrationen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt realisieren zu können. 

• Ausländische Arbeitslose

Die Zahl der arbeitslosen Ausländer stieg im Jahresdurchschnitt 2025 auf 37.824 Personen. Im Vergleich zu 2024 (36.404 Personen) entspricht dies einem Anstieg um 1.420 Personen bzw. 3,9 Prozent. Der Zuwachs ist unter anderem aufgrund von Zuwanderung mit Fluchthintergrund sowie auf eine erhöhte Betroffenheit von konjunkturellen Schwankungen in bestimmten Branchen zurückzuführen, in denen ausländische Arbeitskräfte überdurchschnittlich vertreten sind.

Bewegungsdaten: Zugänge aus Erwerbstätigkeit - Abgänge in Erwerbstätigkeit

• Zugänge aus Erwerbstätigkeit in Arbeitslosigkeit

Die Zugänge aus Erwerbstätigkeit in Arbeitslosigkeit beliefen sich im Jahresdurchschnitt 2025 auf 81.329 Personen. Gegenüber 2024 (78.468 Personen) bedeutet dies einen Anstieg um 2.861 Personen bzw. 3,6 %. Dies weist auf eine zunehmende Zahl von Arbeitsplatzverlusten hin und unterstreicht die angespannte konjunkturelle Lage.

• Abgänge aus Arbeitslosigkeit in Erwerbstätigkeit

Demgegenüber gingen die Abgänge von Arbeitslosen in Erwerbstätigkeit zurück. Im Jahr 2025 wechselten durchschnittlich 67.337 Personen aus der Arbeitslosigkeit in Erwerbstätigkeit, nach 64.872 Personen im Jahr 2024. Im Jahresvergleich konnten 2025 insgesamt 2.465 oder 3,8 Prozent mehr arbeitslose Hamburgerinnen und Hamburger eine Erwerbstätigkeit aufnehmen. Das zeigt, dass der Arbeitsmarkt, trotz schwieriger Rahmenbedingungen 2025 durchaus aufnahmefähig war und individuelle Arbeitslosigkeit beendet werden konnte.

Entwicklung der Arbeitslosenquote

Die Arbeitslosenquote für ganz Hamburg stieg im Jahresdurchschnitt 2025 auf 8,3 Prozent, nach 8,0 Prozent im Jahr 2024. Der Anstieg um 0,3 Prozentpunkte spiegelt die insgesamt ungünstigere Arbeitsmarktlage wider und bestätigt die Zunahme der Arbeitslosigkeit über nahezu alle Personengruppen hinweg.

Gemeldete sozialversicherungspflichtige Arbeitsstellen

Im Jahresdurchschnitt 2025 wurden 32.504 sozialversicherungspflichtige Arbeitsstellen gemeldet. Gegenüber dem Vorjahr (34.185 Stellen) entspricht dies einem Rückgang um 1.681 Stellen bzw. 4,9 Prozent. 
Der Rückgang der gemeldeten Stellenangebote deutet auf eine vorsichtigere Einstellungsbereitschaft der Unternehmen hin, die auch durch die gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen begründet ist. Pro Monat wurden dem Arbeitgeber-Service Hamburg damit im Durchschnitt 2.700 neue Arbeitsstellen gemeldet, die allen Arbeitsuchenden zur Verfügung stehen. 

Zusammenfassend zeigt sich, dass es der Hamburger Arbeitsmarkt im Jahr 2025 gegenüber 2024 insgesamt schwieriger hatte. So ist die Arbeitslosigkeit bei den jüngeren Arbeitslosen und den Langzeitarbeitslosen überdurchschnittlich angestiegen, während sie sich bei den Älteren, den Menschen mit Behinderung und den Ausländern moderater (unter 6 Prozent) erhöhte. Der Anstieg bei den Zugängen aus Erwerbstätigkeit in Arbeitslosigkeit von 2.861 oder 
3,6 Prozent konnte auf der Gegenseite, also Abgänge aus Arbeitslosigkeit in Erwerbstätigkeit (2.465 oder 3,8 Prozent) nicht kompensiert werden. Es zeigt sich, dass trotz eines Höchstwertes an Gesamtbeschäftigung im Oktober 2025, die Arbeitslosigkeit parallel angestiegen ist. Wir sprechen von Mismatch, denn entlassene Arbeits- und Fachkräfte passten mit ihren Qualifikationen, Fähigkeiten oder regionalen Präferenzen nicht sofort oder zeitnah zu den Anforderungen der Unternehmen, die aktuell und weiterhin geeignete Fachkräften suchen. 
Positive Impulse blieben im Jahresverlauf begrenzt und reichten nicht aus, um die negativen konjunkturellen und strukturellen Effekte zu kompensieren. Vor diesem Hintergrund bleibt es eine zentrale Aufgabe der Agentur für Arbeit Hamburg, gemeinsam mit Partnerinnen und Partnern aus Wirtschaft und Politik gezielte Förder- und Integrationsmaßnahmen weiterzuentwickeln, um insbesondere benachteiligte Gruppen nachhaltig in Beschäftigung zu integrieren 
und den Arbeitsmarkt langfristig zu stabilisieren.

2. Ausblick auf den Hamburger Arbeitsmarkt im Jahr 2026

Für das Jahr 2026 ist für den Hamburger Arbeitsmarkt insgesamt von einer vorsichtigen Stabilisierung auszugehen. Nach der im Jahr 2025 festgestellten Eintrübung der Arbeitsmarktlage deuten die aktuellen wirtschaftlichen Einschätzungen verschiedener Wirtschaftsinstitute auf eine leichte Erholung hin. Diese wird getragen von einer moderaten Belebung der Nachfrage in zentralen Wirtschaftsbereichen, insbesondere im Dienstleistungssektor sowie in beschäftigungsintensiven Branchen mit regionaler Bedeutung. Gleichwohl bleibt das wirtschaftliche Umfeld weiterhin von Unsicherheiten geprägt, sodass von einer nur schrittweisen Verbesserung auszugehen ist. 
Erfahrungsgemäß reagiert der Arbeitsmarkt zeitverzögert auf wirtschaftliche Entwicklungen. Auch bei einer positiven konjunkturellen Entwicklung im Jahr 2026 ist daher nicht mit einer unmittelbaren und zeitnahen Entlastung zu rechnen. Unternehmen werden Neueinstellungen erst dann ausweiten, wenn sich die wirtschaftliche Erholung als tragfähig und nachhaltig erweist. Vor diesem Hintergrund dürfte sich eine mögliche Verbesserung der Arbeitsmarktlage zunächst verhalten zeigen und sich erst im weiteren Jahresverlauf bzw. darüber hinaus stabilisieren.
Auch die Entwicklung der gemeldeten sozialversicherungspflichtigen Arbeitsstellen dürfte dieser zeitlichen Verzögerung folgen. Eine zunehmende Stellenmeldedynamik ist grundsätzlich zu erwarten, wird sich jedoch erst dann deutlich entfalten, wenn sich die wirtschaftlichen Perspektiven für die Unternehmen weiter verfestigen. Insgesamt ist der Ausblick für den Hamburger Arbeitsmarkt im Jahr 2026 von einer vorsichtigen Zuversicht geprägt. Eine nachhaltige Entlastung des Arbeitsmarktes setzt eine stabile wirtschaftliche Entwicklung voraus und wird nicht kurzfristig, sondern schrittweise erfolgen. Die 
Agentur für Arbeit Hamburg wird diesen Prozess weiterhin eng begleiten und ihre arbeitsmarktpolitischen Instrumente bedarfsgerecht einsetzen, um eine beginnende wirtschaftliche Erholung möglichst frühzeitig in positive Impulse für Beschäftigung umzusetzen.

3. Beschäftigungsentwicklung über 10 Jahre - Rekordbeschäftigung in Hamburg. 

Zitat:

Sönke Fock, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Hamburg: 
„Wachstum wird zunehmend internationaler!“

Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung in Hamburger Unternehmen befindet sich weiterhin auf einem sehr hohen Niveau und erreicht einen neuen Höchststand. Zum 31. Oktober 2025 waren insgesamt 1.095.400 Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt, so viele wie nie zuvor. Bereits 2024 wurde mit 1.085.447 Beschäftigten ein historischer Rekordwert erreicht, der die nachhaltige Stärke des Hamburger Arbeitsmarktes unterstreicht.

Im Zehnjahresvergleich von 2015 bis 2025 (für die jeweiligen Zehnjahresvergleiche wurde der Monat Oktober als Referenzmonat genutzt) zeigt sich eine ausgesprochen positive Entwicklung: Die Gesamtzahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten stieg von Oktober 2015 mit 929.481 um 165.919 Beschäftigte auf insgesamt 1.095.400 im Oktober 2025 an. Dies ist ein Anstieg um 17,9 Prozent. Hamburg konnte damit seine Rolle als attraktiver Wirtschafts- und Arbeitsstandort festigen und deutlich ausbauen. Auf Bundesebene betrug der Beschäftigungsaufbau von 2016 (32.044.505) bis 2025 (35.226.000) insgesamt 3.181.495 oder 9,9 Prozent. 

Besonders dynamisch entwickelte sich die Beschäftigung von ausländischen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern. Ihre Zahl hat sich im Zeitraum von Oktober 2015 bis Juni 2025 (jeweils aktuellster Wert für die Gruppen Ausländer und Deutsche) von 93.920 auf 192.525 mehr als verdoppelt. Das entspricht einem Anstieg um 98.605 Personen oder 105,0 Prozent. Damit ist der Beschäftigungszuwachs der vergangenen Jahre maßgeblich auf die wachsende internationale Erwerbsbeteiligung zurückzuführen. Ohne diesen starken Zuwachs wäre das Beschäftigungswachstum in Hamburg nicht möglich gewesen. 
Die Zahl der Beschäftigten mit deutschem Pass nahm im selben Zeitraum ebenfalls zu, wenn auch deutlich moderater. Von Oktober 2015 bis Juni 2025 erhöhte sie sich um 56.899 Personen auf 892.449, was einem Plus von rund 6,8 Prozent entspricht. Im Jahr 2024 ist bei den deutschen Beschäftigten erstmals ein leichter Rückgang gegenüber dem Vorjahr zu verzeichnen (-1.759 Beschäftigte), der jedoch durch den kräftigen Anstieg bei den ausländischen Beschäftigten mehr als ausgeglichen wurde. Die Gesamtbeschäftigung ist in diesem Zeitraum (2015 bis 2025) von 929.481 um 165.919 oder 17,9 Prozent auf 1.09 (Okt. 2024) Arbeitnehmende angestiegen.

Zitat:

Sönke Fock: „Die aktuellen Zahlen zeigen deutlich: Der Hamburger Arbeitsmarkt wächst weiter, getragen von Internationalität, Zuwanderung und einer erfolgreichen Integration ausländischer Fach- und Arbeitskräfte. Diese Entwicklung ist ein zentraler Stabilitätsfaktor für Beschäftigung, Wachstum und Wohlstand in der Hansestadt.“

4. Entwicklung der Voll- und Teilzeitbeschäftigung, Zeitraum 2015 bis 2024

Im Zeitraum von 2015 bis 2024 (aktuellsten Daten zur Teil- und Vollzeitbeschäftigung in Hamburg) ist die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung am Arbeitsort Hamburg insgesamt deutlich gestiegen. Während im Oktober 2015 rund 929.000 Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt waren, lag die Zahl im Oktober 2024 bei etwa 1.085.000 Beschäftigten. Dies entspricht einem Zuwachs von rund 156.000 Personen bzw. 16,8 Prozent innerhalb von zehn Jahren. Damit zeigt sich insgesamt eine positive Beschäftigungsentwicklung, trotz einzelner Rückgänge, etwa im Jahr 2020. 

Sowohl die Zahl der Vollzeit- als auch der Teilzeitbeschäftigten nahm in diesem Zeitraum zu. Die Vollzeitbeschäftigung stieg von rund 684.000 Personen im Jahr 2015 auf etwa 765.000 im Jahr 2024. Dies entspricht einem Anstieg um 11,8 Prozent. Die Teilzeitbeschäftigung wuchs im gleichen Zeitraum deutlich stärker: von rund 246.000 auf etwa 321.000 Beschäftigte. Der Zuwachs beläuft sich damit auf 30,6 Prozent.

Während die Vollzeitbeschäftigung über den gesamten Zeitraum hinweg relativ kontinuierlich zunahm und nur geringe Schwankungen aufwies, zeigt sich bei der Teilzeitbeschäftigung ein deutlich dynamischerer Anstieg. Besonders in den Jahren nach 2020 verzeichnete die Teilzeitbeschäftigung überdurchschnittliche Wachstumsraten. Ein Faktor für die deutliche Zunahme der Teilzeitbeschäftigung ist der steigende Wunsch nach besserer Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Pflege, insbesondere bei Eltern und pflegenden Angehörigen. Zudem hat der Strukturwandel hin zu dienstleistungsorientierten Branchen, in denen Teilzeitmodelle häufiger angeboten werden, die Entwicklung begünstigt. Auch eine zunehmende Erwerbstätigkeit von Frauen, die überdurchschnittlich häufig in Teilzeit arbeiten, trägt zur stärkeren Zunahme bei. Darüber hinaus führen flexible Arbeitszeitmodelle und individuelle Arbeitszeitreduzierungen dazu, dass bereits geringe Stundenreduzierungen statistisch als Teilzeit erfasst werden. Nicht zuletzt haben die Erfahrungen aus der Corona-Pandemie das Bedürfnis nach flexibleren Arbeitszeiten verstärkt. 

5. Investitionen

Das geplante Investitionsprogramm der Bundesregierung entfaltet für den Wirtschafts- und Arbeitsmarktstandort Hamburg dann ihre Wirkung, wenn die finanziellen Mittel zügig, verlässlich und zielgerichtet eingesetzt werden. Als internationaler Handels-, Logistik- und Industriestandort profitiert Hamburg besonders in diesen Wirtschaftsbereichen von Investitionen in Verkehrsinfrastruktur, Energieversorgung, Digitalisierung und Dekarbonisierung. Eine leistungsfähige Hafen- und Verkehrsinfrastruktur, der beschleunigte Ausbau erneuerbarer Energien sowie moderne Informations- und Kommunikationswege sind zentrale Voraussetzungen für wettbewerbsfähige Unternehmen am Standort Hamburg. 

Für den Hamburger Arbeitsmarkt bedeutet dies vor allem Erhalt und Ausbau bestehender Beschäftigungsverhältnisse. Damit Investitionen in die Zukunft wirken, gilt es schon jetzt, Fachkräftesicherung, Qualifizierung und Weiterbildung konsequent mitzudenken. Im vergangenen Jahr investierten Jobcenter team.arbeit.hamburg und Agentur für Arbeit Hamburg über ihre Eingliederungstitel zusammen 244,2 Millionen Euro und damit ungefähr 10 Millionen Euro mehr als im Jahr 2024. Auch in diesem Jahr gilt es über zielgenaue berufliche Weiterbildung von Arbeitsuchenden Arbeitslosigkeit durch Arbeitsaufnahme zu beenden und Unternehmen damit qualifizierte Bewerberinnen und Bewerber zuzuführen. „Gleichzeitig beraten wir als Agentur für Arbeit Hamburger Arbeitgeber zu allen Fördermöglichkeiten der Beschäftigtenqualifizierung und beteiligen uns an den Kosten. Gerade klein- und mittelständische Unternehmen wollen wir zur langfristigen Beschäftigungssicherung unterstützen“, betont Sönke Fock.

Beschäftigte Frauen und Männer können sich über unsere Dienstleistung „Berufsberatung im Erwerbsleben“ direkt informieren und beraten lassen, wenn Veränderungen im Betrieb eine Neuorientierung notwendig machen. 

6. KI kann Wachstum deutlich steigern - Arbeitsmarkt im Wandel, nicht im Abbau

Der verstärkte Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) kann das Wirtschaftswachstum in Deutschland in den kommenden 15 Jahren spürbar erhöhen. Zu diesem Ergebnis kommt eine gemeinsame KI-Szenario-Analyse des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) und der Gesellschaft für Wirtschaftliche Strukturforschung (GWS). Unter den getroffenen Annahmen würde das Bruttoinlandsprodukt jährlich um 
durchschnittlich 0,8 Prozentpunkte stärker wachsen, was einem kumulierten Wertschöpfungszuwachs von rund 4,5 Billionen Euro entspricht.

Das zusätzliche Wachstum entsteht vor allem durch Produktivitätsgewinne, effizienteren Ressourceneinsatz und neue, KI-gestützte Geschäftsmodelle. Gleichzeitig kommt es zu spürbaren Verschiebungen am Arbeitsmarkt: Rund 1,6 Millionen Stellen würden bis 2040 neu entstehen oder wegfallen. Insgesamt bleibt die Zahl der Arbeitsplätze jedoch weitgehend stabil. Besonders stark wächst der Personalbedarf bei IT- und Informationsdienstleistern, während einzelne Dienstleistungsbereiche an Beschäftigung verlieren.

Auch die Qualifikationsanforderungen verändern sich. Tätigkeiten auf Fachkräfte-, Spezialistinnen- und Expertinnen-Niveau bleiben gefragt, verändern sich jedoch inhaltlich. Die Nachfrage nach Helfer- und Anlerntätigkeiten bleibt stabil. „KI verändert vor allem Tätigkeiten und Kompetenzanforderungen, sie ersetzt nicht Arbeit insgesamt“, betont Enzo Weber, Leiter des IAB-Forschungsbereichs Prognosen und gesamtwirtschaftliche Analysen. Entscheidend sei, 
dass Unternehmen neue Geschäftsmodelle entwickeln und KI produktiv einsetzen. „KI kann wirtschaftliches Wachstum mit dem demografischen Wandel verbinden“, ergänzt Christian Schneemann, IAB-Forscher. Voraussetzung dafür seien gezielte Qualifizierung, Investitionen in Infrastruktur und eine hohe Anpassungsfähigkeit von Betrieben und Beschäftigten. 

Mit Blick auf den Hamburger Arbeitsmarkt unterstreicht Sönke Fock die Chancen der technologischen Entwicklung: „Hamburg verfügt mit seiner Digital-, Logistik-, Medien- und Wissenschaftslandschaft über sehr gute Voraussetzungen, KI produktiv zu nutzen. Initiativen der Digitalstrategie Hamburg, der Digitalagentur Hamburg sowie die enge Zusammenarbeit mit Hochschulen und Unternehmen stärkten Innovation und Beschäftigung. KI verändert schon heute Tätigkeitsinhalte zahlreicher Jobs in Hamburg. Entscheidend ist hier, Beschäftigte frühzeitig weiterzubilden und Betriebe bei der Einführung von KI zu unterstützen, damit Produktivitätsgewinne in sichere und zukunftsfähige Beschäftigung münden.“

Quelle und Zitate: Presseinformation des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung vom 19.11.2025

7. Neue Grundsicherung

Mit der Einführung der Neuen Grundsicherung (Grundsicherungsgeld) für Arbeitsuchende wird das bisherige Bürgergeld grundlegend reformiert. Anlass für die Reform ist die politische Bewertung, dass das Bürgergeld seine arbeitsmarktpolitischen Ziele nur teilweise erreicht habe und Anreize zur schnellen Arbeitsaufnahme nicht ausreichend wirksam seien. Die Bundesregierung hat die Reform auf den Weg gebracht, um die Grundsicherung stärker auf Vermittlung in Arbeit auszurichten und das Prinzip des Förderns und Forderns klarer zu verankern. Der entsprechende Gesetzentwurf wurde vom Bundeskabinett am 17. Dezember 2025 beschlossen, muss jedoch noch vom Deutschen Bundestag und Bundesrat beraten und verabschiedet werden. Nach derzeitiger Planung soll die neue Grundsicherung im Jahr 2026 in Kraft treten. Sie ersetzt das Bürgergeld vollständig und markiert einen erneuten Kurswechsel in der deutschen Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik.

Kern der Reform ist eine stärkere Verpflichtung der Leistungsberechtigten zur aktiven Mitwirkung bei der Arbeitsvermittlung. Die neue Grundsicherung legt größeren Wert auf Verbindlichkeit bei Terminen, Maßnahmen und Qualifizierungen und sieht bei Pflichtverletzungen deutlich schnellere und spürbarere Leistungsminderungen vor als bisher. Gleichzeitig entfällt die beim Bürgergeld eingeführte Karenzzeit, in der Vermögen und Unterkunftskosten zunächst unangetastet blieben, sodass die Bedürftigkeit von Beginn an umfassend geprüft wird. Der Fokus der Jobcenter wird stärker auf unmittelbare Vermittlung in Arbeit gelegt, während längerfristige Förderinstrumente wie Weiterbildungen künftig nachrangiger behandelt werden. Die Höhe der Regelsätze soll zunächst unverändert bleiben, allerdings wird das System insgesamt strenger ausgestaltet. Mit diesen Änderungen verfolgt die Bundesregierung das Ziel, die Grundsicherung zielgenauer, arbeitsmarktnäher und wirksamer auszugestalten und die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit zu forcieren. 

In Hamburg wären nach aktueller Auswertung (Dezember 2025) etwa 131.600 erwerbsfähige Leistungsberechtigte von der Reform betroffen, die in 98.600 Bedarfsgemeinschaften gemeldet sind.