„Aktuell sind bei uns 5.758 junge Hamburgerinnen und Hamburger gemeldet, die eine Berufsausbildung suchen und denen wir berufliche Orientierung geben, sie beraten und ihnen freie Ausbildungsangebote vorschlagen. Das sind 333 oder 6,1 Prozent mehr als im März 2025 und sogar 1.320 (oder 29,7 Prozent) über dem Niveau vom März 2024. Gleichzeitig nimmt aber die Anzahl der gemeldeten Hamburger Ausbildungsstellen im selben Zeitraum ab. So gab es Ende März 7.380 gemeldete Ausbildungsstellen in Hamburger Unternehmen, die uns zur Besetzung gemeldet wurden, ein Minus von 6,0 Prozent zum Vorjahresmonat“, beschreibt Sönke Fock, Chef der Agentur für Arbeit Hamburg, die aktuellen Ausbildungsmarktdaten der Agentur für Arbeit Hamburg.
Hamburger Ausbildungsmarktpartner gemeinsam:
Während die Entwicklung auf der Seite der Bewerbenden als sehr positiv bewertet wird, bleiben die Angebote gemeldeter Ausbildungsstellen derzeit hinter den Erwartungen der Hamburger Ausbildungspartner (Handelskammer Hamburg, Handwerkskammer Hamburg, UV Nord, Behörde für Schule und Berufsbildung, DGB Hamburg, Agentur für Arbeit Hamburg) zurück: „Natürlich pulsiert der Hamburger Ausbildungsmarkt auch in diesem Frühjahr auf hohem Niveau, um im Bewerbungs- und Auswahlprozess die geeignete Nachwuchskraft für das Unternehmen zu gewinnen. Die Ausbildungsbereitschaft der Hamburger Wirtschaft darf aber trotz der anhaltend schwierigen Wirtschaftslage, den gestiegenen Energiepreisen und
den unabsehbaren Folgen des Konflikts im Nahen Osten auf keinen Fall nachlassen. Drei wichtige Aspekte stellen wir deshalb heraus, die sich besonders an die Hamburger Unternehmen richten:
1. Fachkräfte von morgen sichern
Die duale Ausbildung ist der wichtigste Weg, um den eigenen Fachkräftebedarf langfristig zu sichern. Unternehmen, die heute ausbilden, investieren direkt in ihre zukünftigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, binden diese an das eigene Unternehmen und machen sich unabhängiger von einem zunehmend angespannten Arbeitsmarkt.
2. Demografischen Wandel aktiv begegnen
In den kommenden Jahren werden in Hamburg zehntausende Beschäftigte altersbedingt in den Ruhestand gehen, während deutlich weniger junge Menschen nachrücken. Der demografische Wandel wird den Fachkräftebedarf also zusätzlich anheizen und verschärfen. Ausbildung ist deshalb nicht nur ein besonders effektives Mittel, sondern oft sogar eine existentielle Notwendigkeit.
3. Wirtschaftliche Stärke und Standort sichern
Gut ausgebildete Fachkräfte sind die Grundlage für Innovation, Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit. Unternehmen, die ausbilden, leisten auch einen wichtigen Beitrag zur wirtschaftlichen Zukunft und Stabilität ihres eigenen Betriebes und des Wirtschaftsstandorts Hamburg.“
Statements der einzelnen Ausbildungspartner:
Sönke Fock, Vorsitzender der Geschäftsführung, Agentur für Arbeit Hamburg:
„Der aktuelle Ausbildungsmarkt ist für Ausbildungsbetriebe und -bewerbende gleichermaßen attraktiv, weil beide ein gemeinsames Ziel verfolgen: Den qualifizierten Berufseinstieg. Dieser sichert der einen Seite die gesuchte Fachkraft von morgen und der anderen eine gesicherte Beschäftigung für ein selbstbestimmtes Leben. Dem gestiegenen und hohen Interesse junger Erwachsener, eine duale Berufsausbildung zu absolvieren, müssen Unternehmen und Ausbildungsbetriebe mit einer maximalen Ausbildungsbereitschaft begegnen.“
Ksenija Bekeris, Hamburgs Senatorin für Schule und Berufsbildung:
„Aktuell interessieren sich deutlich mehr junge Menschen in Hamburg für eine duale Berufsausbildung als in den Vorjahren zum selben Zeitpunkt. Das ist eine sehr erfreuliche Entwicklung. Sie bestärkt uns, die gute Arbeit am Übergang von der Schule in den Beruf weiter auszubauen. Mit Sorge sehe ich allerdings die Entwicklung, dass weniger Betriebe freie Ausbildungsstellen melden. Wenn die Zahl der gemeldeten Plätze etwa um den gleichen Prozentsatz abnimmt wie die der Bewerberinnen und Bewerber zunimmt, steuern wir auf ein Problem zu, das langfristig die ganze Gesellschaft betrifft. Daher wollen wir gemeinsam mit unseren Partnern der beruflichen Bildung weiter daran arbeiten, die Passung von Stellen und Bewerberinnen und Bewerbern zu verbessern. Und ich appelliere ausdrücklich an die Betriebe, die starke Hamburger Tradition der dualen Ausbildung fortzuführen, sowie an alle jungen Menschen, die vielen Beratungsmöglichkeiten wahrzunehmen und auch abseits bekannter Wege ihr Potenzial zu erkennen und zu entfalten.“
Prof. Norbert Aust, Präses der Handelskammer Hamburg:
„Der Willen und die Motivation auszubilden, sind in der Hamburger Wirtschaft weiter sehr hoch, denn die duale Berufsausbildung ist das Rückgrat der Fachkräftesicherung. Wir merken das daran, dass zum Beispiel die Hanseatische Lehrstellenbörse im September bereits jetzt so gut wie ausgebucht ist. Dabei ist die Zukunftsplanung angesichts der seit Jahren schwächelnden Konjunktur und der aktuellen Unsicherheiten vor dem Hintergrund der geopolitischen Lage herausfordernd: Die Hamburger Wirtschaft bewegt sich im Spannungsverhältnis zwischen konjunkturell bedingter zurückhaltender Personalplanung und der Prognose von 173.000 fehlenden Fachkräften bis 2040.“
Hjalmar Stemmann, Präsident der Handwerkskammer Hamburg:
„Im Handwerk gibt es nach wie vor deutlich mehr Lehrstellen als Bewerber. In unserer Lehrstellenbörse sind mehr als 1.120 freie Plätze für 2026 gelistet. Damit liegen wir auf Vorjahresniveau. Sehr viele Ausbildungsverhältnisse entstehen zudem aus Praktika, erscheinen also gar nicht mehr in den Gesuchen. Betriebe wissen: Wer nicht ausbildet, sägt am Ast, auf dem er sitzt. Die duale Ausbildung ist und bleibt die tragende Säule unseres Wirtschaftszweigs. Wer eine Lehrstelle oder einen Praktikumsplatz im Handwerk sucht, bekommt einen – mit vielfältigen Entfaltungsmöglichkeiten und echten Aufstiegschancen für junge Menschen in mehr als 100 Berufen.“
Dr. Philipp Murmann, Präsident UVNord:
„Gerade die duale Ausbildung sichert sowohl unseren Unternehmen als auch den jungen Menschen eine erfolgreiche Zukunft. Auch in aktuell wirtschaftlich schwierigen und weltpolitisch unruhigen Zeiten, müssen Unternehmen vor dem Hintergrund des demographischen Wandels in Ausbildung investieren und junge Menschen sich mit dem Einstieg in ein erfülltes Berufsleben auseinandersetzen. Ich bin mir sicher, dass sich die Zahl der angebotenen Ausbildungsplätze in den nächsten Wochen noch erheblich steigern wird. Ausbildungsplatzsuchende, die Ihren Blick weiten und eine gewisse fachliche und regionale Flexibilität mitbringen, werden auch in diesem Jahr beste Ausbildungschancen haben.“
Tanja Chawla, Vorsitzende des DGB Hamburg:
„Die duale Ausbildung bleibt das Fundament für einen erfolgreichen Berufseinstieg, eine sichere Erwerbsperspektive und für Unternehmen die Basis zur Fachkräftesicherung. Eine Ausbildung schützt außerdem vor Erwerbslosigkeit und prekären Jobs. Dass mehr junge Menschen suchen, während immer weniger Plätze angeboten werden, ist durchaus besorgniserregend. Über 17 % der Jungen Menschen fanden zuletzt keinen Ausbildungsplatz, wodurch sich der Ausbildungsplatz-Wettbewerb im nächsten Jahr weiter verschärfen wird. Dem werden wir mit einer aktuellen Ausbildungsbetriebsquote von 15,3 % nicht gerecht. Es braucht dringend mehr Unternehmen, die Verantwortung in der Berufsausbildung übernehmen, damit Hamburg nicht weiter zu den Schlusslichtern zählen muss. Der umlagefinanzierte Ausbildungsfonds nach dem erfolgreichen Vorbild der SOKA BAU ist eine gute Lösung, den Ausbildungswillen von Betrieben und Unternehmen zu unterstützen und auf gute Lösungen kommt es jetzt an.“
Abschließend nochmals die Ausbildungspartner:
„Im vergangenen Jahr wurden insgesamt 11.916 duale Ausbildungsverträge in Hamburger Unternehmen unterschrieben, das waren 240 oder 2,1 Prozent mehr als im Jahr 2024. Wir werden alle Anstrengungen unternehmen, um auch in diesem Jahr ein ähnlich gutes Ergebnis zu erzielen“, erklären die Ausbildungsmarktpartner gemeinsam und richten sich abschließend an die Bewerbenden: „Als Ausbildungssuchende könnt ihr Euch digital 24/7 zu allen Themen rund um die duale Ausbildung informieren. Die Berufsorientierung in den Schulen, die persönliche Berufsberatung in der Jugendberufsagentur, die zahlreichen Ausbildungsbörsen und Veranstaltungen, aber auch die Lehrstellenbörsen der Handelskammer und Handwerkskammer bieten Euch erstklassige Möglichkeiten einen passenden und spannenden Ausbildungsberuf zu finden. Wir stehen an Eurer Seite!
