Die Agentur für Arbeit Heide zeichnet jedes Jahr im Rahmen der ‚Woche der Ausbildung‘ ein Dithmarscher Unternehmen mit dem Ausbildungszertifikat aus, für seine exzellente Nachwuchsförderung und vorbildliche Fachkräftegewinnung. Sie möchte damit zugleich auf die Bedeutung der Ausbildung aufmerksam machen und sich stellvertretend bei einem Betrieb bedanken für das besondere Engagement und die Chancen, die die jungen Menschen durch eine Ausbildung erhalten.
In diesem Jahr erhält ‚Orthopädie & Schuhe Nils Peters‘ die Auszeichnung der Agentur für Arbeit Heide. Nils Peters hat das Unternehmen 1989 gegründet und über die Jahre gut 50 Auszubildende in verschiedenen Berufsbildern ausgebildet. „Ich habe schnell gemerkt, dass ich ausbilden möchte“, erklärt der Senior-Chef. Er ist der Meinung, dass ein Unternehmen nur dann wirklich gut und zukunftsfähig aufgestellt sei und gibt einen Einblick in seine Gefühlswelt: „Das Unternehmen ist wie mein Erstgeborenes. Es war immer alles gut. Klar zahlt man auch als Arbeitgeber mal Lehrgeld. Von ‚alles ganz toll‘ bis zur ‚absoluten Bauchlandung‘ war alles dabei. Aber gemeinsam mit den jungen Menschen Potentiale entdecken, langfristig planen und füreinander einstehen, das hat immer Spaß gemacht und beide – mich als Arbeitgeber und besonders den jungen Menschen – in der Entwicklung nach vorne gebracht.“
Martin Lieneke, Geschäftsführer der Agentur für Arbeit Heide, beeindruckt besonders, wie vorausschauend die Nachfolge in dem Familienbetrieb angegangen und wie dem Bedarf der Jugendlichen Rechnung getragen wird – so unterschiedlich er auch ist: „In gut vier Jahren soll die Betriebsleitung an Lisa Peters und ihren Mann Nick übergehen. Schon jetzt sind sie im betrieblichen Alltag aktiv, sind bereits die Hauptansprechpartner für die Auszubildenden und schaffen es das ‚Neue‘ mit dem ‚Alten‘ zu verbinden. Die ausgesprochen familiäre Atmosphäre bleibt, dazu kommt das Bewusstsein, dass ein neuer Ansatz im Umgang miteinander wichtig ist – vielleicht noch persönlicher als es früher war. Sie sehen die Auszubildenden in ihrer Individualität und geben ihnen Halt. Bindung durch Nähe, gemeinsam planen ohne indiskret und aufdringlich zu sein. Kreativität zulassen, Lösungen schaffen, die allen gerecht werden.“
„Wir gehen tatsächlich und im wahrsten Sinne des Wortes für unsere Auszubildenen die Extra-Meile“, sagt Lisa Peters, angehende Orthopädietechnik-Meisterin und - gemeinsam mit ihrem Mann Nick - zukünftige Chefin. „Ist das Auto kaputt, holen wir unsere Auszubildenden ab. Sperrt sich jemand aus, sorgen wir dafür, dass unser Schützling wieder in seine Wohnung kommt. Dem Hund geht es schlecht? Wir fahren gemeinsam nach Hause, gucken nach dem Vierbeiner, checken die Lage und sorgen dafür, dass der Auszubildende sich wieder auf seine Arbeit konzentrieren kann. Alles schon passiert!“
Diese Extra-Meile geht Familie Peters gern, sollen doch die jungen Menschen, die in ihrem Betrieb eine Ausbildung beginnen, auch bleiben. Zwei der augenblicklichen Auszubildenden sind über 25 Jahre alt. Für eine von ihnen ist es die erste Ausbildung, der andere ältere Auszubildende hat einen Migrationshintergrund. Besonders wenn es darum geht, kulturelle und sprachliche Hürden zu meistern, sind Geduld und sanfte Beharrlichkeit gefragt. „Familie Peters hat das große praktische Geschick und die starke Motivation des jungen Mannes aus Syrien erkannt, Hindernisse zielführend überwunden und so gemeinsam eine sichere berufliche Perspektive geschaffen“, würdigt Lieneke den Einsatz des Familienunternehmens. Nach einer einjährigen und von der Agentur für Arbeit geförderten sogenannten Einstiegsqualifizierung (EQ) ist der junge Mann in das zweite Ausbildungsjahr eingestiegen. Alle Zeichen deuten auf einen erfolgreichen Ausbildungsabschluss 2028 als Orthopädieschuhmacher hin.
Für Jugendliche ist eine Ausbildung wichtig, da sie als Fachkräfte deutlich seltener arbeitslos werden. Und sollte es doch zu einer Kündigung kommen, finden sie als ausgebildete Fachkräfte schneller einen neuen Job als Ungelernte. So lag die Arbeitslosenquote von Personen mit abgeschlossener Berufsausbildung im Jahr 2025 in Dithmarschen 3,4 Prozent und damit deutlich geringer als bei Personen ohne Berufsabschluss mit 24,2 Prozent.
Für Arbeitgeber bietet die Investition in die Ausbildung eine gute Möglichkeit, auch zukünftig auf genügend Fachkräfte im Unternehmen zurückgreifen zu können. In Dithmarschen bilden die Ausbildungsbetriebe traditionell bereits sehr stark aus. Das belegt die Ausbildungsquote von 6,0 Prozent (Anteil der Auszubildenden an allen Beschäftigten). Landesweit liegt diese Quote bei 5,0 Prozent, bundesweit bei 4,6 Prozent (aktuellster Datenstand: 2024).