Jährlich verleiht die Agentur für Arbeit Heide an ein Steinburger Unternehmen, das sich in der Nachwuchsförderung besonders hervorgetan hat, das Ausbildungszertifikat. In diesem Jahr erhält dasFraunhofer-Institut für Siliziumtechnologie ISIT diese Auszeichnung.
Das Fraunhofer-Institut für Siliziumtechnologie ISIT verfolgt einen klaren Ansatz: Auszubildende sind wichtig. Ganz einfach und manchmal doch so schwer im betrieblichen Alltag umzusetzen. Aber das ISIT steht ganz klar zu seiner Verantwortung und Aufgabe, jungen Menschen und damit nicht zuletzt auch sich selbst Zukunft zu ‚geben‘. Dr. Alexander Heuer, kommissarischer Institutsleiter, erklärt: „Unsere Auszubildenden gehören dazu, sie sind wie ‚festes‘ Personal und ganz ‚normale‘ Mitarbeitende. Sie werden ernst genommen, haben Ideen und eine eigene Meinung, die auch gehört wird. Unsere Ausbilder und Ausbilderinnen legen viel Herzblut in die Entwicklung unserer Nachwuchskräfte.“
Martin Lieneke, Geschäftsführer der Agentur für Arbeit Heide, ist überzeugt, dass neben dem klaren Willen zur Ausbildung auch die Unternehmensstruktur förderlich ist, jungen Menschen eine gute Ausbildung zu gewährleisten: „Das ISIT hat relativ flache Hierarchien und dadurch kurze Kommunikationswege. Je nach Bereich und Abteilung werden Ideen schnell aufgegriffen und – wenn sinnvoll und machbar – auch umgesetzt. Das ist leistungsfördernd und motivierend. Vielleicht ist das auch der Grund, warum das ISIT schon mehrfach den deutschlandweit Jahrgangsbesten im Ausbildungsberuf ‚Mikrotechnologe‘ gestellt hat.“
Aber auch neben der klassischen dualen Ausbildung zeigt sich das ISIT engagiert und erfolgreich. Mitarbeiter*innen des Fraunhofer ISIT besuchen regelmäßig Schulen in der Region, um Einblicke in die faszinierende Welt der Mikrosystemtechnik zu geben. In 90-minütigen Programmen wird gezeigt, wie Forschung und Technik in der Praxis aussehen und welche Karrierewege im ISIT möglich sind. Das Programm ist auf Gemeinschaftsschulen (ab Klasse 10) und Gymnasien (12. und 13. Jahrgang) abgestimmt.
Zusätzlich bietet das ISIT ein Freiwilliges Jahr in der Naturwissenschaft an, ist offen für Praktika und hat schon an zahlreichen Berufsmessen teilgenommen.
„Mit diesem Gesamtpaket aus Information, beruflicher Orientierung und Ausbildung plus des Engagements im Bereich des Studiums hat sich das ISIT das Ausbildungszertifikat wahrlich verdient“, erkennt Lieneke ohne Zweifel an. Offenbar ist dieser ‚gute Ruf‘ auch über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt. „Im Augenblick absolviert ein junger Marokkaner in unserem Haus eine Ausbildung als Elektroniker für Betriebstechnik. Er hatte sich mit 18 Jahren in Marokko auf einen Ausbildungsplatz im ISIT beworben, kam mit 19 in Deutschland an und ist jetzt 22 Jahre alt. Er ist sehr offen, eigenverantwortlich und selbstständig. Mit viel eigenem Einsatz und etwas Unterstützung des Welcome-Centers im Rahmen des Visums-Prozesses, haben wir den Weg nach Deutschland ebnen können. Hier griffen der Wunsch nach persönlicher Veränderung und Wachsen mit unserem Wunsch und Anspruch jungen Talenten unabhängig von Alter, Geschlecht, Nationalität, Religion und Identität Chancen zu geben, bestens zusammen“, erklärt Vivien Wilkens, Personalreferentin.
„Diese Offenheit ist immer noch ungewöhnlich. Es ist auch heute noch nicht selbstverständlich, dass Unternehmen diesen Weg gehen. Befürchtungen, der hohe Aufwand rechne sich am Ende nicht, sind noch weit verbreitet. Das ISIT hat durch seine Kultur der Offenheit gezeigt, dass dieser Weg sich lohnt“, erkennt Lieneke das Engagement des Instituts an.
Für Jugendliche ist eine Ausbildung wichtig, da sie als Fachkräfte deutlich seltener arbeitslos werden. Und sollte es doch zu einer Kündigung kommen, finden sie als ausgebildete Fachkräfte schneller einen neuen Job als Ungelernte. So lag die Arbeitslosenquote von Personen mit abgeschlossener Berufsausbildung im Jahr 2025 in Steinburg bei 3,1 Prozent und damit deutlich geringer als bei Personen ohne Berufsabschluss mit 22,7 Prozent.
Für Arbeitgeber bietet die Investition in die Ausbildung eine gute Möglichkeit, auch zukünftig auf genügend Fachkräfte im Unternehmen zurückgreifen zu können. In Steinburg bilden die Ausbildungsbetriebe traditionell bereits sehr stark aus. Das belegt die Ausbildungsquote von 6,2 Prozent (Anteil der Auszubildenden an allen Be-schäftigten). Landesweit liegt diese Quote bei 5,0 Prozent, bundesweit bei 4,6 Pro-zent (aktuellster Datenstand: 2024).