Der Arbeitsmarkt 2025
- 3,4 Prozent mehr Arbeitslose als im Jahresdurchschnitt 2024 – konjunkturelle Krise prägt den Arbeitsmarkt auch im Jahr 2025
- Stellenmeldungen sinken nach Rückgang im Jahr 2024 im Jahr 2025 nur leicht: Im Vergleich zum Vorjahr wurden 0,3 Prozent weniger neue Stellen gemeldet
- Negative Tendenzen sind im Vergleich zu 2024 abgeschwächt
Ausblick 2026
- Hoffnung auf leichte Erholung des Arbeitsmarkts in der zweiten Jahreshälfte 2026, wenn die Wirtschaftslage sich, wie von führenden Wirtschaftsforschungsinstituten prognostiziert, erholen sollte
- Demografie wird Beschäftigungsaufbau bremsen
- Gleichzeitig findet in der Wirtschaft eine – in großen Teilen digitale – Transformation statt, die die Branchen unterschiedlich beeinflusst
Jahresrückblick 2025 – Die Zeit der Herausforderungen hält an
Im Kreis Herford nahm die jahresdurchschnittliche Arbeitslosenzahl um 295 oder 3,4 Prozent auf 8.964 Personen zu. Die Arbeitslosenquote stieg damit von 6,2 Prozent im Jahresdurchschnitt 2024 auf 6,4 Prozent im Jahresdurchschnitt 2025.
Im Rechtskreis der Arbeitslosenversicherung (Sozialgesetzbuch III) waren im Schnitt 3.485 Männer und Frauen arbeitslos gemeldet. Die Arbeitslosigkeit nahm hier binnen Jahresfrist um 219 oder 6,7 Prozent zu. Die Arbeitslosenquote im Bereich SGB III stieg von 2,3 auf 2,5 Prozent.
Die Zahl der arbeitslos gemeldeten Frauen und Männer, die Bürgergeld beziehen (Sozialgesetzbuch II), stieg im Jahresschnitt gegenüber dem Vorjahr um 76 Personen oder 1,4 Prozent auf 5.479 Personen. Die Arbeitslosenquote im Bereich SGB II blieb im Jahresschnitt konstant bei 3,9 Prozent.
„Auch im Jahr 2025 war der Arbeitsmarkt im Kreis Herford von Herausforderungen gekennzeichnet. Die negative Entwicklung war allerdings nicht so stark wie noch im Vergleich von 2024 und 2023. Es ist nach wie vor ein Negativtrend, der sich glücklicherweise aber nicht als Talfahrt ohne Boden herausgestellt hat. Trotz aller Herausforderungen unserer Zeit, die definitiv wirtschaftliche Spuren und damit auch Spuren am Arbeitsmarkt hinterlassen haben, hat sich der Markt in der Region seine Widerstandsfähigkeit bewiesen“, analysiert Sebastian Placke, operativer Geschäftsführer der Herforder Arbeitsagentur, die Situation im Kreis.
Bei den jungen Arbeitslosen unter 25 Jahren verzeichnete der Kreis Herford im Jahresdurchschnitt einen Anstieg um 31 Personen oder 3,8 Prozent auf 856 Jugendliche. Bei den Älteren über 50 Jahre waren es im Jahresdurchschnitt 237 Arbeitslose oder 7,6 Prozent mehr – insgesamt 3.335.
„Die angespannte wirtschaftliche Lage wirkt sich selbstverständlich auch auf die Berufseinstiegschancen der jungen Menschen aus. Viele Betriebe priorisieren es aktuell ihr vorhandenes Personal zu halten – was nachvollziehbar ist, den Berufseinstieg von jungen Menschen jedoch erschwert. Zwar fallen die Anstiege geringer aus als bei den älteren Arbeitnehmern, die Personengruppe ist aber aufgrund der Demografie eine Kleinere. Zudem ist der reibungslose Berufseinstieg sehr wichtig für einen erfolgreichen beruflichen Weg. Daher ist es wichtig, diese Menschen schnell in Arbeit zu integrieren“, so Sebastian Placke.
Der jahresdurchschnittliche Bestand an ausländischen Arbeitslosen sank um 10 Personen oder 0,3 Prozent auf 2.939 Personen.
„Entgegen des übergreifenden Trends sinkt die Arbeitslosigkeit bei den Ausländern leicht. Eine analoge Entwicklung zeigt sich mit Blick auf die Beschäftigungsdaten: Die Zahl der ausländischen Beschäftigten, die im Kreis Herford arbeiten, ist von März 2024 zu März 2025 um 769 Personen oder 7,1 Prozent gestiegen. Die Zahl der Beschäftigten deutschen Staatsangehörigen ist im gleichen Zeitraum um 513 Personen oder 0,6 Prozent gesunken. Oder anders gesagt: Der Beschäftigungsaufwuchs ist ausschließlich ausländischen Staatsangehörigen zuzurechnen. Ein Fakt, der dem oft wiederholten Stereotyp des arbeitslosen Ausländers entgegensteht“, betont Placke.
Die Zahl der Langzeitarbeitslosen stieg im Jahresdurchschnitt um 298 Personen oder 10,2 Prozent von 2.928 auf 3.226 Personen.
Betriebe und Verwaltungen meldeten im Jahresverlauf 6.197 Arbeitsstellen, 19 oder 0,3 Prozent weniger als 2024. Im Bestand befanden sich im Jahresdurchschnitt 2.004 Arbeitsstellen und damit 227 oder 10,2 Prozent weniger als im Jahr zuvor.
„Mit Blick auf den Stellenmarkt zeigt sich – analog zur Arbeitslosigkeit – eine im Vergleich zum Trend des Vorjahres stark abgeschwächte negative Tendenz“, stellt Sebastian Placke fest. „Der Zugang ist in Jahressumme nahezu konstant zu 2024, im Bestand verzeichnen wir im Jahresschnitt einen moderaten Rückgang. Die Auswirkungen der konjunkturellen Lage waren 2025 weiter spürbar – aber trotzdem haben Betriebe, wenn auch in geringerem Umfang, weiter nach Personal gesucht. Die Passungsprobleme – 54 Prozent der Arbeitslosen im Jahresschnitt suchten nach einer Helferstelle, aber nur 24 Prozent der freien Stellen im Bestand waren Helferstellen – zu überwinden ist angesichts des demografischen Wandels zunehmend eine Herausforderung. Mithilfe unserer Fördermöglichkeiten, die oft auch zum Erwerb eines Berufsabschlusses führen, steuern wir dieser unaufhaltsamen Entwicklung entgegen“, erklärt der Experte weiter.
Ausblick 2026 – Licht und Schatten
An diese Aussage knüpft er an: „Die passgenaue Qualifikation von Menschen für den Arbeitsmarkt – um demografischen Entwicklungen entgegenzuwirken – wird auch 2026 wieder im Fokus unseres Handelns stehen. Wenn wir alles daransetzen, die Auswirkungen des demografischen Wandels abzufedern, können wir damit im Ergebnis Wirtschaft und Sozialstaat bedeutend entlasten.“
Der Blick auf den Arbeitsmarkt 2026 zeigt für den operativen Geschäftsführer Licht und Schatten: „Viele Wirtschaftsinstitute, so auch das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), prognostizieren eine Erholung im nächsten Jahr. Sollte diese wirklich eintreten, ist mit positiven Effekten am Arbeitsmarkt ab Mitte des Jahres zu rechnen. Gleichzeitig deckelt das sinkende Erwerbspersonenpotenzial – also der bereits erwähnte demografische Wandel – das Potenzial eines Beschäftigungsaufbaus. Rechnet man die Passungsprobleme hinzu, wird klar, dass ein wirtschaftlicher Aufschwung durch fehlende Arbeitskräfte gebremst werden könnte.“
Neben der Qualifizierung von Beschäftigten und Arbeitslosen kann auch die Digitalisierung in dieser Situation eine entlastende Rolle einnehmen, so Placke: „Digitale Angebote können vorhandenem Personal Aufgaben abnehmen, damit diese sich auf andere Tätigkeiten konzentrieren können. Das wird den demografischen Wandel nicht komplett kompensieren, aber es kann eine gute Hilfestellung sein.“ Er fügt hinzu: „Auch wir digitalisieren immer mehr Prozesse. Denn an uns geht der demografische Wandel natürlich ebenfalls nicht vorbei. Auch die Angebote für unsere Kundinnen und Kunden werden fortlaufend digitalisiert, sodass es oft gar nicht mehr zwingend notwendig ist, zu uns zu kommen. Viele Anliegen können bereits online erledigt werden.“
Wichtig zu betonen ist ihm abschließend dennoch: „Unternehmen sollten KI nicht als Ersatz für Personal verstehen, sondern als Hilfestellung zur Steigerung der Produktivität ihrer Beschäftigten. Menschliche Arbeit kann sich durch KI verändern – aber KI sollte und kann die menschliche Komponente nicht komplett ersetzen.“