Kreis Minden-Lübbecke - Arbeits- und Ausbildungsmarktbericht

Der Arbeits- und Ausbildungsmarkt im Juni 2026

30.06.2026 | Presseinfo Nr. 68

„Im Juni sinkt die Arbeitslosigkeit weiter – eine Entwicklung, die für diese Jahreszeit in den letzten Jahren eher untypisch geworden ist. Tatsächlich war ein Rückgang der Arbeitslosigkeit im Kreis Minden-Lübbecke im Juni das letzte Mal im Jahr 2021 zu verzeichnen. Auch im Vorjahresvergleich ist die Arbeitslosigkeit deutlich zurückgegangen. Dass wir gerade jetzt – mitten in einer schweren wirtschaftlichen Lage – positive Signale am Arbeitsmarkt verzeichnen, ist erfreulich“, so Frauke Schwietert, Leiterin der Herforder Arbeitsagentur. Sie fügt jedoch hinzu: „Zur Wahrheit gehört aber auch: Im Bereich der Arbeitslosenversicherung (SGBIII) ist im Vorjahresvergleich ein Anstieg zu verzeichnen, der Rückgang ist hauptsächlich auf das Bürgergeld (SGBII) zurückzuführen“, analysiert sie und fügt hinzu: „Seit Jahresbeginn sind uns zu diesem Zeitpunkt in Summe circa 18 Prozent weniger Stellen gemeldet worden als 2025. Die Erholung am Arbeitsmarkt ist also nicht vollumfänglich, und die weitere Entwicklung muss – wie zumeist in den vergangenen Jahren – abgewartet werden.“

Mit Blick auf den Ausbildungsmarkt analysiert die Expertin: „Der Rückgang sowohl auf Bewerber- als auch auf Stellenseite war erwartbar. Auf Bewerberseite sorgt der an den meisten Schulen fehlende Abiturjahrgang für eine rückläufige Nachfrage, auf Arbeitgeberseite schlägt die wirtschaftliche Lage, die schon lange herausfordernd ist, auch auf die Anzahl gemeldeter Ausbildungsstellen durch. Die Situation auf Bewerberseite ist somit unvermeidbar, die Situation auf Arbeitgeberseite nachvollziehbar.“ Dennoch betont sie: „Die duale Ausbildung ist für Unternehmen wichtig, um Nachwuchskräfte für die Zukunft zu sichern. Diese kurzfristige Situation kann für viele Unternehmen langfristige Folgen haben. Und auch für die Jugendlichen ist der reibungslose Übergang von der Schule in den Job besonders prägend für einen erfolgreichen Berufsweg. Daher hoffe ich, dass möglichst viele Jugendliche und Betriebe noch zusammenfinden – unsere Berufsberatung und unser Arbeitgeber-Service können dabei unterstützen.“

Arbeitslosigkeit
Die Zahl der Arbeitslosen im Kreis Minden-Lübbecke sinkt im Juni 2026. Insgesamt sind 10.743 Personen arbeitslos. Dies sind zum Vormonat 189 Personen weniger (-1,7 Prozent). Im Vergleich zum selben Monat des Vorjahres sinkt die Zahl der Arbeitslosen um 465 Personen (-4,1 Prozent). Die Arbeitslosenquote beträgt im Juni 6,2 Prozent. Vor einem Jahr belief sie sich auf 6,5 Prozent (-0,3 Prozentpunkte).

Entwicklung in der Arbeitslosenversicherung (SGB III)
In der Arbeitslosenversicherung sind in diesem Monat 4.522 Personen gemeldet. Dies sind 59 Personen weniger als vor einem Monat (-1,3 Prozent). Zum selben Monat des Vorjahres steigt die Zahl um 391 Personen (+9,5 Prozent).

Entwicklung im Bürgergeld (SGB II)
Bürgergeld erhalten 130 Arbeitslose weniger als im Vormonat (-2,0 Prozent) und 856 weniger als im Vorjahr (-12,1 Prozent). Insgesamt zählen 6.221 Personen und damit 57,9 Prozent aller Arbeitslosen zum Bürgergeld gemäß SGB II.

Jugendarbeitslosigkeit
1.276 Arbeitslose sind im Juni 2026 im Kreis Minden-Lübbecke unter 25 Jahre alt. Dies sind 6 Personen weniger als im Vormonat (-0,5 Prozent). Zum selben Monat des Vorjahres sind 46 junge Menschen mehr arbeitslos (+3,7 Prozent).

Arbeitslose ab 50 Jahre
Die Anzahl arbeitsloser Menschen ab 50 Jahren sinkt zum Vormonat um 36 Personen (-1,0 Prozent). Im Vergleich zum Vorjahr sind es 52 Arbeitslose mehr (+1,5 Prozent). Insgesamt sind 3.575 Menschen ab 50 Jahren im Kreis Minden-Lübbecke arbeitslos.

Langzeitarbeitslose
Die Zahl der Langzeitarbeitslosen im Kreis Minden-Lübbecke sinkt um 47 Personen (-1,0 Prozent). 4.477 Personen sind länger als ein Jahr nicht sozialversicherungspflichtig beschäftigt, darunter zählen 84,9 Prozent (3.802 Personen) zum Bürgergeld. Im Vergleich zum Vorjahr sinkt die Zahl dieser Arbeitslosen um 72 Personen (-1,6 Prozent).

Unterbeschäftigung
Die Unterbeschäftigung im Kreis Minden-Lübbecke sinkt im Juni 2026. Insgesamt sind 13.536 Personen ohne Beschäftigung. Dies sind zum Vormonat 206 Personen weniger (-1,5 Prozent). Im Vergleich zum selben Monat des Vorjahres sinkt die Unterbeschäftigung um 391 Personen (-2,8 Prozent). Die Unterbeschäftigung setzt sich zusammen aus der Anzahl der Menschen, die arbeitslos gemeldet sind, und denjenigen, die Arbeitslosengeld oder Bürgergeld erhalten, dem Arbeitsmarkt jedoch aktuell nicht zur Verfügung stehen und daher rechtlich nicht als arbeitslos gelten – wenn man zum Beispiel an einer Fördermaßnahme teilnimmt oder in Mutterschutz ist.

Stellenangebot
Die Arbeitgeber aus dem Kreis Minden-Lübbecke haben in diesem Monat 379 Stellen gemeldet und damit 34 weniger als im Vormonat (-8,2 Prozent). Im Vergleich zum selben Monat des Vorjahres sinkt die Anzahl der neuen Stellenmeldungen um 72 Stellen (-16,0 Prozent). Im Bestand befinden sich insgesamt 2.027 offene Stellen, 124 weniger als vor einem Monat (-5,8 Prozent) und 539 weniger als vor einem Jahr (-21,0 Prozent).

Ausbildungsmarkt
Seit Oktober 2025 haben sich im Kreis Minden-Lübbecke 1.744 Jugendliche und junge Erwachsene auf der Suche nach einer Ausbildungsstelle bei der Berufsberatung der Arbeitsagentur gemeldet. Das sind 38 junge Menschen weniger als im Vorjahreszeitraum (-2,1 Prozent). Von den 1.744 Jugendlichen sind momentan 722 Ausbildungsinteressierte für das aktuelle Jahr noch unversorgt.

Seit Oktober 2025 meldeten Unternehmen und Verwaltungen aus dem Kreis Minden-Lübbecke der Arbeitsagentur zudem insgesamt 1.414 Ausbildungsstellen. Dies sind 150 weniger als vor einem Jahr (-9,6 Prozent). Von den gemeldeten Ausbildungsplätzen sind 661 derzeit noch unbesetzt. Somit kommen derzeit rechnerisch auf 100 gemeldete Ausbildungsstellen 124 junge Menschen.

Hinweis: Die Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen ist aktuell unterzeichnet, es werden auf Bundesebene schätzungsweise rund fünf Prozent (Stand Mai) Ausbildungsstellen zu wenig ausgewiesen. Hintergrund sind veränderte Prozesse in Fachverfahren der BA. Diese müssen noch in die statistische Erhebung integriert werden. Die BA überprüft und vereinfacht derzeit Prozesse, um Angebote für Arbeitgebende und Unternehmen zu verbessern und bürokratischen Aufwand zu reduzieren. Diese Verfahrensänderung muss noch in die statistische Erhebung integriert werden, das wird im Sommer abgeschlossen.