Daten und Einschätzungen zur aktuellen Lage auf dem Arbeitsmarkt.
Hans-Martin Rump, Vorsitzender der Geschäftsführung und Leiter der Agentur für Arbeit Kiel sagte zur Entwicklung der Arbeitslosenzahlen in der Landeshauptstadt Kiel:
„Die Zahl der arbeitslosen Menschen in der Landeshauptstadt Kiel ist im Wonnemonat Mai um 112 oder ein Prozent gegenüber dem Vormonat April zurück gegangen. Das ist eine normale, saisonale Entwicklung. Mit Ausnahme der Jahre 2019 und coronabedingt 2020 gab es beim Vergleich der Monate April und Mai in den letzten Jahrzehnten immer Rückgänge der Arbeitslosenzahlen auf dem lokalen Arbeitsmarkt zu verzeichnen. Entsprechend ist auch die Zahl der Menschen, die sich neu arbeitslos gemeldet haben mit 2.253 um rund 100 oder 4,3 Prozent geringer als im April. Auch die Zahl derjenigen, die sich aus einer Erwerbstätigkeit arbeitslos gemeldet haben, ging um 46 oder 5,8 Prozent zurück. Auf der anderen Seite haben im Mai 2.376 Menschen die Arbeitslosigkeit verlassen. Das ist ein Plus von 129 oder 5,7 Prozent gegenüber dem April. 740 von ihnen nahmen eine Erwerbstätigkeit auf – immerhin ein Zuwachs gegenüber dem Vormonat von 27 oder 3,8 Prozent. Das Pendel neigt sich also in diesem Monat in die richtige Richtung. Eine gute Auftragslage im Bereich der Industrie und Dienstleistungen sowie - passend zum frühsommerlichen Wetter – die nach Ostern steigende Nachfrage im Tourismus haben diese positive Entwicklung in den letzten Wochen sicherlich mitbeeinflusst.“
Beim noch wichtigeren Vorjahresvergleich gibt es ebenfalls eine positive Tendenz zu beobachten:
„Der positive Trend mit Blick auf den Rückgang der Arbeitslosenzahlen gegenüber dem jeweiligen Vorjahresmonat hält auch im Mai an. Über den Rückgang gegenüber dem Vorjahr freue ich mich besonders, weil er eine von saisonalen Einflüssen bereinigte Situation darstellt und damit ein Indikator für die weiterhin guten Rahmenbedingungen auf dem Kieler Arbeitsmarkt ist. Zum sechsten Mal in Folge haben wir zum Vorjahr ein Absinken der Arbeitslosigkeit zu verzeichnen. Das ist gerade auch in Hinblick auf die konjunkturellen und geopolitischen Herausforderungen eine gute Nachricht. Aktuell ist die Zahl der arbeitslosen Frauen und Männer zwischen Rönne und Schilksee um 54 oder 0,5 Prozent gegenüber Mai 2025 zurückgegangen. Hinzu kommt eine deutliche Entlastung des Arbeitsmarktes durch arbeitsmarktpolitische Angebote. Qualifizierung ist das Gebot der Stunde, um vormals arbeitslose Menschen aber auch in Beschäftigung stehende Arbeitnehmer/innen für die künftigen Herausforderungen des Arbeitsmarktes fit zu machen. Aktuell befinden sich mehr als 3.200 Kielerinnen und Kieler in einer Qualifizierung. Das sind rund 22 Prozent mehr als im Mai des Vorjahres. Dabei arbeiten Jobcenter und Agentur für Arbeit eng zusammen, um Menschen aus beiden Rechtskreisen auf ihren Weg, an dessen Ende möglichst eine Einmündung in Beschäftigung steht, zu begleiten“
Zur Nachfrageseite auf dem Arbeitsmarkt sagte der Agentur-Chef:
„In diesem Monat wurden unserem gemeinsamen Arbeitgeber-Service von Arbeitsagentur und Jobcenter der Landeshauptstadt Kiel 914 sozialversicherungspflichtige Stellen gemeldet. Ein noch besseres Resultat in einem Mai hat es zuletzt vor neun Jahren im Mai 2017 gegeben. Damals wurden uns 918 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze gemeldet. Das ist ein schönes und wichtiges Signal der Arbeitgebenden und unterstreicht die Robustheit des lokalen Arbeitsmarktes gegenüber globalen und wirtschaftlichen Einflüssen. Mit jeder neuen Stelle steigt auch die Chance, Arbeitslosigkeit zu beenden oder gar nicht erst entstehen zu lassen. Gestützt durch einen deutlichen Mehrbedarf an Personal – vor allem auch im verarbeitenden Gewerbe, zu dem auch der Bereich der Wehrtechnik gehört – haben wir in den ersten fünf Monaten fast 4.000 zusätzliche Arbeitsplätze von den Kieler Betrieben gemeldet bekommen. Das entspricht einem Plus von rund 30 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Jede Stelle in der Industrie zieht auch im Dienstleistungssektor Stellen nach sich“, so heißt es in der Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. „Ob sich das eins zu eins auf die aktuelle Angebotssituation auswirkt, lässt sich nicht belegen, Fakt ist aber, dass die Kieler Berufswelt auch in diesem Monat neben dem Verarbeitenden Gewerbe einen bunten Strauß an Stellen aus allen Branchen bereithält. Auch dies unterstreicht die geringere Anfälligkeit für Krisen und wirtschaftliche Schwankungen unseres lokalen Arbeitsmarktes.“
Neben den aktuellen Stellenmeldungen ist aber auch die Seite der realisierten Stellennachfrage ein wichtiger Indikator für die Entwicklung auf dem lokalen Arbeitsmarkt: „Die aktuellen Daten zur sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung – es liegen die Zahlen vom November 2025 vor – weist einen Rückgang von 2.278 oder 1,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr aus. Der deutliche Rückgang der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung wurde durch das geänderte Meldeverhalten eines bundesweit agierenden Unternehmens aus dem Bereich der sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen verursacht, das einen seiner beiden Hauptsitze in Kiel hat. Der Betrieb hat alle seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die an anderen Standorten in Deutschland tätig sind, abgemeldet und dort dann jeweils neu angemeldet“, weist Hans-Martin Rump auf einen besonderen statistischen Effekt hin, der erklärt, warum die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten kurzfristig in Kiel deutlich zurückgegangen ist.