Eine Geschichte, die Mut macht

Besser spät als nie – 25jähriger startet viele Jahre nach seinem Schulabschluss in eine Ausbildung

28.01.2026 | Presseinfo Nr. 7

Lucas Thümer aus Schwentinental hat einen für sein Alter ungewöhnlichen Lebenslauf vorzuweisen. Der 25jährige gebürtige Frankfurter (Oder) hat die allgemeinbildende Schule im Juni 2016 mit der mittleren Reife und guten bis sehr guten Noten in den Hauptfächern verlassen. Anschließend hat er das Berufliche Gymnasium Technik in Kiel besucht und dort die Fachhochschulreife erworben. Er begann Ende 2019 eine Ausbildung als Elektroniker für Maschinen und Antriebstechnik in Kiel. Ihm wurde aber zum Ende seiner Probezeit im Frühjahr 2020 gekündigt. Die Berufsberatung hat er zu diesem Zeitpunkt aber nicht aufgesucht.

„Das war für Lucas eine schwierige Situation“, blickt Susanne Jacobi, Berufsberaterin in der Agentur für Arbeit Kiel, zurück. „In dieser speziellen Fachrichtung gab es keinen anderen Ausbildungsbetrieb in der Region. Hinzu kam, dass zum Zeitpunkt der Kündigung der erste Lock-Down während der Corona-Pandemie ausgerufen wurde.“ 
Lucas fiel dann in ein Loch, arbeitete kurzzeitig in einem Betrieb für Wohnwagen und Wohnmobile ganz in der Nähe seines jetzigen Ausbildungsplatzes, war aber auch viel zu Hause. Im April 2025 schaute er in der Jugendberufsagentur in Preetz vorbei und bekam dort einen Termin im Mai bei der für ihn zuständigen Berufsberaterin Susanne Jacobi.

„Lucas war in den Jahren zuvor noch nicht bei der Berufsberatung gewesen – war aber zu diesem Zeitpunkt im Leistungsbezug beim Jobcenter Kreis Plön. Durch die enge und kollegiale Zusammenarbeit ist es uns dann gemeinsam gelungen, Lucas zu helfen“, fährt Susanne Jacobi fort.

So vermittelte die Berufsberaterin ihn in ein Berufsorientierungspraktikum (BOP) bei der Firma Autolackierung Raisdorf. Es gefiel ihm dort gut und der Inhaber Ayhan Cankaya, der offen für junge Menschen ist, bei denen nicht alles perfekt gelaufen ist, konnte sich ebenfalls vorstellen, Lucas in Ausbildung zu übernehmen. Diese startete dann im September 2025 mit der Autolackierung Raisdorf als Ausbildungsbetrieb, der Ausbildungsvertrag wurde allerdings zwischen dem Träger ‚isfa plus‘ GmbH in Kiel und Lucas geschlossen. Das Jobcenter Kreis Plön fördert den Ausbildungsplatz.

„Lucas‘ Ausbildung findet in Form einer so genannten außerbetrieblichen Ausbildung – kooperatives Modell (BaE) statt. Das ist zugegebenermaßen ein etwas sperriger Begriff, beschreibt aber ganz gut, worum es dabei geht. Lucas hat sich viele Jahre nicht mit dem Thema Ausbildung beschäftigt, ist aus dem schulischen Alltag lange heraus und hat zudem mit einem schwierigen familiären Umfeld zu kämpfen. Deshalb war es allen an der Anbahnung des Ausbildungsverhältnisses beteiligten Personen wichtig, Lucas ein sicheres Umfeld zu bieten. Von dem vom Jobcenter Kreis Plön beauftragten Träger bekommt er einmal die Woche „Stützunterricht“. Dort wird der Unterrichtsstoff aus der Berufsschule aufgearbeitet, aber auch sozialpädagogische Hilfe angeboten. Das Jobcenter und die Berufsberatung stehen dabei im engen Austausch mit dem Träger. Unser gemeinsames Ziel ist es, Lucas erfolgreich durch die Ausbildung zum Kraftfahrzeugmechatroniker zu begleiten“, beschreibt Jacobi diese besondere Form der Ausbildung.

Der 25jährige erhält – wie jeder andere Jugendliche oder junge Erwachsene auch – im Rahmen dieser besonderen Form der Ausbildung eine Ausbildungsvergütung, die aber geringer ausfällt, als bei einer Regel-Ausbildung und ist zudem sozialversichert. Aktuell bekommt er zudem noch einen Anteil aus seinem Bürgergeld-Leistungsbezug. Noch wohnt er bei seinen Eltern, möchte dort aber baldmöglichst ausziehen.
„Für den Ausbildungserfolg ist es in diesem besonderen Fall wichtig, dass Lucas eine Wohnung findet“, stellt Jacobi fest.  
Er hat deshalb viele Hebel in Bewegung gesetzt, um für sich eine Bleibe in Schwentinental zu finden. Die Miete ist dann durch die Gewährung von Berufsausbildungsbeihilfe durch die Agentur für Arbeit sowie seine Ausbildungsvergütung gesichert. Lucas hofft, dass er Miet-Angebote erhält, damit er endlich auf eigenen Füßen stehen kann.