Die Entgelte der sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigten sind im Bezirk der Agentur für Arbeit Landshut-Pfarrkirchen in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Das zeigen die aktuellen Zahlen der Bundesagentur für Arbeit für den Zeitraum von 2021 bis 2025. Betrachtet werden dabei die Stadt und der Landkreis Landshut sowie die Landkreise Dingolfing-Landau und Rottal-Inn. Die Bruttomonatsentgelte unterscheiden sich innerhalb der Region erheblich. Während der Landkreis Dingolfing-Landau mit einem Medianentgelt von rund 4.639 Euro deutlich über dem bundesweiten Wert von 4.217 Euro liegt, bleiben die Stadt Landshut, der Landkreis Landshut und insbesondere der Landkreis Rottal-Inn unter dem deutschen Vergleichswert.
Dingolfing-Landau führt den regionalen Entgeltvergleich an
Das höchste Medianentgelt erreicht der Landkreis Dingolfing-Landau mit 4.639 Euro brutto im Monat. Damit liegt der Landkreis rund 422 Euro oder zehn Prozent über dem Bundesmedian. Die Stadt Landshut kommt auf 4.192 Euro und erreicht damit nahezu das bundesweite Niveau. Der Abstand beträgt lediglich rund 24 Euro beziehungsweise 0,6 Prozent. Im Landkreis Landshut liegt das Medianentgelt bei 4.002 Euro und damit rund 215 Euro oder 5,1 Prozent unter dem Bundeswert. Den niedrigsten Wert der vier betrachteten Regionen weist der Landkreis Rottal-Inn mit 3.717 Euro auf. Das sind rund 499 Euro oder 11,8 Prozent weniger als im Bundesdurchschnitt. „Die Daten zeigen, wie stark die Entgelte von der regionalen Wirtschaftsstruktur geprägt werden. Gerade der hohe Anteil des verarbeitenden Gewerbes und der Metall- und Elektroindustrie trägt dazu bei, dass Dingolfing-Landau beim Medianentgelt aktuell deutlich über dem Bundesniveau liegt. Gleichzeitig sehen wir innerhalb unseres Agenturbezirks erhebliche Unterschiede – sowohl zwischen den Landkreisen und der Stadt als auch zwischen den Geschlechtern. Das unterstreicht, wie wichtig Qualifizierung und Kompetenzentwicklung sind, um gemeinsam mit den Arbeitsmarktpartnern den Herausforderungen zu begegnen“, so Matthias Dengler, Leiter der Agentur für Arbeit Landshut-Pfarrkirchen.
Entgeltabstand zwischen Männern und Frauen regional besonders ausgeprägt
Bundesweit beträgt das Medianentgelt der Männer 4.328 Euro, das der Frauen 4.019 Euro. Die unbereinigte Differenz liegt damit bei rund 309 Euro im Monat. In allen vier betrachteten Regionen ist der Abstand größer.
Am höchsten ist die Differenz im Landkreis Dingolfing-Landau. Männer erreichen dort ein Medianentgelt von 5.031 Euro, Frauen von 3.926 Euro. Der monatliche Abstand beträgt somit rund 1.105 Euro. Im Landkreis Landshut liegt die Differenz bei rund 687 Euro, in Rottal-Inn bei 535 Euro und in der Stadt Landshut bei 493 Euro.
„Die regionalen Unterschiede beim Entgelt zwischen Männern und Frauen sind auffällig und sollten uns dazu bringen, genauer hinzuschauen. Die Zahlen sind unbereinigt und sagen deshalb nicht, dass Frauen und Männer bei gleicher Tätigkeit automatisch unterschiedlich bezahlt werden. Eine wichtige Rolle spielen beispielsweise Berufswahl, Branche, Anforderungsniveau und Arbeitszeit. Dennoch zeigen die Ergebnisse, dass es weiterhin Handlungsbedarf gibt, Frauen stärker für gut entlohnte Berufe und insbesondere für technische und industrielle Tätigkeiten zu gewinnen und ihnen entsprechende berufliche Entwicklungsmöglichkeiten zu eröffnen“, erklärt Andrea Czink, Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt der Agentur für Arbeit Landshut-Pfarrkirchen.
Höheres Anforderungsniveau zahlt sich aus
Mit steigendem Anforderungsniveau nehmen die Entgelte in allen betrachteten Regionen deutlich zu. Bundesweit reicht die Spannweite von 3.004 Euro für Helfertätigkeiten bis zu 6.555 Euro für Expertentätigkeiten.
Bei Helfertätigkeiten liegen alle Regionen relativ nah am Bundeswert. Die Entgelte reichen von 2.937 Euro in Rottal-Inn bis 3.165 Euro in Dingolfing-Landau. Größere Unterschiede zeigen sich bei qualifizierten Tätigkeiten. Fachkräfte verdienen im Landkreis Dingolfing-Landau im Median 4.669 Euro und damit deutlich mehr als Fachkräfte in Deutschland mit 3.909 Euro. In Rottal-Inn beträgt das Medianentgelt der Fachkräfte dagegen 3.627 Euro.
Besonders groß ist die regionale Spannweite bei Expertentätigkeiten. Der Landkreis Dingolfing-Landau erreicht hier 7.905 Euro, der Landkreis Landshut 6.969 Euro und die Stadt Landshut 6.576 Euro. Rottal-Inn liegt mit 5.768 Euro deutlich niedriger. Der bundesweite Expertenmedian beträgt 6.555 Euro.
Die Ergebnisse zeigen zugleich, dass ein höheres Anforderungsniveau allein nicht alle regionalen Unterschiede erklärt. So liegen die Spezialistenentgelte in Dingolfing-Landau trotz des hohen Gesamtentgelts unter dem Bundeswert, während der Landkreis Landshut bei Spezialisten und Experten überdurchschnittliche Werte erreicht.
„Investitionen in die Qualifikation und die Kompetenzentwicklung der Beschäftigten sind ein wesentlicher Zukunftsfaktor für unsere Region – sowohl für die Arbeitgeber als auch für die Beschäftigten sowie Berufseinsteiger und zahlen sich doppelt aus. Die Arbeitgeber erhalten qualifizierte Arbeitskräfte und die Beschäftigten mittelfristig den Mehrwert einer Eigentumswohnung. Wir unterstützen gerne mit unseren Dienstleistungen wie z. B. der Beschäftigtenqualifizierung.“, so Matthias Dengler, Leiter der Agentur für Arbeit Landshut-Pfarrkirchen.
Industrie prägt das hohe Entgeltniveau
Die Wirtschaftsstruktur ist ein wesentlicher Faktor für die regionalen Entgeltunterschiede. Im Verarbeitenden Gewerbe liegt der bundesweite Median bei 4.575 Euro. Der Landkreis Dingolfing-Landau erreicht 5.454 Euro, die Stadt Landshut 4.966 Euro und der Landkreis Landshut 4.638 Euro. In Rottal-Inn liegt der Wert dagegen bei 3.729 Euro.
Noch deutlicher fällt der Vergleich in der Metall-, Elektro- und Stahlindustrie aus. Hier werden in Dingolfing-Landau 5.544 Euro, in der Stadt Landshut 5.541 Euro und im Landkreis Landshut 5.288 Euro erreicht. Alle drei Werte liegen über dem Bundesmedian von 4.891 Euro. Rottal-Inn bleibt mit 3.549 Euro deutlich darunter.
Handel, Logistik und sonstige Dienstleistungen mit niedrigeren Entgelten
In den Dienstleistungsbereichen zeigt sich ein anderes Bild. Im Handel einschließlich Kfz-Instandhaltung reichen die regionalen Medianentgelte von 3.206 Euro in Rottal-Inn bis 3.574 Euro in Dingolfing-Landau. Der Bundeswert beträgt 3.598 Euro. Damit erreicht keine der vier Regionen in diesem Wirtschaftszweig den bundesweiten Median. Bei Verkehr und Lagerei liegt die Stadt Landshut mit 3.520 Euro leicht über dem Bundeswert von 3.431 Euro. Die Landkreise Landshut, Dingolfing-Landau und Rottal-Inn bleiben mit Entgelten zwischen rund 3.153 und 3.287 Euro darunter. Auch die Arbeitnehmerüberlassung gehört zu den vergleichsweise niedrig entlohnten Bereichen. Bundesweit liegt der Median bei 2.623 Euro. Für die Stadt Landshut werden 2.978 Euro und für Dingolfing-Landau 2.728 Euro ausgewiesen. Für den Landkreis Landshut und Rottal-Inn ist kein belastbarer Medianwert veröffentlicht.
Öffentliche Verwaltung und Gesundheitswesen stabilisieren das Entgeltniveau
Die öffentliche Verwaltung weist in allen vier Regionen vergleichsweise stabile Entgelte auf. Die Werte reichen von 4.300 Euro im Landkreis Landshut bis 4.607 Euro in der Stadt Landshut. Sie liegen damit teilweise unter dem Bundesmedian dieses Wirtschaftszweigs von 4.713 Euro, aber deutlich über vielen handels- und logistiknahen Tätigkeiten.
Im Gesundheitswesen erreicht die Stadt Landshut mit 4.446 Euro einen Wert oberhalb des Bundesmedians von 4.319 Euro. In den Landkreisen Landshut, Dingolfing-Landau und Rottal-Inn liegen die Medianentgelte des Gesundheitswesens dagegen zwischen rund 3.624 und 3.816 Euro.
Betriebsgröße: Bundesdaten zeigen einen klaren Zusammenhang
Auf Bundesebene steigt das Medianentgelt deutlich mit der Betriebsgröße. In Kleinstbetrieben mit einem bis neun sozialversicherungspflichtig Beschäftigten liegt es bei 3.209 Euro. Kleinbetriebe mit 10 bis 49 Beschäftigten erreichen 3.665 Euro, mittlere Betriebe mit 50 bis 249 Beschäftigten 4.088 Euro und Großbetriebe mit mindestens 250 Beschäftigten 5.056 Euro. Zwischen Kleinst- und Großbetrieben liegt damit eine Differenz von rund 1.848 Euro im Monat. Auf Kreisebene wurden keine Untergliederung nach Betriebsgrößenklassen veröffentlicht. Deshalb lässt sich nicht belastbar bestimmen, welcher Anteil der regionalen Entgeltunterschiede unmittelbar auf die Betriebsgröße zurückzuführen ist. Der hohe Industrieanteil und die Präsenz größerer Betriebe kommen als mögliche Einflussfaktoren jedoch durchaus in Betracht.
Die Entgeltlandschaft in der Region ist von deutlichen Unterschieden geprägt.
Dingolfing-Landau profitiert vor allem von hohen Entgelten im Verarbeitenden Gewerbe sowie in der Metall- und Elektroindustrie. Die Stadt Landshut liegt insgesamt nahe am Bundesniveau und weist überdurchschnittliche Werte unter anderem im Gesundheitswesen auf. Der Landkreis Landshut liegt beim Gesamtentgelt unter dem Bundesmedian, erreicht aber bei Spezialisten und Experten hohe Werte. Rottal-Inn bleibt insgesamt deutlich zurück, besonders in industriellen Fachkräftebereichen. Die Auswertung macht zugleich deutlich: Wirtschaftszweig, Anforderungsniveau, Geschlechterstruktur und vermutlich auch die Betriebsgröße wirken zusammen.
