Drei Jahre und ein Tag: Wenn das Handwerk auf Wanderschaft geht

Zum Tag des Handwerks am 19. September erinnert sich die Agentur für Arbeit Leipzig an einen ungewöhnlichen Besucher, der mit seinen Erzählungen gezeigt hat, wie vielfältig ein Berufsweg im Handwerk sein kann.

18.09.2026 | Presseinfo Nr. 27

Er kam nicht, weil er arbeitslos war. Er suchte keine Beratung, keine Förderung und auch keine neue Stelle. Eigentlich wollte er nur etwas erzählen...

Am 13. April stand ein junger Zimmermann in traditioneller Kluft in der Agentur für Arbeit Leipzig. Er war noch ganz am Anfang seiner Walz: drei Jahre und einen Tag unterwegs, mit nur dem, was er selbst tragen kann. Sein Plan: Auf seiner Reise wollte er auch elf Arbeitsagenturen besuchen und dort von einer Tradition berichten, die heute nur noch wenige junge Handwerkerinnen und Handwerker selbst erleben.

Aus einem kurzen Besuch wurden rund anderthalb Stunden voller Fragen.

Wie reist man ohne eigenes Handy? Wo schläft man? Wie hält man Kontakt zu Familie und Freunden? Was passiert, wenn man nicht einfach ein Hotel buchen und bezahlen kann?

Der Wandergeselle erzählte von den Regeln seiner Walz, vom Unterwegssein mit wenig Besitz und davon, auf andere Menschen zuzugehen und um Unterstützung oder ein Nachtlager zu bitten. Ein eigenes Handy begleitet ihn nicht. Telefonieren oder eine E-Mail schreiben kann er trotzdem – wenn ihm jemand dafür ein Gerät leiht. Kontakte und Begegnungen hält er ganz klassisch in einem kleinen Buch fest. Er arbeitet dort, wo er gebraucht wird - im Handwerk.
Vor allem aber sprach er darüber, warum er sich überhaupt auf den Weg gemacht hat: über Freiheit, Neugier und die Chance, Menschen, Handwerksbetriebe, Arbeitsweisen und Regionen kennenzulernen, die ihm sonst vielleicht nie begegnet wären.

Für die Kolleginnen und Kollegen der Agentur für Arbeit Leipzig war dieser Vormittag ein ungewöhnlicher Einblick in eine jahrhundertealte Handwerkstradition.

Zitat:

„Wahrscheinlich haben wir mehr Fragen gestellt als umgekehrt. Diese Begegnung ist uns so sehr im Gedächtnis geblieben, weil sie gezeigt hat, welche Möglichkeiten ein Handwerksberuf eröffnen kann. Handwerk bedeutet eben nicht nur Ausbildung, Gesellenbrief und Arbeitsplatz. Es kann auch bedeuten, mit dem eigenen Können im Gepäck loszuziehen und Erfahrungen fürs Leben zu sammeln.“, erinnert sich Tina-Marie Reuter, Pressesprecherin der Agentur für Arbeit Leipzig.

Bevor die Walz beginnen kann, steht die Ausbildung

Zum Tag des Handwerks am 19. September richtet sich der Blick deshalb nicht nur auf Fachkräfte, sondern vor allem auf diejenigen, die noch ganz am Anfang ihres Berufsweges stehen.
Und auch wenn das neue Ausbildungsjahr bereits begonnen hat, ist der Zug für Jugendliche, die noch keinen Ausbildungsplatz gefunden haben, keineswegs abgefahren.

Tipp:Auch in Leipzig gibt es noch Möglichkeiten, kurzfristig in eine betriebliche Ausbildung einzusteigen. 

Wo? Na hier:  Jobbörse

Jugendliche, die noch auf der Suche sind, sollten deshalb nicht nur Stellenanzeigen im Blick behalten, sondern auch selbst aktiv werden und gezielt bei Betrieben nachfragen. Auch nach dem offiziellen Ausbildungsstart können sich noch Türen öffnen.

Für Jugendliche lohnt es sich bei der Berufsorientierung einen genaueren Blick auf das Handwerk zu werfen. Denn hinter dem Begriff verbergen sich ganz unterschiedliche Berufe, Entwicklungsmöglichkeiten und Lebenswege – von der klassischen Ausbildung über Meister- und Weiterbildungswege bis hin zu einer Erfahrung wie der Walz.

Bundesweit zeigt sich zugleich, wie wichtig Nachwuchs für das Handwerk wird: Rund 718.000 Beschäftigte in Handwerksberufen sind zwischen 55 und unter 65 Jahre alt und werden in den kommenden Jahren voraussichtlich aus dem Erwerbsleben ausscheiden. Schon heute zählen zahlreiche Handwerksberufe zu den Engpassberufen.

Zitat:

„Wer heute eine Ausbildung im Handwerk beginnt, entscheidet sich für einen Bereich, in dem gut ausgebildete Fachkräfte dringend gebraucht werden. Und unser Besucher im April hat uns noch einmal auf eine ganz andere Art vor Augen geführt, wie viel Tradition, Können, Selbstständigkeit und auch Abenteuer in diesen Berufen stecken können“, so Reuter.

Wie es unserem Wandergesellen heute geht und wo er inzwischen unterwegs ist? Das wissen wir nicht – kein Anschluss unter dieser Nummer!
Aber vielleicht ist genau das ein Teil der Geschichte.

Und sollte er auf seinen drei Jahren und einem Tag noch einmal durch Leipzig kommen: In der Agentur für Arbeit Leipzig dürfte er mit Sicherheit wieder mit ziemlich vielen Fragen rechnen.