Ausbildungsmarktpartner werben gemeinsam für die betriebliche Ausbildung

Bedingt durch die konjunkturelle Schwächephase steht auch der Ausbildungsmarkt stärker unter Druck. Die Agenturen für Arbeit Krefeld und Mönchengladbach, die Industrie- und Handelskammer Mittlerer Niederrhein sowie die Kreishandwerkerschaften Niederrhein und Mönchengladbach betonen gemeinsam die Chancen auf dem Ausbildungsmarkt.

31.03.2026 | Presseinfo Nr. 11

"Die anhaltenden konjunkturellen Herausforderungen spiegeln sich auch auf dem Ausbildungsmarkt wider. Doch weiterhin können die Jugendlichen auf ein breit gefächertes und vorzeigbares Ausbildungsplatzangebot in der Region zurückgreifen. In allen Branchen gibt es weiterhin zahlreiche Möglichkeiten. Beispielsweise verzeichnen wir im Handwerk und Pflegebereich sogar Zuwächse - zukunftssichere Branchen mit guten Verdienstmöglichkeiten. Zudem gibt es durch den fehlenden Abiturjahrgang etwas weniger Konkurrenz auf dem Ausbildungsmarkt", erläutert Hasan Klauser, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Krefeld/Kreis Viersen. "Die betriebliche Ausbildung ist marktnah, zukunftssicher und nachhaltig. Auch in Zeiten konjunktureller Schwächephasen bietet sie vielfältige Möglichkeiten. Worauf wir bei der Berufsorientierung für Jugendliche besonders setzen: auf Veranstaltungen, die wir zusammen mit unseren Partnern anbieten - wie zum Beispiel 'Check-In' oder die Ausbildungsbörse 'Pott und Deckel', die vor kurzem im Bürgerhaus in Dülken und in der Krefelder Arbeitsagentur stattfand."

Stavroula Tsiantes Geschäftsführerin Operativ der Arbeitsagentur für Mönchengladbach und den Rhein-Kreis Neuss: "Zur Halbzeit des Berufsberatungsjahres stellt die Arbeitsagentur für Mönchengladbach und den Rhein-Kreis Neuss fest, dass der Wunsch nach einer dualen Ausbildung und damit die Anzahl der registrierten Bewerberinnen und Bewerber stabil ist und im Vergleich zum Vorjahr bis zum Sommer möglicherweise sogar steigen kann.

In den Gesprächen mit unseren Teams der Berufsberatung fragen die Jugendlichen und jungen Erwachsenen weiterhin insbesondere nach den klassischen Ausbildungsgängen, allerdings immer öfter auch nach Berufen, die ihnen Sicherheit versprechen oder bei denen Nachhaltigkeit ein Kernthema ist. Zu nennen ist auf der einen Seite der Öffentliche Dienst und auf der anderen das Handwerk, beispielhaft der Wandel bei Sanitär, Heizung und Klimatechnik oder im Kfz-Handwerk mit Hochvolttechnik.

Aktiv in der Akquise von Ausbildungsstellen befindet sich derzeit der gemeinsame Arbeitgeber-Service von Arbeitsagentur und Jobcentern, damit zur Abschlussbilanz im Spätherbst möglichst viele Arbeitgebende und Bewerbende miteinander gematcht haben. Damit das gelingen kann, wird es in den nächsten Wochen und Monaten zwischen Niers, Erft und Rhein wieder zahlreiche Angebote geben, um beide Seiten miteinander in Kontakt zu bringen. Wir freuen uns über das Angebot der Industrie- und Handelskammer Mittlerer Niederrhein, dazu beispielsweise auch deren Pavillon auf der Landesgartenschau in Neuss mit bespielen zu dürfen."

Jürgen Steinmetz, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein: "Die aktuelle Situation auf dem Ausbildungsmarkt eröffnet Schulabgängerinnen und Schulabgängern in diesem Jahr besonders gute Perspektiven: Durch das Ausbleiben eines Abiturjahrgangs ist die Konkurrenz um Ausbildungsplätze spürbar geringer. Für viele Jugendliche mit einem niedrigeren Schulabschluss steigen damit die Chancen, einen passenden Einstieg in das Berufsleben zu finden. 

Gleichzeitig bleibt die Zahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge bisher hinter den Erwartungen zurück. Gleichwohl bleiben wir optimistisch: Der Abschluss neuer Verträge startet offenbar in diesem Jahr etwas später, denn seit März registrieren wir spürbar mehr Anträge von Unternehmen mit der Bitte um Eintragung der neuen Ausbildungsverhältnisse. Außerdem freuen wir uns über 430 neue Ausbilderinnen und Ausbilder.

Wir appellieren an die Unternehmen, vorhandene Potenziale vollständig auszuschöpfen. So stehen unsere Kollegin und unser Kollege von der Passgenauen Besetzung Betrieben und Jugendlichen zur Beratung und Vermittlung insbesondere an kleine und mittlere Unternehmen zur Verfügung. Für Unternehmen ist eine gute Sichtbarkeit in diesem Jahr wichtiger denn je, das heißt, Abiturienten müssen deren Ausbildungsangebote gut und einfach finden können. Das gelingt etwa durch Präsenz in unserer landesweiten Ausbildungsbörse NRW und durch Teilnahme an Berufsorientierungs- und Azubimessen. Um Angebot und Nachfrage gezielt zusammenzubringen, werden verstärkt unsere etablierten Formate wie die CheckIn Berufswelt oder Azubi-Speed-Datings genutzt. Diese Initiativen schaffen direkte Begegnungsmöglichkeiten zwischen Unternehmen und potenziellen Auszubildenden und bieten eine wichtige Plattform für Orientierung, Austausch und konkrete Vermittlung. Die Auftaktveranstaltung unseres Azubi-Speed-Datings im Borussia-Park in Mönchengladbach war ein voller Erfolg. Weitere Termine finden am 15. Juni in Krefeld sowie am 2. Juli in Neuss statt. Die CheckIn Berufswelt ist geplant für den 28. April in Mönchengladbach, den 30. April in Kempen, den 11. Mai in Viersen, den 21. Mai in Krefeld sowie für den 10. Juni in Neuss."

Thomas Gütgens, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Niederrhein: "Der Ausbildungsmarkt im Handwerk am Niederrhein bleibt trotz wirtschaftlicher Herausforderungen stabil. Die Nachfrage nach qualifizierten Fachkräften ist ungebrochen hoch. Für Jugendliche bieten sich aktuell hervorragende Einstiegsmöglichkeiten.

Besonders stark nachgefragt sind auch im Bereich der Kreishandwerkerschaft Niederrhein weiterhin klassische technische Handwerksberufe. Dazu zählen vor allem Kfz-Mechatroniker/in, Anlagenmechaniker/in für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik und Elektroniker/in. Gute Aussichten bestehen auch in den Bau- und Ausbaugewerken sowie in der Metalltechnik. 

Parallel dazu wächst die Bedeutung digitaler Kompetenzen auch im Handwerk, etwa im Umgang mit moderner Gebäudetechnik, Softwarelösungen oder vernetzten Systemen. Digitalisierung, Energiewende und Gebäudesanierung sorgen für eine dauerhaft hohe Nachfrage nach handwerklichen Fachkräften. Gerade im Bereich der Energiewende - also Heizung, Photovoltaik, Gebäudetechnik - entstehen enorme Chancen für junge Menschen. Wer heute eine Ausbildung im Handwerk beginnt, entscheidet sich für einen sicheren und zukunftsfesten Beruf.

Zwar hält die Künstliche Intelligenz auch in Handwerksbetrieben immer mehr Einzug - allerdings vor allem in den Verwaltungs- und Büroprozessen, etwa bei Terminplanung, Angebotserstellung, Kundenkommunikation oder internen Abläufen. Im klassischen handwerklichen Arbeiten vor Ort hingegen bleibt der Mensch weiterhin unverzichtbar. Damit wird das Handwerk noch einmal attraktiver für junge Menschen: Während viele Büroberufe durch KI unter Druck geraten, bleiben handwerkliche Berufe krisensicher.

Die Kreishandwerkerschaft Niederrhein empfiehlt jungen Menschen, frühzeitig praktische Einblicke zu gewinnen. Unser Tipp: ausprobieren, reinschnuppern, Praktika machen. Das Handwerk muss man erleben. Wir unterstützen dabei aktiv - etwa über unsere Plattform azubis-wanted.de, auf der man freie Ausbildungsplätze in der Nähe findet, aber auch mit Beratungsangeboten oder Veranstaltungen in der Region."

Stefan Bresser, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Mönchengladbach: "Fachkräfte mit abgeschlossener Berufsausbildung fehlen in vielen Branchen. Die duale Ausbildung ist daher bedeutender denn je und bietet vielen jungen Menschen beste Perspektiven auf dem Ausbildungs- und dann Arbeitsmarkt. Viele Betriebe haben Schwierigkeiten, qualifizierte Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zu finden. Die Betriebe wissen, die Auszubildenden von heute sind die Fachkräfte von morgen, deshalb investieren Betriebe in Ausbildung. Unterstützt werden die Ausbildungsbetriebe von den vielfältigen Berufsorientierungsmaßnahmen und Vermittlungsangeboten der Kammern und Kreishandwerkerschaften. Alleine bei uns in der Kreishandwerkerschaft Mönchengladbach bieten wir jährlich mehr als 1000 Schülerinnen und Schülern Berufsorientierungsveranstaltungen an. Auch in 2025 werden wir wieder vielen Schülerinnen und Schülern Berufsorientierungsveranstaltungen in der Hoffnung anbieten, junge Menschen in die duale Berufsausbildung zu überführen.

Derzeit kann der Ausbildungsmarkt im Mönchengladbacher Handwerk wie folgt prognostiziert werden: Die Zahl der bei der Kreishandwerkerschaft Mönchengladbach neu eingetragenen Ausbildungsverträge lagen zum Beginn des Ausbildungsjahres 2025 (Stand: Oktober 2025) mit insgesamt 429 Verträgen auf dem Vorjahresniveau 2024 (431 Ausbildungsverträge). Von ähnlichen Zahlen gehen wir für das Ausbildungsjahr 2026 aus.

Dabei wird Entwicklung in den einzelnen Handwerkszweigen wahrscheinlich wieder unterschiedlich verlaufen: Die technisch anspruchsvollen Ausbildungsberufe der Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizung- und Klimatechnik, der Elektroniker sowie der Kfz-Mechatroniker werden wohl wieder die zahlenmäßig stärksten Ausbildungsberufe darstellen. Darüber hinaus werden folgende Ausbildungsberufe ebenfalls stark vertreten sein: Dachdecker, Maler- und Lackierer, Tischler sowie Friseure. Dies bestätigt, dass insbesondere in den Klimaschutzgewerken enormer Ausbildungsbedarf besteht, der von den Ausbildungsbetrieben auch in Ausbildungsverhältnisse umgesetzt wird. Kritisch ist und bleibt die Entwicklung in den Lebensmittelhandwerken, hier gestaltet es sich schwierig, Auszubildende zu finden.

Die guten Ausbildungszahlen in Mönchengladbach dürfen jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass ca. 30 - 40 offene Ausbildungsplätze jedes Jahr nicht besetzt werden können. Tatsächlich stehen offenen Ausbildungsstellen nicht hinreichend qualifizierte Bewerber gegenüber, weshalb Ausbildungsplätze nicht besetzt werden können. Auch für dieses Jahr prognostizieren wir, dass nicht alle offenen Ausbildungsstellen besetzt werden.

Vor diesem Hintergrund werden wir auch in diesem Jahr wieder vermehrt Berufsorientierungsmaßnahmen und Ausbildungsplatzvermittlungsveranstaltungen anbieten. Dies hat sich in der Vergangenheit positiv auf den Ausbildungsmarkt ausgewirkt. Trotz schwieriger Bedingungen werden die Unternehmen im Handwerk weiter ausbilden. Angesichts der demografischen Entwicklungen Deutschlands und dem bereits bestehenden Fachkräftemangel hat die Nachwuchsförderung für die Unternehmen höchste Priorität. Das Engagement der Kammern, Kreishandwerkerschaften und schlussendlich der handwerklichen Betriebe ist erforderlich, um den künftigen Fachkräftebedarf zu sichern."