Vom Suchen und Binden von Fachkräften

Das Unternehmen wächst stark, aber nicht jede Stelle ist leicht zu besetzen. Künstliche Intelligenz und digitale Innovationen ermöglichen allerdings zunehmend, Mitarbeitende so gezielt einzusetzen, dass Arbeitsplatzsicherheit, Wachstum und Zukunftsfähigkeit sich gemeinsam entwickeln können. Das Unternehmen "Hermann – Frische feine Kräuter" aus Neuss gab jetzt auf einem Fachkräftekongress an der Landesgartenschau ein Praxisbeispiel, wie ein Betrieb strategisch auf den demografischen Wandel reagieren und die Mitarbeitenden dabei mitnehmen kann.

30.09.2026 | Presseinfo Nr. 33

Die Arbeitsagenturen Mönchengladbach und Krefeld sowie die Industrie- und Handelskammer Mittlerer Niederrhein hatten für Mittwoch, 23. September 2026, zum Fachkräftekongress in den IHK-Pavillon am Wendersplatz in Neuss eingeladen. Unternehmerinnen und Unternehmer aus Mönchengladbach, dem Rhein-Kreis Neuss, Krefeld und dem Kreis Viersen sowie deren Mitarbeitende waren eingeladen, sich darüber zu informieren, wie neue Fachkräfte ausgebildet und erfahrene Fachkräfte gehalten werden können. 

Die Ausrichter verbanden Appell und Angebot an diesem Tag. Jürgen Koch, Leiter der Arbeitsagentur für Mönchengladbach und den Rhein-Kreis Neuss, hob auf die schleichend steigende Jugendarbeitslosigkeit ab, die es zu verhindern gelte: "Lassen Sie uns gemeinsam Unternehmen und Schulen noch mehr zusammenbringen. Bei den jungen Menschen finden wir das Fachkräftepotenzial der Zukunft." Sollten in den Betrieben bereits Mitarbeitende mit Potenzial vorhanden sein, "die über eine Qualifizierung oder Teilqualifizierung weiterentwickelt werden können, sprechen Sie uns als Ihre Partner an: Wir finanzieren das mit Ihnen", betonte Hasan Klauser, Leiter der Arbeitsagentur für Krefeld und den Kreis Viersen. "Wir sind gut beraten, unsere Ressourcen zu bündeln", fasste Jürgen Steinmetz, Hauptgeschäftsführer der IHK Mittlerer Niederrhein, zusammen und erklärte: "Die berufliche Bildung ist eine der drängenden Zukunftsfragen, und der Fachkräftebedarf ist für unsere Betriebe eines der wichtigsten Themen. Ohne gezielte und faire Zuwanderung in den Arbeitsmarkt werden sich die Probleme nicht lösen lassen."

Wie bedeutend Fachkräfte für eine gelingende Entwicklung sind, verdeutlichte Dr. Matthias Welpmann für die Geschäftsführung der Landesgartenschau Neuss, in deren Schatten der Fachkräftekongress stattfand. "Die Landesgartenschau ist sowohl eine Investition in die Zukunft unserer Stadt als auch ein komplexes Projekt, das interdisziplinär von Fachkräften entwickelt wurde und künftig mit einem gemischten Wohngebiet im angrenzenden Hammfeld weiterentwickelt werden soll. Fachkräfte werden auch hierfür wieder gebraucht", hielt Welpmann in einer Talkrunde zur Begrüßung der Kongressbesucher fest. 

Unterschiedliche Blickwinkel auf die Fragen, wie neue Fachkräfte ausgebildet und erfahrene Fachkräfte gehalten werden können, ermöglichte an diesem Mittwochnachmittag neben dem Unternehmen "Hermann – Frische feine Kräuter" auch Borussia Mönchengladbach. Mirko Sandmöller (Direktor Nachwuchsleistungszentrum) und Marcel Ndjeng (Ex-Profi und heute Co-Trainer der U19) sprachen über "den Spagat zwischen Spielfeld und Schulbank" und stellten den Ausbildungsplan für den fußballerischen Nachwuchs dar, der von der Taktik bis zur Persönlichkeit reicht. "Nicht jeder junge Spieler wird den Weg in die Bundesliga finden – deshalb ist es wichtig und unsere Verantwortung für alle Nachwuchsspieler, sie nachhaltig und umfassend auszubilden", sagte Mirko Sandmöller. Das gelinge nur in einem funktionierenden, aufeinander abgestimmten Netzwerk, nahmen die Kongressbesucher mit.

Die Verantwortung für jeden einzelnen Mitarbeitenden rückten ebenfalls Tanja Zastrow und Jörn Christiaens von "Hermann – Frische feine Kräuter" in den Mittelpunkt, allerdings aus einem anderen Blickwinkel. "Künstliche Intelligenz und Digitalisierung ermöglichen uns inzwischen Prozessvereinfachungen, sowohl im Büro als auch auf dem Feld beim Kräuteranbau", erläuterte Jörn Christiaens. "Wir verfügen inzwischen über Bilderkennung in Echtzeit und eine Datenbasis, die es Robotern und autonomen Fahrzeugen ermöglicht, auf unseren Feldern zu arbeiten. Damit ersparen wir unseren Mitarbeitenden schwere körperliche Arbeit und sparen stark an Herbiziden." Das könne aber nur gelingen, berichtete Tanja Zastrow, wenn "wir die Sorgen unserer Mitarbeitenden vor einem Arbeitsplatzverlust durch KI ernst nehmen. Wir müssen die Menschen mitnehmen, müssen sie in Projekten einsetzen, die zu ihnen passen, und nicht irgendwo. Dafür müssen wir eine positive Fehlerkultur pflegen, Skepsis ernst nehmen und immer auch einen Plan B ohne KI besitzen."