Der demografische Wandel stellt auch den Arbeitsmarkt in der Region Nürnberg vor große Herausforderungen. In den kommenden Jahren werden deutlich mehr Menschen aus dem Erwerbsleben ausscheiden, als junge Fachkräfte nachrücken. Deshalb müssen alle Potenziale für den Arbeitsmarkt genutzt werden.
Claudia Wolfinger, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Nürnberg, betont: „Um den Arbeits- und Fachkräftebedarf langfristig zu sichern, braucht es beides: Wir müssen Menschen, die bereits hier leben, gezielt in Arbeit bringen und zugleich zusätzliche Fachkräfte aus dem Ausland gewinnen. Die Zahlen zeigen deutlich, wie wichtig Zuwanderung schon heute ist: Der Beschäftigungszuwachs wird in Nürnberg ausschließlich von Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit getragen. Ohne internationale Beschäftigte würden in viele Branchen vor noch größeren Herausforderungen stehen.“
Damit Integration gelingt, braucht es neben Arbeit auch Sprache, Bildung, gesellschaftliche Offenheit und konkrete berufliche Perspektiven.
Die gezielte Erwerbsmigration aus Drittstaaten ist für die vbw, vertreten durch Friedbert Warnecke, Geschäftsführer der vbw Bezirksgruppe Mittelfranken, ein zentraler Baustein zur Sicherung des Fachkräftebedarfs in Deutschland. Für ihre Wirksamkeit sind unter anderem beschleunigte und digitalisierte Verwaltungsverfahren, effizientere Strukturen, transparente Prozesse für Unternehmen und eine verbesserte Anerkennung ausländischer Qualifikationen erforderlich.
Auch Elisabeth Ries, Sozialreferentin der Stadt Nürnberg, macht deutlich, dass Integration weit mehr als die Aufnahme in den Arbeitsmarkt ist. Dauerhafte Teilhabe gelinge nur mit guten Bildungs- und Sprachangeboten sowie einer aktiven Einbindung in das gesellschaftliche Leben. Davon profitierten sowohl die Wirtschaft als auch der gesellschaftliche Zusammenhalt.
„Städte sind seit jeher Orte der Vielfalt, wo unterschiedlichste Menschen zusammenkommen. Daraus entsteht eine produktive wirtschaftliche, kulturelle und gesellschaftliche Dynamik. Voraussetzung ist, dass neu Hinzukommende ebenso willkommen sind und Zugehörigkeit entwickeln wie Alteingesessene. Dazu braucht es Bildungs- und Sprachlernangebote ebenso wie gute Nachbarschaften. Wer sich in Nürnberg zuhause fühlt, bleibt hier, bringt seine Fähigkeiten langfristig ein und stärkt damit Wirtschaft, Gesellschaft und Sozialsysteme. Vielfalt macht unsere Stadt innovativer, widerstandsfähiger und lebenswerter – sie ist eine große Stärke für Nürnberg“, so Elisabeth Ries.
Für den DGB ist klar: Gute Integration gelingt nur gemeinsam mit den Beschäftigten, den Unternehmen und ihren Interessenvertretungen und mit dem Willen und der Unterstützung der Menschen der Aufnahmegesellschaft.
Stephan Doll, Geschäftsführer DGB Mittelfranken, betont: „Ich habe seit längerer Zeit diese PK vorgeschlagen, es geht mir darum, deutlich zu machen, wie gut die Integration von Zugewanderten in den Arbeitsmarkt funktioniert. Ohne Zugewanderte würde kein Krankenhaus funktionieren, Hotels und Gasstätten müssten schließen, die Betreuung unserer Kinder würde nicht mehr gewährleistet, unsere Universitäten hätten riesige Nachwuchsprobleme. Alle Demokratischen Kräfte in unserer Region sind gefordert, sich dem Hass und der Hetzte von Rechtsextremisten und Faschisten entgegenzustellen. Viele Menschen mit Zuwanderungsgeschichte, Menschen mit muslimischem und jüdischem Glauben sitzen auf gepackten Koffern aus Angst vor den Demokratiefeinden. Als Gewerkschaften verteidigen wir Art. 1 unseres Grundgesetzes: „Die Würde des Menschen ist unantastbar“, im Betrieb, in Verwaltung und in der Gesellschaft. Unsere betrieblichen Interessensvertreter*innen vertreten alle Kolleg*innen. Herkunft, Glaube, sexuelle Orientierung und Hautfarbe spielen dabei keine Rolle – für uns gibt es nur Kolleg*innen“, so Stephan Doll.
Dr. Renata Häublein, Geschäftsführerin Jobcenter Nürnberg-Stadt
Das Jobcenter begleitet Nürnbergerinnen und Nürnberger auf ihrem Weg in den Arbeitsmarkt. Viele Menschen mit Fluchtgeschichte bringen Motivation, Fähigkeiten und Entwicklungspotenziale mit. Integration gelingt besonders dann, wenn Sprache, Qualifizierung, Beratung und konkrete Beschäftigungsperspektiven zusammenspielen. Viele Menschen mit Fluchtgeschichte haben sich bereits erfolgreich in Arbeit integriert und leisten heute einen wichtigen Beitrag in Unternehmen und Gesellschaft. Arbeit schafft Teilhabe, Perspektive und gesellschaftliche Integration.
„Integration in die Gesellschaft gelingt, wenn Potentiale erkannt und Chancen eröffnet werden. In zahlreichen Unternehmen leisten Menschen mit Fluchtgeschichte bereits heute einen wichtigen Beitrag. Für diese Beschäftigten schafft Arbeit Perspektive und Teilhabe. Sie ist der entscheidende Schlüssel für gelingende Integration.“ so Dr. Renata Häublein.
Praxisbeispiel: Frau Domets
Die Agentur für Arbeit Nürnberg fordert Integration nicht nur ein, sondern geht auch selbst mit gutem Beispiel voran.
Wie erfolgreiche Integration konkret aussehen kann, zeigt die Geschichte von Frau Domets. Sie kam selbst mit Fluchterfahrung nach Deutschland und nahm am Job-Turbo der Agentur für Arbeit Nürnberg teil. Heute arbeitet sie in der Eingangszone der Agentur für Arbeit Nürnberg und unterstützt täglich Kundinnen und Kunden bei ihren Anliegen.
„Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie wichtig Unterstützung und Orientierung in einer neuen Lebenssituation sind. Heute kann ich selbst Menschen auf ihrem Weg begleiten und ihnen helfen, ihren Platz im Arbeitsleben zu finden. Das bedeutet mir sehr viel.”
Der Job-Turbo unterstützt geflüchtete Menschen dabei, nach dem Erwerb grundlegender Sprachkenntnisse möglichst schnell eine Beschäftigung aufzunehmen und sich parallel sprachlich und fachlich weiterzuentwickeln. So entstehen nachhaltige Perspektiven – für die Menschen selbst und für die Unternehmen in der Region.
Die Partner der Pressekonferenz sind sich einig:
Zuwanderung und Integration in Arbeit stärken die Region – wirtschaftlich und gesellschaftlich. Damit Integration gelingt, braucht es passende Unterstützung ebenso wie Arbeitgeber, die offen sind, Potenziale erkennen und in Einarbeitung und Qualifizierung investieren.