Beschäftigungschancen in der Industrie sinken

Aktuelle Analysen im Jobmonitor zeigen die Entwicklung in Stadt und Kreis Offenbach

19.06.2026 | Presseinfo Nr. 51

Die Industriebeschäftigung in Deutschland verliert im Strukturwandel stetig an Bedeutung: Der Anteil der Industrie an der Gesamtbeschäftigung sank von 22 Prozent im Jahr 2014 auf rund 19 Prozent. Doch der Wandel verläuft regional sehr unterschiedlich. Wie er sich in Stadt und Kreis Offenbach darstellt, zeigt eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) und des ifo Instituts für Wirtschaftsforschung im Auftrag der Bertelsmann Stiftung.

Stadt Offenbach

In der Stadt Offenbach hat sich die Bedeutung der Industrie am Arbeitsmarkt verändert. 2014 lag der Anteil der Beschäftigten in der Industrie bei 11,9 Prozent. Bis 2024 sank dieser Anteil auf 7 Prozent. Damit liegt der Industrieanteil an der Gesamtbeschäftigung 2024 unter dem Deutschlandwert von 19,3 Prozent.

Die Beschäftigungsentwicklung verlief dabei in zwei Phasen: Zwischen 2014 und 2019 nahm die Zahl der Industriebeschäftigten um 16,2 Prozent ab. In dieser Zeit wuchs die Industriebeschäftigung bundesweit noch um 5,7 Prozent.

Zwischen 2019 und 2024 kehrte sich der Trend um: In Offenbach sank die Zahl der Industriebeschäftigten um 19,8 Prozent. Deutschlandweit ging sie im gleichen Zeitraum um 3,7 Prozent zurück. Der Rückgang fällt in Offenbach also deutlich stärker aus als im Bundesdurchschnitt und zeigt, dass der Strukturwandel vor Ort besonders spürbar ist.

Landkreis Offenbach

Im Landkreis Offenbach lag der Anteil der Beschäftigten in der Industrie 2014 bei 17,2 Prozent und sank bis 2024 auf 12,7 Prozent. Damit liegt der Industrieanteil an der Gesamtbeschäftigung im Landkreis im Jahr 2024 unter dem Deutschlandwert von 19,3 Prozent.

Auch im Landkreis zeigen sich zwei Phasen: Zwischen 2014 und 2019 nahm die Zahl der Industriebeschäftigten um 11,3 Prozent zu, während sie bundesweit um 5,7 Prozent stieg. Von 2019 bis 2024 sank die Zahl der Industriebeschäftigten im Landkreis um 18,7 Prozent. Deutschlandweit ging sie im gleichen Zeitraum um 3,7 Prozent zurück. Auch im Landkreis Offenbach fällt der Rückgang deutlich stärker aus als im Bund.

Industrieunternehmen stellen weniger ein

Die Debatte um Deindustrialisierung und Entlassungswellen deutscher Industrieunternehmen reißt nicht ab. Der Beschäftigungsrückgang in der Industrie wird bislang jedoch nicht vor allem durch steigende Kündigungszahlen vonseiten der Arbeitgeber getrieben. Entscheidend ist vielmehr, dass Unternehmen freiwerdende Stellen seltener nachbesetzen und weniger neue Mitarbeitende einstellen.

Noch bis 2019 entwickelten sich Einstellungen und beendete Beschäftigungsverhältnisse weitgehend parallel. Seitdem öffnet sich eine Lücke: Die Einstellungen gehen deutlich stärker zurück als die Zahl der beendeten Beschäftigungsverhältnisse. Dadurch rücken weniger neue Mitarbeitende in die Industrie nach, als Stellen frei werden.

Versteht man die zurückhaltende Einstellungsdynamik und die ausgeschriebenen Stellen als Frühindikatoren, könnte die Beschäftigungskrise in der Industrie tiefer reichen, als es die bisherigen Beschäftigtenzahlen zeigen.

Die Daten wurden hier veröffentlicht: https://jobmonitor.de/analysen/kurzanalyse-industriedynamik/