Als sich im April 2026 das endgültige Aus für die Manroland Sheetfed GmbH ankündigte, standen nicht nur rund 750 Arbeitsplätze auf der Kippe, sondern auch die Ausbildungsabschlüsse von rund 60 jungen Frauen und Männern in drei Lehrjahren.
Traditionell bildete Manroland Sheetfed vor allem im gewerblich-technischen Bereich (Zerspanungsmechaniker, Industriemechaniker, Mechatroniker/innen, Technische Produktdesigner) und Elektroniker/innen - Betriebstechnik aus, darüber hinaus auch Industriekaufleute.
In gemeinsamen Aktionen gingen der Arbeitgeber-Service und die Berufsberatung der Offenbacher Agentur für Arbeit sofort nach Bekanntwerden der Insolvenz in den Betrieb - und damit direkt in den Kontakt mit den schockierten jungen Leuten. Einige konnten ihre Ausbildung noch im Juni erfolgreich beenden; weitere waren Azubis anderer Betriebe. Blieben also immer noch fast fünfzig Ausbildungsschicksale, die es galt, positiv zu wenden.
„Aus Erfahrung wissen wir, dass Ausbildungsabbrüche einen Riss in der Berufsbiografie junger Menschen nach sich ziehen können, der schwer zu heilen ist. Daher war schnelles und unbürokratisches Handeln gefragt. Ausbildungsabbrüche wollten wir unbedingt vermeiden“, erklärt Carmen Giss, Vorsitzende der Geschäftsführung der Arbeitsagentur.
Im ersten Schritt informierten die Berufsberater/innen die Jugendlichen und jungen Erwachsenen darüber, wie es nach der Hiobsbotschaft grundsätzlich weitergehen kann und auf welche Unterstützung sie zählen können. Einbezogen wurden restlos alle Azubis, auch wenn die formale Zuständigkeit in einer Nachbaragentur lag.
Anfang Mai gab es im Unternehmen ein Speed-Dating mit etwa 20 Arbeitgebern, die freie Ausbildungsplätze besetzen wollten. Der Arbeitgeber-Service und die Bildungsberatung der IHK Offenbach akquirierten Betriebe und vertrat diejenigen, die nicht selbst vor Ort präsent sein konnten. In vorher eigens eingerichteten Workshops gingen die Berater/innen der Arbeitsagentur mit den Azubis individuell die Bewerbungsunterlagen durch und brachten sie auf Vordermann. Frank Hofmann, Mitglied der Geschäftsführung
der Industrie- und Handelskammer Offenbach erwähnte: “Hinter jedem Ausbildungsplatz steht ein junger Mensch mit beruflichen Zielen und persönlichen Zukunftsplänen. Deshalb war es für uns besonders wichtig, schnell zu handeln und gemeinsam mit unseren Partnern tragfähige Lösungen zu entwickeln, damit kein Ausbildungsverhältnis verloren geht. Dieses Ergebnis zeigt eindrucksvoll, was durch gemeinsames Handeln in der Region möglich ist.“
Zudem waren regelmäßige Austausche an den Berufsschulen an der Tagesordnung, um persönlich mit den betroffenen Jugendlichen über den Stand ihrer Bemühungen zu sprechen. Manche wurden mehrfach wöchentlich kontaktiert - es war spürbar, dass die Arbeitsagentur es ernst meinte mit dem Support. Einige der Azubis wurden erfolgreich ausgewählten Ausbildungsbetrieben vorgestellt, weil die Voraussetzungen gut zueinander passten.
Wer bis Ende Juni noch nicht betrieblich untergekommen war, kann seine Ausbildung in außerbetrieblichen Einrichtungen fortsetzen. Mittlerweile haben ausnahmslos alle betroffenen Jugendlichen konkrete Angebote zur Fortsetzung ihrer Ausbildung
erhalten.
„Wir sind sehr glücklich, wie gut das alles geklappt hat. Das ist auch der hervorragenden Zusammenarbeit aller beteiligten Akteure geschuldet. Es gab ein enges und vertrauensvolles Miteinander mit der Ausbildungsleitung bei Manroland Sheetfed, der Industrie- und Handelskammer, der Insolvenzverwaltung und allen Berufsschulen“, so Carmen Giss. „Nur wenn alle gemeinsam an einem Strang ziehen, können wir auch in schwierigen Situationen gute Ergebnisse erzielen.“