Im Jahresdurchschnitt 2025 waren im Vogtland 6.926 Frauen und Männer arbeitslos gemel-det, 203 oder 3,0 Prozent mehr als im Jahr 2024. Die Arbeitslosenquote steigt auf 6,2 Prozent.
Wichtig:Arbeitslosenzahl im Jahr 2025: 6.926
Wichtig:Arbeitslosenzahl im Vorjahresvergleich: +203 oder +3,0 Prozent
Wichtig:Arbeitslosenquote im Jahr 2025: 6,2 Prozent
„Die wirtschaftliche Entwicklung und die globalen Unsicherheiten prägten den vogtländischen Arbeitsmarkt im letzten Jahr. Die Arbeitslosenzahl ist im Jahresdurchschnitt das dritte Jahr in Folge gestiegen und auch die Arbeitslosenquote hat sich leicht erhöht. Der Anstieg der Arbeitslosigkeit zeigt sich im Bereich der Arbeitsagentur mit einem Zuwachs von rund 13 Prozent – während im Jobcenter Vogtland eine positive Tendenz sichtbar ist. Die wirtschaftlichen Unsicherheiten bleiben bestehen und wirken sich weiterhin auf die drei Arbeitsmarktindikatoren aus: die Arbeitslosigkeit steigt, die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung geht zurück und der Stellenbestand geht weiter zurück. Rückblickend war das Jahr 2025 kein gutes aber insgesamt ein stabiles Jahr. Besonders schwierig ist die Lage für Berufsanfänger, Berufsrückkehrer, befristet Beschäftigte und langzeitarbeitslose Menschen. Aufgrund der Branchenvielfalt und der kleinteiligen Wirtschaftsstruktur konnten konjunkturelle Schwankungen größtenteils abgefedert werden“, betont Agenturchef Andreas Fleischer in seiner Jahresbilanz und ergänzt: „Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung hat im Vogtlandkreis im 2. Quartal 2025 leicht abgenommen. Gegenüber dem Vorjahr sank die Zahl der Beschäftigten um 725 Personen. Das ist der stärkste Rückgang in einem Juni im Vorjahresvergleich seit dem Jahr 2020. Neben der aktuell schwachen Konjunktur wird das Beschäftigungswachstum auch durch die demografische Entwicklung gebremst. Durch das schrittweise Ausscheiden der Babyboomer aus dem Arbeitsmarkt treten diese Effekte nun deutlicher hervor."
Nach den TOP 5 Branchen betrachtet ist das Verarbeitende Gewerbe (-399) von einem deutlichen Rückgang der Beschäftigung gekennzeichnet, gefolgt vom Baugewerbe (-193) und dem Wirtschaftszweig Erbringung von sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen (-136). „Das Verarbeitende Gewerbe gilt als zentraler Motor der wirtschaftlichen Entwicklung, schafft hohe Wertschöpfung und ist ein bedeutender Treiber von Innovation und Produktivität. Durch die enge Verflechtung mit anderen Wirtschaftssektoren stärkt es ganze Wertschöpfungsketten. Die wirtschaftliche Entwicklung spiegelt sich insbesondere in dieser Wirtschaftsbranche wider“, hebt Andreas Fleischer hervor.
Betrachtet man die Wachstumsbranchen, so ist im Vergleich zum Vorjahr ein Zuwachs an Beschäftigten im Gesundheits- und Sozialwesen (+264), im Wirtschaftszweig sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen ohne Arbeitnehmerüberlassung (+80) und der öffentlichen Verwaltung (+72) zu verzeichnen.
Der Stellenbestand lag im Jahresdurchschnitt bei über 1.800 freien Stellen – über 20 Prozent unter dem Jahr 2024. Ein Großteil der gemeldeten Arbeitsstellen ist dem Bereich der Arbeitnehmerüberlassung, dem verarbeitenden Gewerbe und dem Gesundheits- und Sozialwesen zuzuordnen. Viele Unternehmen klagen über Schwierigkeiten, ihre freien Stellen zu besetzen. Rund 80 Prozent des Stellenbestandes sind für Fachkräfte und Experten ausgewiesen, nur rund 20 Prozent für Helfertätigkeiten. Dem gegenüber stehen mehr als die Hälfte der Arbeitslosen, die ein Anforderungsniveau Helfer aufweisen. „Der Arbeitsmarktausgleich ist erschwert, da die Anforderungen offener Stellen nicht den Qualifikationen der Arbeitsuchenden entsprechen oder die räumliche Distanz zwischen Arbeitssuchenden und Stellenangeboten teilweise sehr groß ist. Deshalb stehen Qualifizierung und Weiterbildung weiter im Fokus. Die Begleitung dieser Prozesse ist einer unserer Aufgabenschwerpunkte – neben beruflicher Orientierung und passgenauer Vermittlung“, so Andreas Fleischer weiter.
Mit einer Trendwende am vogtländischen Arbeitsmarkt ist dieses Jahr nicht zu rechnen. „Angesichts der konjunkturellen Rahmenbedingungen bleiben die wirtschaftlichen Unsicherheiten weiter bestehen. Im besten Falle können wir mit einer moderaten konjunkturellen Belebung rechnen. Deshalb gilt für uns: Wir helfen den Menschen, Chancen zu ergreifen, Übergänge zu erleichtern und sie gezielt bei der Arbeitsuche zu unterstützen. Um die Wettbewerbsfähigkeit der Region sicherzustellen, bleiben die Gewinnung von Arbeitskräften und die Sicherung von Beschäftigung unter Berücksichtigung der Megatrends wie Demografie, Digitalisierung und Dekarbonisierung zentrale Herausforderungen unserer Arbeit“, hebt Andreas Fleischer abschließend hervor.
Arbeitslosigkeit und Arbeitslosenquote
Nach dem Anstieg der Arbeitslosigkeit zu Jahresbeginn 2025, wurde im März der höchste Stand mit 7.414 Personen erreicht – während im November mit 6.565 Frauen und Männern der Tiefstand im Jahresverlauf erreicht wurde.
Die durchschnittliche Arbeitslosenquote lag im letzten Jahr bei 6,2 Prozent (2024: 6,0 Prozent).
Arbeitslosigkeit nach Rechtskreisen
Betrachtet man die Entwicklung nach Rechtskreisen, so wurden rund 62 Prozent der Arbeitslosen vom Jobcenter Vogtland (Grundsicherung) und rund 38 Prozent von der Arbeitsagentur (Arbeitslosenversicherung) betreut. Die Zahl der Arbeitslosen im Bereich der Arbeitsagentur lag im Jahresdurchschnitt bei 2.657, rund 13 Prozent höher als im Vorjahr. Im Bereich des Jobcenters Vogtland wurden 4.270 arbeitslose Frauen und Männer registriert - und damit ein Rückgang um 106 Personen bzw. 2,4 Prozent.
Beschäftigung
Ende Juni 2025, dem letzten Quartalsstichtag der Beschäftigungsstatistik mit gesicherten Angaben, belief sich die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung im Bezirk der Agentur für Arbeit Plauen auf 78.548. Gegenüber dem Vorjahresquartal war das eine Abnahme um 725 Personen oder 0,9%. Seit dem Jahr 2019 (82.209 Beschäftigte) wird im Vogtlandkreis ein Beschäftigungsrückgang von über 3.600 Personen deutlich.
Geschäftsstellen im Vogtland im Vergleich
In allen Geschäftsstellen – mit Ausnahme von Oelsnitz - ist die Arbeitslosigkeit leicht gestiegen, wobei die Geschäftsstelle Plauen mit +123 Personen den stärksten Anstieg auf-weist und die Zahlen in den Geschäftsstellen Oelsnitz und Reichenbach fast unverändert sind.
Die niedrigste Arbeitslosenquote im Jahresdurchschnitt verzeichnet – wie auch in den Vorjahren - die Geschäftsstelle Klingenthal mit 3,9 Prozent. Danach folgen Oelsnitz mit 4,4 Prozent und Auerbach mit 4,9 Prozent. Reichenbach liegt bei 5,9 Prozent und die Geschäftsstelle Plauen bei 8,1 Prozent.
Bewegung auf dem Arbeitsmarkt hält an
Arbeitslosigkeit ist kein fester Block. Vielmehr gibt es unabhängig von der wirtschaftlichen Lage viel Bewegung auf dem Arbeitsmarkt. Dabei werden Zu- und Abgänge von Arbeitslosen erfasst. Im Laufe des Jahres 2025 meldeten sich 16.823 Frauen und Männer arbeitslos, das waren 1.030 bzw. 5,8 Prozent weniger als im Vorjahr. Gleichzeitig beendeten 16.792 Menschen ihre Arbeitslosigkeit. Das waren 857 oder 4,9 Prozent weniger als im Jahr 2024.
Arbeitslosigkeit in den verschiedenen Personengruppen
Betrachtet man die Arbeitslosigkeit im Jahresverlauf bei den einzelnen Personengruppen, so fällt auf, dass der Anstieg der Arbeitslosigkeit – bis auf die Personengruppe der Ausländer - durchweg alle Personengruppen betrifft, jedoch unterschiedlich stark ausgeprägt ist.
Die Zahl der Langzeitarbeitslosen ist deutlich gestiegen. Im Jahresdurchschnitt waren 2.306 Frauen und Männer arbeitslos gemeldet. Im Vergleich zum Vorjahr erhöhte sich die Zahl um 131 bzw. um 6,0 Prozent.
Im Jahr 2025 waren im Vogtland durchschnittlich 781 Jugendliche unter 25 Jahren arbeitslos. Das waren 53 oder 7,2 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Anteil der Jugendlichen lag bei 11,3 Prozent.
Bei der Personengruppe der ausländischen Menschen wird ein Rückgang um 42 Personen bzw. 2,5 Prozent sichtbar. Im Jahresdurchschnitt waren 1.678 ausländische Menschen arbeitslos registriert – das entspricht einem Anteil von rund 24 Prozent an allen Arbeitslosen.
Durchschnittlich 465 schwerbehinderte Menschen oder ihnen Gleichgestellte waren letztes Jahr bei der Arbeitsagentur und dem Jobcenter Vogtland registriert. Im Vergleich zum Jahr 2024 waren das 30 Menschen mit Handicap mehr, ein Anstieg um 6,9 Prozent.
Unterbeschäftigung
Die Unterbeschäftigung - die Summe aus Arbeitslosen, Teilnehmern an arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen und vorübergehend nicht verfügbaren Arbeitsuchenden - belief sich nach ersten Hochrechnungen im Jahresdurchschnitt auf 8.449 Personen und liegt damit um 46 Personen bzw. 0,5 Prozent über dem Vorjahresniveau. Bezogen auf alle zivilen Erwerbspersonen betrug die Unterbeschäftigungsquote im letzten Jahr wie im Vorjahr 7,4 Prozent.
Arbeitskräftenachfrage – Stellenmeldungen
Durch den gemeinsamen Arbeitgeber-Service wurden im vergangenen Jahr 4.660 Stellen, akquiriert. Das waren 264 Stellen bzw. 6 Prozent mehr als im Jahr 2024. Der Bestand an gemeldeten Stellen belief sich im Jahresdurchschnitt auf 1.844. Gegenüber dem Vorjahr sind das 490 Stellen bzw. 21 Prozent weniger.
Kurzarbeit
Durch die Zahlung von Kurzarbeitergeld bei vorübergehend schwierigen Wirtschaftsbedingungen sollen den Betrieben ihre eingearbeiteten Mitarbeiter und den Arbeitnehmern ihre Arbeitsplätze erhalten werden, um so Arbeitslosigkeit zu vermeiden. Aktuelle Daten zur tatsächlichen Inanspruchnahme stehen bis Juli 2025 zur Verfügung. Damals haben 46 vogtlän-ische Betriebe für 476 Beschäftigte Kurzarbeitergeld erhalten.
Vor Beginn der tatsächlichen Kurzarbeit müssen Betriebe eine Anzeige über den voraus-sichtlichen Arbeitsausfall erstatten. Diese Anzeigen auf Kurzarbeit können als potenzielle Zugänge und damit als Frühindikator für die künftige Inanspruchnahme von Kurzarbeit interpretiert werden. Im Kalendermonat Dezember 2025 wurden von 20 Betrieben bzw. Betriebszweigen 111 Personen zur Kurzarbeit aufgrund der wirtschaftlichen Unsicherheit angezeigt.
