Licht und Schatten prägten den bayerischen Arbeitsmarkt in 2023 2024 wird anstrengend, bringt aber zugleich auch viele Chancen

21.02.2024 | Presseinfo Nr. 3

Arbeitslosenzahl im Jahresdurchschnitt 2023:257.096
Arbeitslosenzahl im Vorjahresvergleich:+21.246 (+9,0%)
Arbeitslosenquote im Jahresdurchschnitt 2023 (Vorjahr):3,4 Prozent (3,1%)
Sozialversicherungspflichtige Beschäftigung (Mitte 2023):5,93 Mio.
(+59.500 VJ Vergl.)
Der Blick zurück: 2023 stieg die Arbeitslosigkeit in Bayern um 9%; Bayern aber weiterhin mit der niedrigsten Arbeitslosigkeit

„Auf dem bayerischen Arbeitsmarkt waren im Jahrdurchschnitt 2023 spürbar mehr Menschen arbeitslos als im Jahr zuvor. Mit 257.096 Arbeitslosen ist die Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Vorjahr um 21.246 bzw. 9,0 Prozent gestiegen. Für den Anstieg war neben der sich ab Jahresmitte eintrübenden Konjunktur auch die starke Zunahme an ausländischen Arbeitslosen (Anstieg um 18,4 Prozent oder absolut um +15.434 auf nun 99.404) maßgeblich, darunter auch 23.792 ukrainische Geflüchtete (Anstieg zum Vorjahr: 7.584), die in den bayerischen Jobcentern betreut und beraten werden.

Die Arbeitslosenquote ist im Jahresdurchschnitt 2023 bayernweit um 0,3 Prozentpunkte gestiegen und lag bei 3,4 Prozent. Trotz dieser negativen Entwicklung bleibt der bayerische Arbeitsmarkt in seinen Grundfesten robust und aufnahmefähig. Im Bundesländer-vergleich der niedrigsten Arbeitslosigkeit bleibt Bayern auf Platz 1. Aufnahmefähig war der Arbeitsmarkt u.a. deshalb, weil trotz widriger Rahmenbedingungen die Beschäftigung weiter gewachsen ist und die bayerischen Betriebe weiter eingestellt haben“, bilanzierte der neue Chef der Regionaldirektion Bayern der Bundesagentur für Arbeit, Dr. Markus Schmitz.

Der Zugang an gemeldeten Stellen geht deutlich zurück, bleibt aber auf einem hohen Niveau

„Die bayerischen Unternehmen haben im letzten Jahr insgesamt 301.524 Arbeitsstellen gemeldet, das sind 39.991 bzw. 11,7 Prozent weniger Stellen als im Vorjahr. Im Durchschnitt befanden sich 149.006 Arbeitsstellen im Stellenpool; das ist immer noch ein bemerkenswert hohes Niveau. Gleichwohl merken wir sehr deutlich, dass die Unternehmen aufgrund der wirtschaftlichen Entwicklungen zurückhaltender geworden sind", so Schmitz.

Sozialversicherungspflichtige Beschäftigung steigt im Freistaat weiter an, wenn auch weniger dynamisch

Die Zahl der Beschäftigten im Freistaat entwickelte sich nach wie vor positiv und lag im Juni 2023 (dem letzten verfügbaren Zahlenstand) bei 5,93 Millionen. Im Vergleich zu 2022 konnte hier ein Plus von rund 59.500 bzw. einem Prozent verzeichnet werden.
„Auch wenn der Beschäftigungsaufbau weiter geht, sehen wir, dass die Zuwächse weniger dynamisch sind. Verantwortlich für diese Zuwächse sind vor allem die Wirtschaftszweige Immobilien, freiberufliche, wissenschaftliche und technische Dienstleistungen (Stand Nov. 2023 im Vergl. Nov. 2022) mit +13.400 bzw. 2,7 Prozent, Gesundheits- und Sozialwesen mit +11.100 bzw. 1,4 Prozent sowie das Verarbeitende Gewerbe mit +5.500 bzw. 0,4 Prozent). Bemerkenswert ist, dass die Beschäftigung in Bayern in 2023 ein All-zeit-Hoch erreicht hat! (Betrachtungszeitraum 2013 bis 2023). Für den Beschäftigungsaufbau tragen im Wesentlichen ausländische Staatsangehörige bei, insbesondere aus den Staaten jenseits von Europa. Dagegen schrumpft die Beschäftigung deutscher Staatsangehöriger leicht. Wir sehen erste Auswirkungen des lang beschworenen demografischen Wandels und wir sehen zugleich, wie sehr wir auf qualifizierte Zuwanderung angewiesen sind“, erläutert Schmitz.

PROGNOSE FÜR DAS JAHR 2024
Arbeitslosigkeit steigt 2024

Wie in ganz Deutschland wird auch in Bayern im Jahr 2024 die Arbeitslosigkeit steigen. Die Steigerungsrate liegt in Bayern bei 4,3%, dies ist zusammen mit Hamburg die höchste Steigerungsrate. Dennoch wird Bayern mit 3,5 Prozent weiterhin die niedrigste Arbeitslosenquote im Ländervergleich aufweisen. Diese Ergebnisse veröffentlichte das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in seiner Herbstprognose.

Sozialversicherungspflichtige Beschäftigung wird in 2024 erstmals die 6-Millionen-Grenze knacken

Trotz der vielen, skeptischen Einschätzungen zur Konjunktur wird die Beschäftigung in 2024 weiterwachsen. „Auch wenn der Beschäftigungsaufbau an Fahrt verliert, werden wir in Bayern im Laufe des Jahres 2024 erstmals die 6-Millionen-Marke bei der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung knacken“, prophezeit Schmitz.

„In Bayern wächst die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung voraussichtlich um 0,6 Prozent, im Bund um 0,4 Prozent. Dieser Beschäftigungsaufbau wird sich - wie in den letzten Jahren auch - aus der Beschäftigung Zugewanderter speisen. Deshalb ist es wichtig, dass wir das Thema qualifizierter Zuwanderung weiter intensivieren und eine gute Willkommenskultur in Bayern gestalten, damit jene, die in Bayern arbeiten und leben möchten, auch bleiben“, so Dr. Schmitz.

Strategien für einen starken bayerischen Arbeitsmarkt

Mit der zu erwartenden weiteren konjunkturellen Eintrübung geht eine historisch so noch nicht gesehene Parallelität von Mega-Trends mit deutlichen Auswirkungen auf den bayerischen Arbeitsmarkt einher. Gemeint sind hier die angestoßenen Veränderungen durch den demografischen Wandel, durch Digitalisierung, Automatisierung und Künstliche Intelligenz, die Folgerungen aus Dekarbonisierung und Nachhaltigkeit sowie die schwer planbaren Herausforderungen, die sich aus Migrations- und Fluchtereignissen
ergeben.

Die Koppelung der negativen konjunkturellen Prognosen mit diesen Trendentwicklungen zeigt, dass eine Fortschreibung der guten Grund-Konstitution des bayerischen Arbeitsmarktes keine Selbstverständlichkeit ist.
„Daher werden wir, die Regionaldirektion Bayern, im Zusammenspiel mit unseren Partnerinnen und Partnern am bayerischen Arbeitsmarkt hart dafür arbeiten müssen, um auch weiterhin eine führende Rolle am deutschen Arbeitsmarkt zu spielen und der Parallelität von Arbeitslosigkeit sowie Arbeits- und Fachkräftemangel entschlossen zu begegnen“, ergänzt Schmitz.

Die Strategie der Regionaldirektion Bayern basiert auf 4 Säulen:
  • Übergänge für alle Jugendlichen von der Schule in Ausbildung und in den Beruf sicherstellen
  • Arbeits- und Fachkräftesicherung aus dem inländischen Potenzial optimieren
  • Arbeits- und Fachkräftesicherung aus dem ausländischen Potenzial vorantreiben
  • Existenzsicherung der den Agenturen und Jobcentern anvertrauten Menschen gewährleisten.
SCHWERPUNKTE 2024
Ausbildungsmarkt: Ausbildung und Studium sind die Eintrittskarte in die Arbeitswelt

„Für den Ausbildungsmarkt im Freistaat ist es wichtig, dass uns kein Jugendlicher verloren geht. Gerade bei den jungen Menschen ist es uns ein Anliegen, möglichst viele zu erreichen und ihnen zu zeigen, welche beruflichen Möglichkeiten es gibt. Die Berufsberatung der örtlichen Arbeitsagentur ist in Schulen und berät Schüler:innen und ihre Eltern. Und natürlich ist auch ein ganz individueller Beratungstermin möglich, bei dem gerne gemein-sam mit den Eltern geschaut wird, welche Stärken zu welchem Beruf passen und welche Ausbildungswege möglich sind. Hier bieten auch unsere digitalen Erkundungstools für Ausbildung und Studium wie beispielsweise Check-U zusätzliche Chancen, mehr über die Stärken herauszufinden“, so Schmitz.

Fokus auf die Erschließung des inländischen Arbeits- und Fachkräfte-Potenzials: Qualifizierung von Arbeitslosen und Beschäftigten ist eine weitere wichtige Säule

„Wir sehen immer deutlicher, dass die Schere beim Thema Qualifikation zwischen Angebot und Nachfrage immer weiter auseinanderklafft. So sind rund die Hälfte der Menschen, die in den bayerischen Arbeitsagenturen und Jobcentern arbeitslos gemeldet sind, auf dem Helferniveau. Die bei uns gemeldeten und eingehenden Stellen hingegen erfordern zu 80 Prozent Fachkräfte, Spezialisten und Experten. Das zeigt sehr deutlich, dass wir das Thema verstärkt in den Fokus nehmen müssen. Und das nehmen wir auch sehr ernst: Im Dezember 2023 waren insgesamt 93.600 Arbeitslose in arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen (u.a. Aktivierung und berufliche Eingliederung, Berufswahl und Berufsausbildung, beruflichen Weiterbildung, etc). Im letzten Jahr haben die bayerischen Arbeitsagenturen und Jobcenter in die Förderung von Arbeitslosen und Beschäftigten ca. 830 Mio. Euro investiert. Mit Blick auf das neue Jahr gehen wir von einem gesteigerten Investitionsvolumen von insgesamt ca. 915 Mio. Euro aus. Für das Teilbudget der Weiterbildung sind in beiden Rechtskreisen ca. 345 Mio. Euro eingeplant (Arbeitsagenturen ca. 310 Mio. Euro und Jobcenter ca. 35 Mio. Euro). Dies entspricht einem gesteigerten Volumen von 19 Mio. Euro (+ 6%) im Vergleich zum Vorjahr.

Bei der Fachkräftesicherung sind wir auf alle Potenziale angewiesen; deshalb sind auch Beschäftigte in unserem Blick. Gerade hier setzen wir auf Weiterbildung und Qualifizierung. Von Januar bis Oktober 2023 (akt. Stand, kumulierter Wert) befanden sich rd. 10.000 Beschäftigte in Maßnahmen der beruflichen Weiterbildung. Die Qualifizierungen sind zum größten Teil in den Gesundheitsberufen (22,9 Prozent), im Bereich der Fahrzeugführung im Straßenverkehr (17,2 Prozent), sowie in den Erziehungsberufen (11,6 Prozent). Eine weitere Möglichkeit sehen wir bei der Steigerung der Erwerbstätigkeit von Frauen. Natürlich müssen hier neben einer proaktiven Beratung gemeinsam mit unseren Partnerinnen und Partnern auch gute Möglichkeiten der Kinderbetreuung mitgedacht werden“, erläutert Schmitz zu den Aktivitäten der bayerischen Arbeitsagenturen und Jobcenter.

Ausländisches Potenzial: Zuwanderung aus Drittstaaten wird immer wichtiger sowie die nachhaltige Integration von geflüchteten Menschen

„Weitere Akzente möchten wir bei dem großen Thema der Zuwanderung setzen. Eine Konstante bleibt die Zuwanderung aus europäischen Ländern wie Rumänien und Polen sowie die Beschäftigung aus den benachbarten Ländern wie Tschechien. Hier sind wir mit EURES, unserer länderübergreifenden und grenzüberschreitenden Arbeitsvermittlung auf einem sehr guten Weg. Wir sehen aber an den Beschäftigtenzahlen, dass vor allem die Zuwanderung aus Staaten jenseits von Europa immer relevanter wird, wenn die Beschäftigung in Bayern weiter steigern soll; deshalb werden wir auch hier deutliche Akzente setzten“, verdeutlicht Schmitz.

„Mit dem Job-Turbo legen wir zudem einen Schwerpunkt auf die Geflüchteten aus der Ukraine und den acht größten Asylherkunftsländern (Afghanistan, Eritrea, Irak, Iran, Nigeria, Pakistan, Somalia, Syrien). Insbesondere die Gruppe der Ukrainer hat einen geregelten Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt und wir wollen diese Menschen ganz gezielt in den bayerischen Arbeitsmarkt bringen. Dazu organisieren wir mit der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft bayernweit Veranstaltungen mit Unternehmen. Ganz konkret erklären wir, wie sie Geflüchtete einstellen können, worauf zu achten ist und welche Unterstützungsmöglichkeiten wir anbieten können. In vielen weiteren Veranstaltungen bringen wir bayernweit Betriebe mit Geflüchteten, die einen Integrationskurs absolviert haben, zusammen. Unternehmen stellen sich vor und zeigen ganz konkrete Arbeitsangebote. Wichtig ist: Diese Menschen haben einen Zugang zum bayerischen Arbeitsmarkt und Arbeiten lohnt sich immer. Arbeiten befördert die Integration in unsere Gesellschaft, stärkt unsere Solidargemeinschaft und ist sinnstiftend für jeden. Die Umsetzung des Jobturbos bedeutet eine große Kraftanstrengung. Das wird ein Marathon, kein Sprint und wir müssen es als Team-Sport angehen:
Wir brauchen alle Partnerinnen und Partner am Arbeitsmarkt, die Zivilgesellschaft und die migrantischen Communities, wenn wir das Thema gestalten wollen. Wir sind daher im Austausch mit Arbeitgeber- und Arbeitnehmerorganisationen, wie Kammern, Verbänden und Gewerkschaften, mit den bayerischen Staatsministerien, den Kirchen, dem ukrainischen Generalkonsulat und diversen Communities, um alle Möglichkeiten zu nutzen, die Menschen zu erreichen und für eine Beschäftigung zu gewinnen“, schließt Schmitz.

Zahlen, Daten und Fakten finden Sie in der beigefügten Anlage.