Der Arbeitsmarkt im April

Frühjahrsbelebung auf dem Arbeitsmarkt in Hessen bleibt aus
 

30.04.2024 | Presseinfo Nr. 11

Die Zahl der Arbeitslosen in Hessen ist im Vergleich zum Vormonat nur minimal gesunken. Bei rund 194.000 arbeitslosen Frauen und Männern ging die Arbeitslosigkeit im April um lediglich 95 Personen zurück. Die Arbeitslosenquote blieb mit 5,6 Prozent stabil auf dem Niveau der Vormonate. Vor einem Jahr lag die Quote noch bei 5,2 Prozent. Damals waren rund 14.000 Menschen weniger arbeitslos gemeldet. Der saisonübliche Rückgang der Arbeitslosigkeit blieb im April aus. 

„Der nur sehr geringe Rückgang der Arbeitslosenzahlen im zurückliegenden Monat entspricht nicht der üblichen Frühjahrsbelebung“, erklärt Dr. Frank Martin, Leiter der Regionaldirektion Hessen der Bundesagentur für Arbeit. „Die Herausforderungen finden wir derzeit an verschiedenen Stellen. Insbesondere die rückläufige Anzahl an gemeldeten Arbeitsstellen deutet auf eine schwache Entwicklung und Zurückhaltung bei Betrieben und Unternehmen hin. In anderen Worten, das aktuelle Wirtschaftswachstum reicht nicht aus, um die Arbeitslosigkeit zu reduzieren. Trotz aller Widrigkeiten zeigt sich der hessische Arbeitsmarkt jedoch robust, ein sprunghafter Anstieg der Arbeitslosigkeit ist nicht zu erwarten.“ 

Der Arbeitslosenbestand der Ausländer sei im Vergleich zum Vorjahr gestiegen, was mit dem Zustrom ukrainischer Flüchtlinge bzw. der Beendigung von Sprachkursen dieser Personengruppe begründbar ist. Positiv sei jedoch auch, dass der Anstieg bei den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Wesentlichen auf die Einstellungen von Zugezogenen zurückzuführen ist, ergänzt Martin. „Die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund hilft dem hessischen Arbeitsmarkt nennenswert.“

Arbeitslosigkeit in Hessen: Zahl der Arbeitslosen stagniert

Die Arbeitslosenzahlen sind im Berichtsmonat April (Stichtag 15.04.2024) im Vergleich zum Vormonat ganz leicht gesunken. 193.748 Frauen und Männer waren zum Stichtag arbeitslos gemeldet. Das waren 95 (0,0 Prozent) weniger als im März 2024 und 14.023 (+7,8 Prozent) mehr als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote verharrte bei 5,6 Prozent. Im April 2023 lag die Quote noch bei 5,2 Prozent. 

Saisonbereinigt stieg die Zahl der Arbeitslosen seit März 2024 um 1.000 Personen an. Zum Vorjahr wurde ein saisonbereinigter Anstieg um 14.000 Personen verzeichnet. 

Von einem Anstieg der Arbeitslosigkeit zum Vormonat betroffen waren die Personengruppen der Frauen und der Älteren. Am stärksten stieg die Zahl der über 55-Jährigen (+1,0 Prozent), gefolgt von den über 50-Jährigen (+0,5 Prozent) und der Frauen (+0,2 Prozent). Im Vorjahresvergleich stieg die Zahl der Arbeitslosen bei allen betrachteten Personengruppen an. Besonders bei der Personengruppe der Älteren über 55 Jahren (+13,8 Prozent) und der über 50-Jährigen (+10,5 Prozent). Die Anzahl der arbeitslosen Männer (+9,0 Prozent) und der unter 25-Jährigen (+7,9 Prozent) erhöhte sich ebenfalls nennenswert. 

Die Betrachtung besonderer Personengruppen zeigt, dass aktuell rund 18.600 Personen mit ukrainischer Staatsbürgerschaft als arbeitslos gelten. Und die Zahl der Langzeitarbeitslosen stieg im Vergleich zum Vorjahr um +15,9 Prozent. 

Die Unterbeschäftigung, die auch Personen in entlastenden arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen und in kurzfristiger Arbeitsunfähigkeit mitzählt, belief sich im April 2024 auf 251.383 Personen. Das waren 12.996 (+5,5 Prozent) mehr als vor einem Jahr.

Entwicklung in den Rechtskreisen: Rund 68 Prozent aller Arbeitslosen beziehen Leistungen aus der Grundsicherung

Insgesamt zählten im Berichtsmonat 32,3 Prozent (62.596 Personen) aller Arbeitslosen in Hessen zum Rechtskreis SGB III (Arbeitslosenversicherung) und 67,7 Prozent (131.152 Personen) zum Rechtskreis SGB II (Grundsicherung). Im Bereich der Arbeitslosenversicherung (SGB III) stieg die Zahl der Arbeitslosen zum Vorjahr um 12,7 Prozent. In der Grundsicherung (SGB II) wurde ein Anstieg von 5,6 Prozent erfasst.

Offene Stellen: Stellenmeldungen und Bestand weiter rückläufig

Der Stellenbestand der hessischen Agenturen weist mit 47.013 weiterhin einen deutlichen Rückgang gegenüber dem Vorjahr (-4,1 Prozent) auf. Der Stellenzugang lag im April mit 9.329 gemeldeten Stellen ebenfalls unter dem Vormonats- (-1,6 Prozent) und Vorjahreswert (-4,9 Prozent).

Sozialversicherungspflichtige Beschäftigung: Rund 20.000 Beschäftigungsverhältnisse mehr als im Vorjahr

Der hochgerechnete vorläufige Wert der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten belief sich im Februar 2024 auf 2.752.500 Personen. Damit ergibt sich ein Anstieg gegenüber dem Vorjahr von 20.300 Beschäftigten (+0,7 Prozent). Hessen liegt damit leicht über der Entwicklung des Bundes (+0,5 Prozent). 

Im Februar waren rund 13.400 Personen mit ukrainischem Pass sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Das sind etwa 3.400 Personen (+33,6 Prozent) mehr als im Vorjahr.

Im Vergleich zum Vorjahresmonat war die Arbeitnehmerüberlassung (Zeitarbeit) vom Rückgang der Beschäftigung im April mit einem Minus von 4,9 Prozent am stärksten betroffen. Das Baugewerbe verzeichnete einen Rückgang von 1,7 Prozent, gefolgt vom Verarbeitenden Gewerbe und Handel, Instandhaltung, Reparatur von Kfz mit jeweils 1,3 Prozent.
Die größten relativen Zuwächse weisen das Gastgewerbe (+3,2 Prozent), Immobilien, freiberufliche, wissenschaftliche und technische Dienstleistungen sowie Verkehr und Lagerei (beide +3,0 Prozent) auf. 

Entwicklung in den Regionen: Landkreis Fulda mit Arbeitslosenquote von 3,7 Prozent

Nur der Landkreis Fulda (3,7 Prozent) lag hessenweit im April mit seiner Arbeitslosenquote unter der 4-Prozent-Marke. Zehn der 26 hessischen Kreise und kreisfreien Städte liegen mit ihren Arbeitslosenquoten zwischen 4,2 und 4,9 Prozent. Zwölf weitere zwischen 5,1 und 6,5 Prozent. 
Die höchsten Quoten weisen weiterhin die Städte Offenbach (9,2 Prozent), Wiesbaden (8,5 Prozent) und Kassel (8,4 Prozent) auf. 

Ausbildungsmarkt: Entwicklung der letzten Jahre setzt sich fort

Im Berichtsmonat ist die Nachfrage nach Auszubildenden weiter auf hohem Niveau. Arbeitgeber meldeten im Berichtsjahr 2023/2024 (Beginn im Oktober) etwa 30.500 Ausbildungsplätze. Dies entspricht einem ganz leichten Rückgang gegenüber dem Vorjahresmonat (-0,3 Prozent oder 84 Stellen). Ihnen gegenüber stehen rund 26.800 junge Menschen auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz, die sich bisher bei den hessischen Agenturen für das aktuelle Ausbildungsjahr gemeldet haben. Das sind 1,1 Prozent weniger als im April letzten Jahres. Als unversorgt zählten zum Stichtag noch 15.250 Bewerber/innen. Etwa 18.400 Ausbildungsplätze waren Mitte April noch unbesetzt. 

„Der Ausbildungsmarkt in Hessen bewegt sich auf dem Niveau der letzten zwei Jahre. Die Zahlen der Bewerberinnen und Bewerber einerseits sowie der Ausbildungsstellen andererseits weisen keine besonderen Veränderungen auf. Das bedeutet auch, dass die Nachfrage nach Nachwuchskräften unverändert angespannt ist. Eine nicht geringe Anzahl an Ausbildungsstellen wird voraussichtlich unbesetzt bleiben“, so Frank Martin. “Eine gute Beratung bei der Berufswahl ist der Schlüssel, um auf weniger bekannte Ausbildungsberufe hinzuweisen und die Zahl der unbesetzten Ausbildungsstellen zu reduzieren. Die Berufsberaterinnen und Berufsberater in den Arbeitsagenturen helfen dabei.“