Hessischer Arbeitsmarkt unverändert schwach!
Frankfurt – Die Arbeitslosigkeit in Hessen ist im Juni leicht gesunken. Auch die Arbeitslosenquote ging von 5,9 auf 5,8 Prozent zurück. Der Rückgang ist jedoch nur saisonal bedingt. Um jahreszeitliche Einflüsse bereinigt gab es weder bei der Zahl noch der Quote der Arbeitslosigkeit eine Veränderung. Während der Bestand an gemeldeten offenen Arbeitsstellen leicht stieg, sanken die Neuzugänge um rund 1.000 gegenüber dem Vormonat. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung stagnierte im Vorjahresvergleich.
„Die Entwicklung am hessischen Arbeitsmarkt bleibt auch im Juni schwach. Von einer Belebung sind wir derzeit weit entfernt. Selbst eine mögliche Entspannung der weltpolitischen Situation wird die wirtschaftliche Lage vieler Unternehmen kurzfristig nicht verändern. Zurückhaltung bei Neueinstellungen oder sogar das Festhalten an Stellenabbauplänen sind die Folge. Besonders schwierig bleibt die Lage in der Industrie und bei Leiharbeitsfirmen. Allein im verarbeitenden Gewerbe sind seit 2020 über 50.000 Stellen verloren gegangen. Dies deutet darauf hin, dass wir es nicht nur mit einer vorübergehenden Wirtschaftsschwäche, sondern strukturellen Problemen zu tun haben. Hinzu kommt: Auch die Folgen von Langfristtrends werden deutlicher sichtbar. So setzen die demografische Entwicklung und ein dadurch schrumpfendes Arbeitskräftepotenzial die Beschäftigung zusätzlich unter Druck,“ erklärt Dr. Frank Martin, Leiter der Regionaldirektion Hessen der Bundesagentur für Arbeit.
Arbeitslosenquote sinkt saisonal bedingt auf 5,8 Prozent
Im Juni ist der Arbeitslosenbestand in Hessen im Vergleich zum Vormonat um 352 Personen oder 0,2 Prozent auf 208.320 Personen zurückgegangen. Die Arbeitslosenquote sank um 0,1 Prozentpunkte auf 5,8 Prozent. Dieser Rückgang ist ausschließlich saisonal bedingt. Bereinigt um jahreszeitliche Einflüsse gab es keine Veränderung.
Betrachtet man die Entwicklung nach Personengruppen, so haben vom leichten Rückgang der Arbeitslosigkeit gegenüber dem Vormonat Ausländerinnen und Ausländer (-1,0 Prozent) sowie junge Menschen zwischen 15 und 20 Jahren (-2,5 Prozent) überproportional profitiert. Bei der Unterscheidung nach Qualifikationen zeigt sich, dass die größte Bestandssteigerung in der Arbeitslosigkeit weiterhin bei Hochqualifizierten sowie jungen Arbeitslosen zu beobachten ist. So ist im Vergleich zum Vorjahr die Arbeitslosigkeit bei Spezialisten um 9,9 Prozent, bei Experten um 6,9 Prozent und bei jungen Menschen bis 25 Jahren um 7,8 Prozent deutlich gestiegen. Bei Fachkräften liegt der Anstieg „nur“ bei 3,0 Prozent und auf dem Helferniveau ist sogar ein Rückgang um 2,1 Prozent zu beobachten.
Entwicklung in den Rechtskreisen: Anstieg der Arbeitslosigkeit SGBIII getrieben
Die Arbeitsagenturen in Hessen betreuten im Rechtskreis SGB III (Arbeitslosenversicherung) im Juni 76.998 Personen. Das waren 736 Personen beziehungsweise 1,0 Prozent mehr als im Mai und 7.025 Personen beziehungsweise 10,0 Prozent mehr als im Vorjahr. Dies bedeutet, dass 37 Prozent aller Arbeitslosen auf die Arbeitslosenversicherung entfallen.
Bei den Jobcenter in Hessen waren im Rechtskreis SGB II (Grundsicherung) im Juni insgesamt 281.356 erwerbsfähige Leistungsberechtige gemeldet. Damit sank deren Zahlen sowohl im Vergleich zum Mai (-1.670 Personen) als auch gegenüber dem Vorjahr (-7.187 Personen). Davon waren 131.322 Personen als arbeitslos gemeldet. Auch hier ging gegenüber Mai ihre Zahl um 1.088 Personen (-0,8 Prozent), und im Vergleich zum Vorjahr um 1.785 Personen (-1,3 Prozent) zurück. Damit gehören 63 Prozent aller Arbeitslosen zum Rechtskreis SGB II.
Betrachtet man die Verschiebungen zwischen den Rechtskreisen, so ist der Rückgang der Arbeitslosigkeit gegenüber dem Vormonat zu mehr als der Hälfte auf den SGB II Bereich zurückzuführen, während es im Rechtskreis SGB III einen Anstieg gab. Noch ausgeprägter ist das Bild im Vorjahresvergleich. Hier ist der Anstieg der Arbeitslosigkeit zu 100 Prozent dem Rechtskreis SGB III zuzurechnen, während es im Rechtskreis SGB II einen Rückgang gab.
Deutlicher weniger Stellen gemeldet
Im Juni wurden den Arbeitsagenturen und Jobcentern in Hessen rund 8.156 Arbeitsstellen neu gemeldet. Das waren 999 Stellen beziehungsweise 10,9 Prozent weniger als im Vormonat und 633 Stellen beziehungsweise 7,2 Prozent weniger als im Juni des Vorjahres. Etwas anders die Entwicklung im Bestand: Gegenüber Mai ist dieser um 504 Stellen beziehungsweise 1,2 Prozent auf 42.246 offene Arbeitsstellen gewachsen. Im Vergleich zum Vorjahr lag er aber um 2.404 Stellen (-5,4 Prozent) niedriger. Betrachtet man die im Juni neu gemeldeten Stellen nach geforderten Qualifikationen, so wurden vorwiegend Fachkräfte gesucht (4.280), gefolgt von Experten und Spezialisten (2.237) und Helfern (1.639). Saisonbereinigt zeigte sich sowohl beim Bestand als auch bei den Neumeldungen keine Bewegungen.
Sozialversicherungspflichtige Beschäftigung
Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung stagniert in Hessen im Vergleich zum Vorjahresmonat. Nach den jüngsten verfügbaren Daten waren im April 2.772.300 Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Im Vergleich zum Vormonat ist die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung um rund 2.600 Personen (0,1 Prozent) gestiegen.
Negativtreiber beim Stellenabbau sind im Vorjahresvergleich unverändert das verarbeitende Gewerbe mit -2,9 Prozent und die Leiharbeit mit -2,3 Prozent. Die größten Zuwächse weisen unverändert die Bereiche Heime und Sozialwesen (3,4 Prozent), das Gesundheitswesen (2,4 Prozent), die Öffentliche Verwaltung (1,7 Prozent) sowie Finanz- und Versicherungsdienstleistungen (1,1 Prozent) auf.
Ausbildungsmarkt: Zahl der Bewerber/innen steigt weiter an
Seit Oktober 2025 haben sich bei den Agenturen für Arbeit und den Jobcentern in Hessen 33.245 junge Menschen für eine Ausbildungsstelle gemeldet. Das sind 4,1 Prozent mehr im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Dem stehen aktuell 25.631 gemeldete Ausbildungsstellen* gegenüber. Die Zahl der unversorgten Bewerber*innen liegt mit 15.632 ebenfalls über dem Vorjahreswert (4,3 Prozent).
„Die Situation am Ausbildungsmarkt ist äußert unbefriedigend. Und vieles deutet auf einen strukturellen Wandel hin. Denn seit 2022 geht die Zahl der Ausbildungsplätze zurück. Der Anteil ausbildender Betriebe sinkt kontinuierlich, wobei sich das Angebot zunehmend auf größere Unternehmen konzentriert. Gleichzeitig bleibt jeder vierte Ausbildungsplatz unbesetzt, während die Übernahmequote einen Höchststand erreicht. Viele Betriebe zögern wegen des Aufwands und der Kosten. Doch gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten spricht vieles dafür, weiter auszubilden: Ausbildung ist und bleibt eine Investition in die eigene Zukunft. Wer seinen Betrieb erhalten möchte, muss in Nachwuchs investieren. Nicht auszubilden ist langfristig das größere Risiko,“ so der Apell von Dr. Frank Martin.
Entwicklung in den Regionen: Niedrigste Arbeitslosenquote unverändert in Fulda
Im Landkreis Fulda bleibt die Arbeitslosenquote bei 3,9 Prozent und ist damit unverändert der beste Wert aller 27 hessischen Kreise und kreisfreien Städte. Unter der hessischen Arbeitslosenquote von 5,8 Prozent liegen aktuell 18 Kreise. Dazu zählen unter anderem der Vogelbergkreis (4,3 Prozent), der Kreis Kassel und Waldeck-Frankenberg (jeweils 4,4 Prozent) sowie der Wetteraukreis und der Schwalm-Eder-Kreis (jeweils 4,5 Prozent). Die höchsten Arbeitslosenquoten haben die Städte Hanau mit 10,2 Prozent, Offenbach (9,3 Prozent), Kassel (8,6 Prozent) und Wiesbaden (8,1 Prozent).
(* Hinweis: Aufgrund von prozessualen Umstellungen wird die Zahl der Ausbildungsstellen in der Statistik derzeit unvollständig abgebildet. Nach Schätzungen für Mai liegt sie 9,8 Prozent unter dem Wert des Vorjahreszeitraums.)
