Arbeitsmarkt im Juli

Hessischer Arbeitsmarkt: Negativtrend verfestigt sich!

31.07.2026 | Presseinfo Nr. 12

Hessischer Arbeitsmarkt: Negativtrend verfestigt sich!

Frankfurt – Mit Beginn der Ferienzeit ist die Arbeitslosigkeit in Hessen saisontypisch gestiegen. Zusätzlich werden die Auswirkungen der Wirtschaftskrise in mehreren Branchen immer deutlicher. Die Freisetzung von Arbeitskräften erreicht zunehmend auch die Fachkräfte. Insgesamt waren im Juli rund 215.000 Menschen arbeitslos gemeldet. Das waren rund 6.700 mehr als im Juni. Die Arbeitslosenquote stieg auf 6,0 Prozent. Bei neuen Stellen gab es saisonbereinigt weder beim Neuzugang noch im Bestand Veränderungen. 

„In der Sommerzeit sehen wir regelmäßig einen Anstieg der Arbeitslosigkeit, der vor allem auf das Schul- und Ausbildungsende zurückzuführen ist. Viele junge Menschen sind auf der Suche nach einem Ausbildungs- oder Studienplatz. Bis Oktober geht die Zahl junger Arbeitsloser aber wieder deutlich zurück“, so Dr. Frank Martin, Leiter der Regionaldirektion Hessen der Bundesagentur für Arbeit. „Sorge bereitet uns jedoch, dass die Arbeitslosigkeit in Hessen auch bereinigt um diese Effekte weiter gestiegen ist. Wirtschaftskrise und demographische Entwicklung zeigen deutliche Spuren in mehreren Branchen. Die Investitionsbereitschaft der Unternehmen geht in Anbetracht unsicherer Rahmenbedingungen weiter zurück. Der Arbeitsmarkt ist deswegen weniger aufnahmebereit. Die Beschäftigungschancen haben sich über alle Qualifikationsniveaus deutlich verschlechtert. Und junge Menschen haben es immer schwerer, einen Ausbildungsplatz zu finden. Der Trend geht derzeit in die falsche Richtung und eine Besserung ist nicht in Sicht.“

Arbeitslosenquote steigt auf 6 Prozent

In Hessen waren im Juli insgesamt 215.021 Personen arbeitslos gemeldet. Gegenüber Juni ist die Zahl damit um 6.701 (3,2 Prozent) gestiegen, gegenüber dem Vorjahr um 5.978 (2,9 Prozent). Die Arbeitslosenquote betrug 6 Prozent und lag mit 0,2 Prozentpunkten über dem Vormonatsniveau. Vor einem Jahr lag sie bei 5,9 Prozent. Der Anstieg der Arbeitslosigkeit betraf, wie im Juli üblich, vor allem Jugendliche unter 25 Jahren. Hier stieg die Arbeitslosigkeit gegenüber dem Vormonat um 11,4 Prozent. Die Zugänge in die Arbeitslosigkeit sind gegenüber Juni um 27,2 Prozent bzw. 3.535 Personen sprunghaft gestiegen. Auch im Vergleich zum Vorjahreszeitraum entspricht dies immer noch einem Anstieg um 5 Prozent. Rechnet man saisonale Einflüsse heraus, ist in Hessen ein Anstieg der Arbeitslosigkeit zum Vormonat um weitere 1.000 Menschen (+ 0,7 Prozent) zu beobachten.

Von den insgesamt im Juli arbeitslos gemeldeten Personen wurden 38,2 Prozent bzw. 82.156 von den Agenturen für Arbeit betreut, was einer Steigerung von 6,7 Prozent gegenüber Juni entspricht (+ 9,8 Prozent gegenüber Vorjahr). Bei den Jobcentern in Hessen waren im Juli 280.473 erwerbsfähige Leistungsberechtige gemeldet. Das waren 895 Personen weniger als im Vormonat und 6.831 Personen weniger als im Vorjahr. Davon waren 132.865 Personen arbeitslos gemeldet. Im Vergleich zum Vorjahr war auch hier ein Rückgang um 1.340 Personen zu beobachten, während die Zahl gegenüber Juni um 1.543 Personen stieg. Damit gehören 61,8 Prozent aller Arbeitslosen zum Rechtskreis SGB II.

Anzahl freier Stellen bleibt saisonbereinigt konstant

Im Juli wurden den Arbeitsagenturen und Jobcentern von Betrieben aus Hessen rund 9.407 freie Arbeitsstellen gemeldet. Das waren 1.251 Stellen beziehungsweise 15,3 Prozent mehr als im Vormonat und 562 Stellen beziehungsweise 6,4 Prozent mehr als im Vorjahr. Etwas anders ist die Entwicklung im Bestand: Auch hier gab es gegenüber Juni eine leichte Steigerung um 219 Stellen, im Vergleich zum Vorjahr aber einen Rückgang um 1.592 Stellen. Saisonbereinigt gab es weder beim Neuzugang noch im Bestand eine Veränderung.

Betrachtet man die im Juli neu gemeldeten Stellen nach geforderten Qualifikationen, so wurden vorwiegend Fachkräfte gesucht (4.735), gefolgt von Experten und Spezialisten (2.497) sowie Helfern (2.175). 

Sozialversicherungspflichtige Beschäftigung geht zurück

Nach den jüngsten verfügbaren Daten waren im Mai 2.771.000 Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Dies ist ein Rückgang gegenüber dem Vormonat um rund 2.500 Personen (-0,1 Prozent). Im Vergleich zum Vorjahresmonat blieb die Zahl konstant.

Unverändert findet in Hessen ein Abbau von industriellen Arbeitsplätzen statt. So ging im Vergleich zum Vorjahreswert allein im verarbeitenden Gewerbe die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse um 2,7 Prozent zurück. In der Leiharbeit betrug der Rückgang 2 Prozent. Die größten Zuwächse weisen unverändert die Bereiche Heime und Sozialwesen (3,4 Prozent), das Gesundheitswesen (2,3 Prozent), der Bereich Bergbau, Energie, Wasser- und Entsorgungswirtschaft (1,5 Prozent), die Öffentliche Verwaltung (1,3 Prozent) sowie Finanz- und Versicherungsdienstleistungen (1,2 Prozent) auf.

Tiefststand bei Ausbildungsstellen 

Im Juli waren insgesamt 34.944 junge Menschen auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz. Damit stieg die Zahl zum Vorjahr um 4,2 Prozent beziehungsweise 1.421 Personen. Von allen Bewerbern hatten im Juli 9.679 bereits eine Zusage für einen Ausbildungsplatz erhalten, während 12.259 junge Menschen noch keine Lehrstelle gefunden haben. Die Zahl der in Hessen angebotenen Lehrstellen ging dagegen auf 27.583 (-10,9 Prozent) zurück, von denen 9.632 im Juli noch unbesetzt waren. 

Aktuell bieten Arbeitgeber in Hessen u.a. in den folgenden Berufen noch unbesetzte Ausbildungsplätze an: Kaufleute im Einzelhandel (1.447), Verkäufer/innen (863), Fachkräfte Lagerlogistik (299), Kaufleute für Büromanagement (277), Handelsfachwirt/innen (260), Zahn- und Medizinische/r Fachangestellte/r (215 + 206). 

„Die gute Nachricht vom Ausbildungsmarkt ist das steigende Interesse junger Menschen an einer dualen Ausbildung. Immer mehr Abiturienten beginnen eine Ausbildung oder entdecken diese als Alternative zum Studium, unter anderem weil KI den Wunsch nach einer stabilen beruflichen Basis fördert. Die schlechte Nachricht: Die Zahl der Ausbildungsstellen bewegt sich auf einem Tiefststand der letzten Jahrzehnte. Wir werden im Herbst einen deutlichen Rückgang bei den Ausbildungsverträgen sehen. Insbesondere Handel und verarbeitendes Gewerbe haben ihre Ausbildungskapazitäten signifikant zurückgefahren und sind für die Hälfte der weggefallenen Ausbildungsplätze verantwortlich,“ so Martin. „Mehr Flexibilität und Kompromissbereitschaft würde helfen, die Situation für alle Beteiligten zu entschärfen. Unternehmen, indem sie trotz Wirtschaftskrise unternehmerisch und vorausschauend handeln und jetzt das Personal einstellen, welches sie in absehbarer Zeit dringend brauchen. Oder indem sie noch mehr Jugendlichen die Möglichkeit zu Probearbeit und Praktika bieten. Die Jugendlichen ihrerseits sollten proaktiv auch auf Betriebe zugehen, die keine Stellenanzeigen schalten und auch außerhalb des Traumjobs suchen. Schließlich sind 10 Jahre nach dem Abschluss nur die Hälfte im ursprünglichen Ausbildungsberuf tätig. Viel wichtiger ist, dass sie überhaupt einen Berufsabschluss haben,“ so der Arbeitsmarktexperte weiter.

Arbeitslosenquote steigt flächendeckend in allen Kreisen 

Auch im Juli weist der Landkreis Fulda mit einer Arbeitslosenquote von 4,1 Prozent den besten Wert aller 27 hessischen Kreise und kreisfreien Städte auf. Unter der hessischen Arbeitslosenquote von 6 Prozent liegen aktuell 17 Kreise. Dazu zählen unter anderem der Vogelsbergkreis (4,4 Prozent), der Kreis Kassel und der Wetteraukreis (jeweils 4,6 Prozent) sowie Waldeck-Frankenberg, Marburg-Biedenkopf und die Bergstraße (jeweils 4,7 Prozent). Die höchsten Arbeitslosenquoten haben die Städte Hanau mit 10,6 Prozent, Offenbach (9,6 Prozent), Kassel (8,8 Prozent) und Wiesbaden (8,3 Prozent).