Arbeitsmarkt im August

Hessischer Arbeitsmarkt zeigt erste Anzeichen einer Stabilisierung!

28.08.2026 | Presseinfo Nr. 16

Hessischer Arbeitsmarkt zeigt erste Anzeichen einer Stabilisierung!

Frankfurt – Trotz Sommer- und Ferienzeit ist die Arbeitslosigkeit in Hessen mit knapp 215.000 Menschen nahezu konstant geblieben. Auch die Arbeitslosenquote blieb unverändert bei 6,0 Prozent. Saisonüblich hätte die Zahl der Arbeitslosen aufgrund der Urlaubszeit und des Schul- und Ausbildungsendes ansteigen müssen. Stattdessen ist sie saisonbereinigt um 3.000 gesunken. Auch bei dem Zugang neu gemeldeter Arbeitsstellen ist die Entwicklung sowohl zum Juli als auch zum Vorjahr positiv. 

„Der Arbeitsmarkt zeigt leichte Anzeichen einer Stabilisierung“, sagt Dr. Frank Martin, Leiter der Regionaldirektion Hessen der Bundesagentur für Arbeit. „Zurzeit beobachten wir in Hessen noch ein hohes Niveau an Meldungen von Arbeitssuchenden. Allerdings deuten mehrere Indikatoren darauf hin, dass Unternehmen beim Personalabbau zurückhaltender werden und teilweise wieder einstellen. Von einer Trendumkehr sind wir aber noch weit entfernt. Gerade in Industrie und Handel bleibt die Lage angespannt. Sollte sich die aktuell zu beobachtende Stimmung in der Wirtschaft weiter aufhellen und eine konjunkturelle Stabilisierung eintreten, wird dies zeitversetzt auch den Arbeitsmarkt erreichen,“ so Martin weiter.

Arbeitslosenquote unverändert bei 6 Prozent

In Hessen waren im August insgesamt 214.842 Personen arbeitslos gemeldet. Dies ist ein leichter Rückgang um 179 Personen gegenüber Juli und ein Anstieg zum Vorjahr um 1.919 Personen. Mit 6 Prozent ist die Arbeitslosenquote sowohl gegenüber dem Vormonat als auch gegenüber dem Vorjahr unverändert. 

Beim Blick auf einzelne Personengruppen zeigt sich vor allem bei Jugendlichen ein saisonbedingter Anstieg der Arbeitslosigkeit. Viele junge Menschen sind auf der Suche nach einem Ausbildungs- oder Studienplatz. Daher ist in der Gruppe der unter 25-jährigen die Arbeitslosigkeit gegenüber Juli um 6,5 Prozent, bei den unter 20-jährigen sogar um 30,7 Prozent gestiegen. Saisonüblich wird die Zahl junger Arbeitsloser bis Oktober wieder deutlich zurückgehen. 

Die Zugänge in die Arbeitslosigkeit sind gegenüber Juli um 4,7 Prozent bzw. 2.248 Personen gesunken, gleichzeitig sind die Abgänge aus der Arbeitslosigkeit gegenüber dem Vormonat deutlich um 11,3 Prozent bzw. 4.663 Personen gestiegen. 

Bereinigt um saisonale Effekte ist in Hessen ein Rückgang bei der Arbeitslosigkeit um 3.000 Personen (- 1,4 Prozent) im Vergleich zum Juli zu beobachten.

Von den insgesamt im August arbeitslos gemeldeten Personen wurden 37,5 Prozent bzw. 80.579 von den Agenturen für Arbeit betreut, was einem Rückgang von 1,9 Prozent gegenüber Juli entspricht (+ 7,3 Prozent gegenüber Vorjahr). Bei den Jobcentern in Hessen waren im August 278.113 erwerbsfähige Leistungsberechtige gemeldet. Das waren 1.143 Personen weniger als im Vormonat und 7.470 weniger als im Vorjahr. Davon waren 134.263 Personen arbeitslos gemeldet. Ein Rückgang gegenüber 2025 um 3.575 Personen, gegenüber Juli ein Anstieg um 1.398 Personen. Damit gehören 62,5 Prozent aller Arbeitslosen zum Rechtskreis SGB II.

Deutlicher Anstieg bei freien Stellen 

Im August wurden den Arbeitsagenturen und Jobcentern von Betrieben aus Hessen rund 9.957 freie Arbeitsstellen gemeldet. Das waren 550 Stellen beziehungsweise 5,8 Prozent mehr als im Vormonat und 1.225 Stellen beziehungsweise 14 Prozent mehr als im Vorjahr. Etwas anders ist die Entwicklung im Bestand: Auch hier gab es gegenüber Juli eine leichte Steigerung um 864 Stellen, im Vergleich zum Vorjahr jedoch einen Rückgang um 729 Stellen. 

Die meisten freien Stellen wurden in der Zeitarbeit ausgeschrieben (10.428) gefolgt von wirtschaftlichen Dienstleistungen (8.405) und dem Gesundheits- und Sozialwesen (5.250). Betrachtet man die neu gemeldeten Stellen nach geforderten Qualifikationen, so wurden vorwiegend Fachkräfte gesucht (4.722), gefolgt von Experten und Spezialisten (2.619) sowie Helfern (2.616). 

Sozialversicherungspflichtige Beschäftigung rückläufig

Nach den jüngsten verfügbaren Daten waren im Juni 2.768.500 Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Dies ist ein Rückgang gegenüber dem Vormonat um rund 3.900 Personen (-0,1 Prozent). Im Vergleich zum Vorjahresmonat stagniert die Beschäftigung. Damit liegt Hessen über der Entwicklung im Bund. Bundesweit ging die Beschäftigung zuletzt um 0,2 Prozent zurück.

Hessen profitiert im Vergleich zu anderen Bundesländern von seiner Branchenvielfalt und einer stabilen Beschäftigung. Trotzdem findet auch in Hessen eine Verschiebung zu Lasten industrieller Arbeitsplätze statt. So ging im Vergleich zum Vorjahreswert allein im verarbeitenden Gewerbe die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse um 2,7 Prozent zurück. In der Leiharbeit betrug der Rückgang 1,1 Prozent. Im Gegenzug gab es vor allem in den umlagen- bzw. steuerfinanzierten Branchen weitere Zuwächse. So ist die Beschäftigung im Bereich Heime und Sozialwesen (3,1 Prozent), im Gesundheitswesen (2,3 Prozent) sowie in der Öffentlichen Verwaltung (1,1 Prozent) gestiegen.

Ausbildungsmarkt: Ungleichgewicht bei Angebot und Nachfrage steigt weiter!

Bis August hatten sich insgesamt 36.402 junge Menschen für einen Ausbildungsplatz interessiert. Das waren 1.469 bzw. 4,2 Prozent mehr als im Vorjahr. Gut 12.000 haben bereits eine Zusage für eine Lehrstelle erhalten. 9.025 junge Menschen haben dagegen noch keine Lehrstelle gefunden. Damit bewegt sich der Anteil der unversorgten Bewerberinnen und Bewerber zum aktuellen Zeitpunkt mit 24,8 Prozent auch in diesem Jahr auf einem hohen Niveau. Dem stehen in Hessen insgesamt nur 28.685 Ausbildungsstellen gegenüber, ein Rückgang gegenüber dem Vorjahr um 3.142 Stellen (- 9,9 Prozent). Von diesen waren im August noch 6.330 unbesetzt (- 18,4 Prozent gegenüber 2025). 

„Die aktuelle Situation auf dem Ausbildungsmarkt verschärft den Wettbewerb um Ausbildungsplätze. Selbst wenn alle derzeit noch offenen Ausbildungsstellen besetzt werden könnten, würde dies trotzdem nicht die Nachfrage decken. Mehr Flexibilität bei der Wahl des Ausbildungsortes und des Wunschberufes sind für Ausbildungssuchende die besten Ansätze, um noch einen Ausbildungsplatz zu finden. Besonders hoch ist der Konkurrenzdruck in Städten wie Frankfurt oder Offenbach, wo auf eine freie Stelle drei Bewerberinnen und Bewerber kommen. In ländlichen Regionen ist der Ausbildungsmarkt dagegen deutlich entspannter,“ erläutert Arbeitsmarktexperte Dr. Frank Martin.

Arbeitslosenquote in Fulda am niedrigsten 

Auch im August weist Fulda mit 4,1 Prozent erneut den niedrigsten Wert aller 27 hessischen Kreise und kreisfreien Städte auf. Zu den Kreisen mit den niedrigsten Arbeitslosenquoten gehören außerdem der Wetterau- und der Vogelsbergkreis sowie der Landkreis Kassel mit jeweils 4,5 Prozent gefolgt von der Kreisen Bergstraße, Marburg-Biedenkopf, Schwalm-Eder und Waldeck-Frankenberg mit jeweils 4,7 Prozent. Die höchsten Arbeitslosenquoten haben die Städte Hanau mit 10,6 Prozent, gefolgt von Offenbach (9,6 Prozent), Kassel (8,6 Prozent) und Wiesbaden (8,3 Prozent).