Nur wenige positive Signale – gedämpfte Stimmung am Arbeitsmarkt
Frankfurt - Die Herbstbelebung auf dem hessischen Arbeitsmarkt ist deutlich schwächer ausgefallen als saisonüblich. Zwar ist die Arbeitslosigkeit im September leicht um 2,1 Prozent gesunken und auch die Arbeitslosenquote ging auf 5,9 Prozent zurück. Bereinigt um jahreszeitliche Einflüsse ist die Arbeitslosigkeit gegenüber August jedoch um rund 2.000 Personen gestiegen. Einziger Lichtblick sind die gemeldeten Arbeitsstellen. Der höchste Wert an neu gemeldeten Stellen in einem September seit 2022.
„Mit dem Start von Ausbildungs- und Studiengängen zieht der Arbeitsmarkt normalerweise an und die Arbeitslosigkeit geht zurück. In diesem Jahr ist dieser Effekt deutlicher schwächer ausgefallen als üblich. Nach einem kurzen Hoffnungsschimmer im August ist die Arbeitslosigkeit im September saisonbereinigt wieder gestiegen“, kommentiert Dr. Frank Martin, Leiter der Regionaldirektion Hessen der Bundesagentur für Arbeit, die Entwicklung am Arbeitsmarkt.
„Der aktuell zu beobachtende wirtschaftliche Entwicklung ist getragen von öffentlichen Ausgaben für Verteidigung und Infrastruktur und konzentriert sich damit auf einige wenige Bereiche. Dagegen hat sich die Situation im verarbeitenden Gewerbe kaum verbessert und der Stellenabbau in der Industrie wird sich weiter fortsetzen. Für eine wirtschaftliche und damit auch eine Erholung am Arbeitsmarkt braucht es den privaten Konsum und private Investitionen. Solange diese ausbleiben, werden wir keine Trendwende bei der Erwerbstätigkeit sehen“, so Martin weiter.
Arbeitslosenquote sinkt auf 5,9 Prozent
In Hessen waren im September insgesamt 210.403 Personen arbeitslos gemeldet. Dies ist ein Rückgang um 4.439 Personen gegenüber August aber ein Anstieg um 3.913 Personen im Vergleich zum Vorjahr. Mit 5,9 Prozent liegt die Arbeitslosenquote um 0,1 Prozentpunkte unter dem Vormonatswert. Im September 2025 betrug sie 5,8 Prozent.
Bereinigt um saisonale Effekte war in Hessen gegenüber dem Vormonat ein Anstieg der Arbeitslosigkeit um rund 2.000 Personen (0,9 Prozent) zu beobachten. Die bereinigte Arbeitslosenquote beträgt 5,9 Prozent.
Der leichte Rückgang der Arbeitslosigkeit gegenüber August erstreckt sich über alle Personengruppen. Vor allem bei Ausländern (-2,3 Prozent) und bei jungen Menschen unter 25 Jahren (-7,1 Prozent) ist der saisonale Effekt besonders zu beobachten.
Negativtrend Jugendarbeitslosigkeit
Seit 2022 ist die Jugendarbeitslosigkeit kontinuierlich gestiegen und übersteigt inzwischen das Corona-Spitzenjahr 2020. Mit aktuell rund 23.400 arbeitslosen Jugendlichen liegt die Zahl um fast 50 Prozent (+7.750) über dem Niveau von 2019. Auch der Anteil der U25-Arbeitslosen an der Gesamtarbeitslosigkeit ist von 9,8 Prozent in 2021 auf 11,1 Prozent im September 2026 gestiegen. „Die langfristige Entwicklung bei Jugendlichen ist besorgniserregend. Eine zentrale Rolle spielt die berufliche Qualifikation. Vier von fünf arbeitslosen jungen Menschen in Hessen haben keinen Berufsabschluss. Der Übergang von Schule und Ausbildung in den Beruf bildet aktuell eine der größten gesellschaftlichen Herausforderungen. Umso wichtiger ist es, jungen Menschen schon früh den Wert einer beruflichen Ausbildung zu vermitteln,“ betont Martin.
Hinweis: Ende Oktober wird die Bundesagentur für Arbeit die Bilanz zum Ausbildungsjahr 2025/26 vorstellen und dabei detailliert auf die Situation der Jugendarbeitslosigkeit in Hessen eingehen.
Entwicklung in der Rechtskreisen
Von den insgesamt im September arbeitslos gemeldeten Personen wurden 78.170 bzw. 37,2 Prozent von den Agenturen für Arbeit betreut. Das waren 2.409 Personen (-3,0 Prozent) weniger als im August. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl aber um 6.374 beziehungsweise 8,9 Prozent gestiegen. Im Rechtskreis SGB II waren bei den Jobcentern in Hessen im September 132.233 Personen arbeitslos gemeldet. Das entspricht einem Rückgang um 2.030 Personen (-1,5 Prozent) gegenüber August und um 2.461 Personen
(-1,8 Prozent) gegenüber dem Vorjahresmonat. Insgesamt waren in dem Rechtskreis 274.868 erwerbsfähige Leistungsberechtige gemeldet. Damit ist deren Zahl um 1.871 Personen im Vergleich zum August und um 9.205 gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen.
Der Anstieg der Arbeitslosigkeit gegenüber dem Vorjahr geht damit vollständig auf den Rechtskreis SGB III zurück.
Mehr neue Stellen – aber noch keine Trendwende
Bei der Arbeitskräftenachfrage gibt es im September ein positives Signal. Hessische Betriebe meldeten den Agenturen für Arbeit 9.897 neue Arbeitsstellen. Gegenüber August blieb die Zahl zwar nahezu unverändert. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht dies jedoch einer Steigerung um 15,6 Prozent.
Im Bestand waren insgesamt 43.676 freie Arbeitsstellen gemeldet. Das waren 0,8 Prozent mehr als im August. Im Vergleich zum Vorjahresmonat ging der Stellenbestand dagegen um 282 Stellen (-0,6 Prozent) leicht zurück.
Die meisten freien Stellen wurden in der Zeitarbeit ausgeschrieben (10.755), gefolgt von wirtschaftlichen Dienstleistungen (8.070) und dem Gesundheits- und Sozialwesen (5.308). Betrachtet man neu gemeldete Stellen nach geforderten Qualifikationen, so wurden vorwiegend Fachkräfte gesucht (5.424), gefolgt von Experten und Spezialisten (2.668) sowie Helfern (1.805).
Sozialversicherungspflichtige Beschäftigung unverändert rückläufig
Nach den jüngsten verfügbaren Daten waren im Juli in Hessen 2.756.900 Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Damit ging die sozialversicherungs-pflichtige Beschäftigung gegenüber dem Vormonat um rund 10.400 Personen (-0,4 Prozent) zurück. Im Vergleich zum Vorjahresmonat betrug der Rückgang 4.000 Personen (-0,1 Prozent). Trotz des Rückgangs liegt Hessen damit noch über der bundesweiten Entwicklung, bei der die Beschäftigung um 0,2 Prozent zurück ging.
Unverändert findet in Hessen ein Abbau von industriellen Arbeitsplätzen statt. Im Vergleich zum Vorjahreswert ging im verarbeitenden Gewerbe die sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse um 2,8 Prozent zurück. Dagegen fand bei Heimen und Sozialwesen (3,3 Prozent), im Gesundheitswesen (2,1 Prozent), im Bereich Bergbau, Energie, Wasser- und Entsorgungswirtschaft (1,7 Prozent) sowie in der Öffentlichen Verwaltung (1,0 Prozent) und bei Finanz- und Versicherungsdienstleistungen (1,0 Prozent) ein Beschäftigungsaufbau statt.
Arbeitslosenquote in Fulda am niedrigsten
Die Lage auf dem hessischen Arbeitsmarkt unterscheidet sich weiterhin deutlich zwischen den Regionen. In 17 hessischen Kreisen und kreisfreien Städten lag die Arbeitslosenquote im September unter dem Landesdurchschnitt von 5,9 Prozent.
Die niedrigste Arbeitslosenquote verzeichnete unverändert Fulda mit 3,9 Prozent, gefolgt vom Vogelsbergkreis (4,3 Prozent) und dem Landkreis Kassel (4,4 Prozent). Die höchsten Quoten wurden in den Städten Hanau (10,1 Prozent), Offenbach (9,5 Prozent) und Kassel (8,4 Prozent) registriert.
