Arbeitsmarkt im Januar

Arbeitsmarkt ohne positive Impulse 

30.01.2026 | Presseinfo Nr. 2

Arbeitsmarkt ohne positive Impulse 

  • Saisonal bedingt mehr Arbeitslose in Hessen 
  • Arbeitslosenquote steigt auf 6,1 Prozent 
  • Beschäftigung in Hessen wächst leicht 

Frankfurt – Die Zahl der Arbeitslosen in Hessen ist im Januar weiter gestiegen. Rund 216.000 Menschen waren arbeitslos gemeldet und damit knapp 11.500 mehr als im Dezember. Die Arbeitslosenquote stieg dadurch auf 6,1 Prozent. Der Bestand an freien Arbeitsstellen ist nochmals zurückgegangen und liegt aktuell bei rund 40.300 Stellen. Positiv dagegen ist die Entwicklung bei der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl der Beschäftigten in Hessen leicht um 9.000 gestiegen.

„Möchte man den Arbeitsmarktzahlen etwas Positives abgewinnen, dann nur dem Umstand, dass die Arbeitslosigkeit, bereinigt um die im Januar üblichen saisonalen Effekte, im letzten Monat nicht weiter gestiegen ist. Und dass Hessen noch einen minimalen Zuwachs bei den Beschäftigten aufweist. Das darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir die höchste Arbeitslosigkeit der letzten 5 Jahre zu verzeichnen haben. Alleine zum Vorjahr kamen 9.000 Arbeitslose hinzu,“ so Dr. Frank Martin, Leiter der Regionaldirektion Hessen, zur aktuellen Entwicklung am Arbeitsmarkt. Mit Blick auf das neue Jahr fügt Martin an: „Keiner unserer Frühindikatoren gibt derzeit Anlass zur Hoffnung, dass die Stimmung in der Wirtschaft zeitnah dreht und wir in den nächsten Monaten positive Impulse für den Arbeitsmarkt sehen.“

Saisontypischer Verlauf der Arbeitslosigkeit auf hohem Niveau 

Im Januar waren in Hessen 216.138 Menschen arbeitslos gemeldet und damit 11.499 Personen mehr (5,6 Prozent) als im Vormonat und 8.986 Personen bzw. 4,3 Prozent mehr als im Januar 2025. Die Arbeitslosenquote beträgt 6,1 Prozent und liegt damit 0,3 Prozentpunkte über dem Vormonatsniveau und 0,2 Prozentpunkte über dem Vorjahreswert. Die Arbeitsmarktzahlen im Januar sind üblicherweise von der saisonalen Winterarbeits-losigkeit geprägt. Bereinigt um diesen Effekt liegt die Arbeitslosenquote bei 5,9 Prozent.

Die Zunahme der Arbeitslosigkeit erstreckt sich über alle Personengruppen. Betrachtet nach Qualifikationen sind höher qualifizierte Arbeitslose deutlich stärker betroffen. Bei Spezialisten oder Experten ist die Zahl im Vergleich zum Vorjahr um 11,7 bzw. 15,2 Prozent gestiegen, während sie bei Geringqualifizierten leicht zurückging. Im Gegenzug ist die Dauer der Arbeitslosigkeit bei höher Qualifizierten nur halb so lang wie bei Geringqualifizierten.

Entwicklung in den Rechtskreisen: Anteil SGB III gestiegen

37,5 Prozent (81.067 Personen) aller Arbeitslosen gehören zum Rechtskreis SGB III (Arbeitslosenversicherung). Das sind 8.481 Personen (11,7 Prozent) mehr als im Vormonat und 7.664 Personen (10,4 Prozent) mehr als vor einem Jahr. In den hessischen Jobcentern waren im Dezember 135.071 Menschen in der Grundsicherung / im Bürgergeld als arbeitslos gemeldet. Ihre Zahl stieg im Vergleich zum Vormonat um 3.018 Personen und im Vergleich zum Vorjahr um 1.322. Der Anstieg der Arbeitslosigkeit ist damit zu fast drei Vierteln zurückzuführen auf die Entwicklung im Rechtskreis SGB III.

Bestand und Zugang an Arbeitsstellen weiter gesunken 

Seit Jahresbeginn wurden den Arbeitsagenturen und Jobcentern insgesamt 6.497 zu besetzende Stellen von Betrieben aus Hessen neu gemeldet. Das waren 1.271 Stellen weniger als im Vormonat (-16,4 Prozent) und 637 weniger als vor einem Jahr (-8,9 Prozent). Der Stellenbestand fällt gegenüber dem Vorjahr um 12,2 Prozent auf 40.271 offene Stellen. 

Ende der Nachvermittlungsphase: Kritische Situation am Ausbildungsmarkt hält an 

Nach dem offiziellen Start des neuen Ausbildungsjahres bemühten sich die Arbeitsagenturen auch in den Folgemonaten, jungen Menschen noch Ausbildungsplätze zu vermitteln. In der sogenannten Nachvermittlungsphase standen 7.825 Bewerber*innen 

(+ 32 Prozent ggü. Vorjahr) nur 3.389 freien Ausbildungsstellen (- 31 Prozent) gegenüber. Davon waren zum Stichtag 31.12.2025 immer noch 3.823 Bewerber*innen unversorgt und 663 Ausbildungsstellen unbesetzt. Damit hält die kritische Situation am Ausbildungsmarkt, in der es wieder deutlich mehr Bewerber*innen als Stellen gibt, schon das zweite Jahr in Folge an. Was viele Arbeitgeber und Bewerber*innen nicht wissen: Die Arbeitsagenturen haben umfassende Möglichkeiten, Arbeitgeber und Bewerber*innen bei der Aufnahme und Ausgestaltung eines Ausbildungsverhältnisses zu unterstützen. 

Strukturwandel - Beschäftigung in Hessen wächst

Gemäß den jüngsten verfügbaren Daten aus November stieg die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten um 9.000 auf insgesamt 2.800.200 Personen. Eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr um 0,3 Prozent. Hessen gehört damit weiterhin zu der kleinen Spitzengruppe der Bundesländer mit einem Beschäftigungswachstum.

Bei der Betrachtung der Branchenentwicklungen ist die Beschäftigung in der Arbeitnehmerüberlassung unverändert am stärksten eingebrochen. Die Zahl der Beschäftigten ist dort im Vergleich zum Vorjahr um 8,2 Prozent zurückgegangen. Auch im verarbeitenden Gewerbe (- 3,2 Prozent) hält der Negativtrend an, hier vor allem in der Metall-, Elektro- und Stahlindustrie (- 3,5 Prozent) und in der Herstellung von Vorprodukten (- 5,3 Prozent). Die größten Zuwächse weisen unverändert die Wirtschaftszweige Heime und Sozialwesen (+ 3,6 Prozent), Gesundheitswesen (+3,1 Prozent), Verkehr und Lagerhaltung (+3,0 Prozent) sowie die Öffentliche Verwaltung (+2,9 Prozent) auf. 

„Wir beobachten eine deutliche Verschiebung zwischen den Wirtschaftszweigen. Die Verluste in Industrie und dem verarbeitenden Gewerbe können wir in Hessen bislang durch strukturelle Verschiebungen hin zum Dienstleistungssektor kompensieren. Davon profitieren vor allem Standorte wie der Großraum Frankfurt, Wiesbaden aber auch Gießen. Es besteht aber das Risiko einer sich beschleunigenden Deindustrialisierung,“ kommentiert Martin die Beschäftigungsentwicklung.

Arbeitsmarkt in den hessischen Regionen: Fulda unverändert mit niedrigster Arbeitslosenquote 

In Hessen lagen 10 der 27 hessischen Kreise bei der Arbeitslosenquote über dem Landeswert von 6,1 Prozent. Fulda weist hessenweit die niedrigste Quote mit 4,0 Prozent aus. Danach folgt der Vogelsbergkreis (4,4 Prozent) und Hersfeld-Rothenburg (4,7 Prozent). Die höchsten Arbeitslosenquoten weisen die Städte Offenbach (9,7 Prozent), Hanau (9,6 Prozent) sowie Kassel (9,4 Prozent) auf.