Arbeitsmarkt in Hessen von anhaltender Konjunkturschwäche geprägt!
- Arbeitslosigkeit geht minimal zurück
- Arbeitslosenquote bleibt konstant
- Beschäftigungswachstum kommt fast zum Erliegen
Frankfurt - Die Arbeitslosigkeit ist im Februar leicht um knapp 400 Personen gesunken. Insgesamt waren rund 215.700 Menschen in Hessen arbeitslos gemeldet. Die Arbeitslosenquote blieb zum Vormonat unverändert bei 6,1 Prozent. Gegenüber Januar stieg die Zahl der zu besetzenden Arbeitsstellen um rund 2.500. Auch der Bestand ist leicht auf rund 40.600 Stellen gestiegen. Beides, Zugänge als auch Bestand, liegen aber deutlich unter dem Niveau des Vorjahres. Nur noch leicht positiv entwickelte sich in Hessen die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung. Sie ist im Vergleich zum Vorjahr nur noch um 4.100 gestiegen.
„Die aktuellen Arbeitsmarktzahlen zeigen keine konjunkturellen Impulse. Wir bewegen uns in Hessen unverändert auf einem Höchststand der Arbeitslosigkeit. Einzig die hohe Zahl an sozialversicherungspflichtig Beschäftigten war bislang ein Lichtblick. Laut den jüngsten Wirtschaftsprognosen ist frühestens in den kommenden Monaten mit einer leichten Erholung zu rechnen. Sollte sich dies bestätigen, könnten wir vielleicht im Herbst erste Effekte am Arbeitsmarkt beobachten. Für Februar und März rechnen wir mit einer weiteren Seitwärtsbewegung,“ so Dr. Frank Martin, Leiter der Regionaldirektion Hessen, zur aktuellen Entwicklung am Arbeitsmarkt. „Sorge bereiten uns die weiter steigenden Unternehmensinsolvenzen und der Stellenabbau im verarbeitenden Gewerbe. Allein in den letzten 12 Monaten sind dort in Hessen über 13.000 Arbeitsplätze mit hoher Wertschöpfung verloren gegangen. Zusätzlich beginnt auch in Hessen das Erwerbspersonenpotential zu sinken. Hier sind die ersten Anzeichen der demografischen Entwicklung und dem sich damit weiter verschärfenden Fachkräftemangel zu beobachten. Diesen werden wir auch mit verstärkter Zuwanderung immer schwerer kompensieren können“, so Martin weiter.
Arbeitslosigkeit in Hessen: Quote bleibt bei 6,1 Prozent
Die Zahl der Arbeitslosen ist in Hessen im Februar minimal gesunken. Im Berichtsmonat waren 215.739 Frauen und Männer arbeitslos gemeldet. Das waren 399 (-0,2 Prozent) weniger als im Januar, aber 8.332 (+4,0 Prozent) mehr als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote bleibt unverändert bei 6,1 Prozent. Bereinigt um saisonale Effekte ist die Arbeitslosigkeit sogar um 1.000 Personen im Vergleich zum Januar gestiegen.
Der leichte Rückgang der Arbeitslosigkeit war im Vergleich zum Januar vor allem bei Frauen (-0,7 Prozent), bei Älteren über 50 Jahren (-0,8 Prozent) und bei Menschen mit ausländischem Pass (-0,4 Prozent) zu beobachten.
Betrachtet man die Entwicklung nach Qualifikationen, so sind vor allem höher qualifizierte Arbeitslose deutlich stärker betroffen. Die Arbeitslosigkeit bei Spezialisten ist um 9,6 Prozent und die der Experten um 13,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen, während sie bei Geringqualifizierten leicht um 1,3 Prozent zurückging. Allerdings sind Helfer unverändert die am stärksten von Arbeitslosigkeit betroffene Gruppe mit derzeit 101.874 Menschen. Zudem sind höher Qualifizierten im Schnitt weniger als halb so lang arbeitslos wie Geringqualifizierte.
Entwicklung in den Rechtskreisen: Anteil SGB III gegenüber Vorjahr gestiegen
Von allen Arbeitslosen zählten 62,5 Prozent (134.823 Personen) im Februar zum Rechtskreis SGB II (Grundsicherung / Bürgergeld). Das sind 0,2 Prozent weniger als im Vormonat, aber 1,0 Prozent mehr als im Vorjahr.
Zum Rechtskreis SGB III (Arbeitslosenversicherung) zählten 37,5 Prozent (80.916 Personen) aller Arbeitslosen. Auch hier liegt der Rückgang gegenüber Januar bei 0,2 Prozent. Im Vorjahresvergleich ist ihre Zahl dagegen um 9,5 Prozent (6.999 Menschen) gestiegen.
Offene Stellen: Stellenzugang unter Vorjahresniveau
Der bei den hessischen Arbeitsagenturen und Jobcentern gemeldete Bestand weist mit 40.607 offenen Stellen einen deutlichen Rückgang gegenüber dem Vorjahr (-12,6 Prozent) auf. Die Zahl der im Februar neu gemeldeten Stellen stieg zwar um 2.495 (+38,4 Prozent) jedoch ist dies ausschließlich auf saisonale Effekte zurückzuführen. Bereinigt um diese Effekte gab es bei den Neuzugängen keine Bewegung und im Bestand einen Rückgang um 1.000 Stellen.
Obwohl das Ausbildungsjahr 25/26 erst im Oktober gestartet ist, lässt sich bereits ein negativer Trend erkennen. Das schon im letzten Jahr zu beobachtende Ungleichgewicht zwischen einer steigenden Zahl an Jugendlichen, die Interesse an einer Ausbildung haben, und immer mehr Arbeitgebern, die ihr Angebot an Ausbildungsstellen zurückfahren, setzt sich weiter fort „Wir sehen einen signifikanten Einbruch bei den Ausbildungskapazitäten. Gleichzeitig haben wir einen Fachkräftemangel und eine demografische Entwicklung, die das Problem weiter verschärft. Vorausschauendes Handeln und Ausbildung gegen den Trend sind erforderlich. Jeder Unternehmer sollte sich fragen, wo die Menschen herkommen sollen, wenn der Aufschwung kommt,“ appelliert Dr. Martin.
Sozialversicherungspflichtige Beschäftigung: Nur noch geringer Anstieg in Hessen
Der hochgerechnete vorläufige Wert aus Dezember 2025 an sozialversicherungspflichtig Beschäftigten belief sich auf rund 2.780.600 Personen. Dies entspricht einem nur noch geringen Anstieg gegenüber dem Vorjahr von 4.100 (+0,1 Prozent) Personen. Damit liegt Hessen zwar immer noch über der Entwicklung des Bundes (-0,1 Prozent). Aber die Zunahme hat sich in Hessen über die letzten Monate immer weiter verringert.
Bei der Betrachtung der Branchen, die im Vergleich zum Vorjahr einen Rückgang der Beschäftigung verzeichnen, sticht erneut die Arbeitnehmerüberlassung mit -6,3 Prozent hervor, gefolgt vom verarbeitenden Gewerbe mit -3,1 Prozent, wozu auch die Metall-, Elektro- und Stahlindustrie (- 3,5 Prozent) und die Herstellung von Vorprodukten (- 5,1 Prozent) gehört.
Die größten Zuwächse weisen unverändert die Wirtschaftszweige Heime und Sozialwesen (+ 3,3 Prozent), Gesundheitswesen (+2,9 Prozent) sowie die Öffentliche Verwaltung (+2,5 Prozent) auf.
Entwicklung in den Regionen: Niedrigste Arbeitslosenquote in Fulda
Die niedrigste Arbeitslosenquote in Hessen liegt unverändert im Landkreis Fulda hat aber mit 4,1 Prozent die 4 Prozent Marke übersprungen. Aktuell liegen 16 weitere der 27 hessischen Kreise unter der hessischen Quote von 6,1 Prozent.
