Hessischer Arbeitsmarkt ohne erkennbare Frühjahrsbelebung

31.03.2026 | Presseinfo Nr. 6

Frankfurt – Die Zahl der Arbeitslosen in Hessen ist im März nur leicht gesunken. Rund 213.000 Menschen waren arbeitslos gemeldet, knapp 2.650 weniger als im Februar aber rund 7.850 mehr als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote sinkt zum Vormonat um 0,1 Prozent auf 6 Prozent. Die Zahl der gemeldeten Stellen stieg gegenüber Februar um rund 650 an, während der Bestand an offenen Stellen mit knapp 41.000 immer noch rund 5.800 unter dem Vorjahr liegt. Bei den sozialversicherungspflichtig Beschäftigen kommt es in Hessen zu einer Trendumkehr. Sowohl zum Vormonat als auch im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sank die Anzahl der Beschäftigten. 
  • Saisonal bedingter Rückgang der Arbeitslosigkeit 
  • Leichte Dynamik bei gemeldeten Arbeitsstellen und Abgängen in Arbeit
  • Trendumkehr bei sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung

„Die aktuelle Entwicklung am Arbeitsmarkt ist rein saisonal getrieben und hat nicht die Dynamik, wie sie in normalen Zeiten üblich ist. Nur bei den neu gemeldeten Stellen sowie bei den Abgängen aus der Arbeitslosigkeit ist etwas Bewegung erkennbar. Von einem klassischen Frühjahrsaufschwung ist derzeit nichts zu erkennen“, kommentiert Dr. Frank Martin, Leiter der Regionaldirektion Hessen der Bundesagentur für Arbeit, die aktuellen Arbeitsmarktdaten. „Saisonbereinigt ist die Zahl der Arbeitslosen sowohl im Vergleich zum Vormonat als auch im Vorjahresvergleich weiter gestiegen. Noch besorgniserregender ist die Entwicklung bei den Beschäftigten. Erstmals geht in Hessen die Beschäftigung zurück. In der Industrie und dem verarbeitenden Gewerbe ist der Stellenabbau weiter ungebrochen. Selbst in Wirtschaftszweigen wie Verkehr und Logistik, bislang ein wachsender Sektor, sehen wir eine Trendumkehr.“

Arbeitslosenquote in Hessen sinkt auf 6,0 Prozent

Im März ist die Zahl der Arbeitslosen in Hessen leicht gesunken. 213.087 Frauen und Männer waren im Berichtsmonat arbeitslos gemeldet. Das waren 2.652 (-1,2 Prozent) weniger als im Februar aber 7.845 (+3,8 Prozent) mehr als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote sank im Vergleich zum Vormonat um 0,1 Prozentpunkte auf 6 Prozent. Im März 2025 lag die Quote noch bei 5,8 Prozent. Bereinigt um saisonal wiederkehrende Effekte stieg die Arbeitslosigkeit zum Vormonat sogar um 1.000 Personen an. 

Der leichte Rückgang der Arbeitslosigkeit war im Vergleich zum Februar vor allem in der Gruppe junger Menschen bis 20 Jahre (-4,3 Prozent), bei Männern (-1,4 Prozent) sowie bei Menschen mit ausländischem Pass (-1,4 Prozent) zu beobachten. 

Im März fanden in Hessen 13.245 arbeitslose Personen eine Beschäftigung, das waren 1.590 mehr als im Vormonat und 515 mehr als vor einem Jahr. Im Gegenzug meldeten sich 15.163 Menschen aus einer Beschäftigung heraus arbeitslos. Das waren 799 mehr als im Vormonat und 939 mehr als vor einem Jahr.

Betrachtet man die Entwicklung nach Qualifikationen, so sind unverändert höher qualifizierte Arbeitslose deutlich stärker betroffen. Gegenüber dem Vorjahr ist die Arbeitslosigkeit bei Experten um 11,9 Prozent und bei Spezialisten um 11 Prozent gestiegen. Dagegen ist der Bestand an arbeitslosen Menschen auf Helferniveau zum dritten Mal in Folge leicht um -1,7 Prozent gesunken. Allerdings sind Helfer unverändert die am stärksten von Arbeitslosigkeit betroffene Gruppe mit derzeit 101.325 Menschen und haben die längste durchschnittliche Dauer der Arbeitslosigkeit mit 583 Tagen. 

Entwicklung in den Rechtskreisen: Leichte Verschiebung zu SGB II 

Von allen Arbeitslosen zählten im März 63 Prozent (134.190 Personen) zum Rechtskreis SGB II (Bürgergeld). Ihre Anzahl ist damit um 0,5 Prozent gegenüber Februar gesunken, aber um 0,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Zum Rechtskreis SGB III (Arbeitslosenversicherung) gehörten 37 Prozent (78.897 Personen) aller Arbeitslosen. Das sind 2.019 Personen (2,5 Prozent) weniger als im Vormonat, aber 7.074 Personen (9,8 Prozent) mehr als vor einem Jahr.

Offene Stellen: Stellenzugänge rein saisonal getrieben 

In Hessen wurden den Arbeitsagenturen und Jobcentern 9.643 Stellen neu gemeldet. Dies entspricht einer Zunahme gegenüber Februar um 7,2 Prozent und gegenüber dem Vorjahr sogar um 9,7 Prozent. Der gemeldete Bestand an offenen Stellen weist mit 40.958 zum Februar zwar eine Zunahme um 351 Arbeitsstellen (+0,9 %) aus, gegenüber dem Vorjahr aber einen deutlichen Rückgang um 5.833 Stellen (-12,5 Prozent). 

Die steigende Nachfrage an Arbeitskräften findet insbesondere im Helfersegment (+31,2 %) statt, aber auch bei den Fachkräften (+7 %) sowie den Höherqualifizierten (+ 5,2 %).

Bereinigt um saisonale Effekte blieben Neuzugänge und Bestand gegenüber Februar unverändert.

Trendumkehr bei sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung in Hessen

Gemäß den jüngsten verfügbaren Daten aus Januar waren laut Hochrechnung in Hessen 2.761.200 Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Zum Vormonat sank damit die Anzahl der Beschäftigten um 18.200, im Vergleich zum Vorjahr um 3.200 Beschäftigte (-0,1 Prozent). Damit liegt Hessen zwar immer noch leicht über der Entwicklung des Bundes (-0,2 Prozent) ist aber inzwischen in der Gruppe der Bundesländer mit einer negativen Entwicklung angekommen. 

„Hessen konnte bis jetzt eine kontinuierlich positive Beschäftigungsentwicklung vorweisen. Dies ist nun vorbei. Das Blatt hat sich auch bei uns gewendet. Hessen hat demografisch und wachstumsbedingt einen Peak bei der Beschäftigung erreicht. Parallel erleben wir die Deindustrialisierung unserer Wirtschaft, die dem Einfluss der aktuellen geopolitischen Verwerfungen ausgesetzt ist. Erste Anzeichen einer Erholung, ausgelöst durch die expansive Fiskalpolitik des Bundes, bekommen durch den Iran-Krieg einen deutlichen Dämpfer. Solange die Unsicherheit bei Energiepreisen bestehen bleibt, werden wir keinen Aufschwung und keine Erholung am Arbeitsmarkt beobachten,“ so Dr. Martin mit Blick auf die Entwicklung der kommenden Wochen und Monate.

Ein Blick auf die Branchenentwicklung zeigt, wo im Vergleich zum Vorjahr ein Rückgang der Beschäftigung zu verzeichnen ist. Unverändert liegt die Arbeitnehmerüberlassung mit -5,6 Prozent an der Spitze, gefolgt vom verarbeitenden Gewerbe mit -3 Prozent, wozu auch die Metall-, Elektro- und Stahlindustrie (-3,4 Prozent) und die Herstellung von Vorprodukten und chemischen Erzeugnissen (-4,9 Prozent) gehört.

Die größten Zuwächse weisen unverändert die Bereiche Heime und Sozialwesen (+3,2 Prozent), Gesundheitswesen (+2,4 Prozent), die Öffentliche Verwaltung (+2,2 Prozent) sowie Finanz- und Versicherungsdienstleistungen (1,3 Prozent) auf.

Entwicklung in den Regionen: Fulda unverändert mit niedrigster Arbeitslosenquote

Im Landkreis Fulda ist die Arbeitslosenquote auf 4 Prozent gesunken und hat damit unverändert den besten Wert der insgesamt 27 hessischen Kreise. Unter der hessischen Quote von 6 Prozent liegen aktuell 18 Kreise. Dazu zählen unter anderem der Wetteraukreis (4,5 Prozent), der Vogelsbergkreis (4,5 Prozent) sowie der Kreis Kassel (4,6 Prozent). Die höchsten Arbeitslosenquoten sind in Hanau mit 11,2 Prozent, gefolgt von Offenbach (9,6 Prozent), Kassel (9,2 Prozent) und Wiesbaden (8,2 Prozent) zu beobachten.