Hessischer Arbeitsmarkt stagniert

30.04.2026 | Presseinfo Nr. 7

Hessischer Arbeitsmarkt stagniert 

Frankfurt – Die Zahl der Arbeitslosen in Hessen ist im April im Vergleich zum Vormonat leicht gesunken, jedoch deutlich geringer als für die Jahreszeit üblich. Rund 212.400 Menschen waren arbeitslos gemeldet und damit rund 650 weniger als im März. Saisonbereinigt ist die Arbeitslosigkeit dagegen um 1.000 Personen gegenüber dem Vormonat gestiegen. Die Arbeitslosenquote blieb mit sechs Prozent stabil. Der Bestand an gemeldeten Stellen ist um gut 520 gegenüber März gestiegen, lag aber über neun Prozent unter dem Niveau des Vorjahres. Auch die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung geht in Hessen weiter zurück. 

„Vor dem Hintergrund der aktuellen konjunktur- und handelspolitischen Entwicklungen fällt die übliche Frühjahrsbelebung bei uns fast vollständig aus. Dem Arbeitsmarkt fehlen jegliche Impulse. Er bleibt deswegen deutlich hinter den Erwartungen zurück,“ erklärt Dr. Frank Martin, Leiter der Regionaldirektion Hessen der Bundesagentur für Arbeit. „Und auch der Blick auf die kommenden Monate bietet wenig positive Aussichten. Die für dieses Jahr erwartete wirtschaftliche Erholung wird durch geopolitische Schocks ausgebremst. Die Folgen sehen wir auch auf dem hessischen Arbeitsmarkt. Die Unternehmensinsolvenzen bewegt sich auf einem hohen Niveau, die Zahl der gemeldeten Stellen ist deutlich gesunken, insbesondere im Bereich der Fachkräfte. Und auch die Beschäftigung geht in Hessen weiter zurück“, so der Arbeitsmarktexperte.

Arbeitslosenquote verharrt bei sechs Prozent

Im April waren in Hessen 212.435 Frauen und Männer arbeitslos gemeldet. Das waren 652 (-0,3 Prozent) weniger als im März, aber 8.209 (+4,0 Prozent) mehr als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote liegt im Vergleich zum Vormonat unverändert bei 6,0 Prozent. Im April 2025 lag sie bei 5,8 Prozent. Bereinigt um saisonal wiederkehrende Effekte stieg die Zahl der Arbeitslosen gegenüber dem Vormonat um 1.000 Personen. 

Betrachtet man die Entwicklung nach Personengruppen so ist im Vergleich zum Vorjahr die Arbeitslosigkeit vor allem in der Gruppe junger Menschen bis 25 Jahre (7,7 Prozent) und bei Älteren ab 55 Jahre (7,8 Prozent) überproportional gestiegen. Die Analyse nach Qualifikationen zeigt unverändert einen deutlichen Anstieg der Arbeitslosigkeit bei Experten (9,9 Prozent) und bei Spezialisten (11,8 Prozent), während die Zahl der Arbeitslosen auf Helferniveau leicht um -0,7 Prozent gesunken ist. Allerdings sind Helfer die am stärksten von Arbeitslosigkeit betroffene Gruppe mit derzeit 100.842 Menschen und haben die längste durchschnittliche Dauer der Arbeitslosigkeit mit 591 Tagen. 

Entwicklung in den Rechtskreisen: Rund 63 Prozent aller Arbeitslosen beziehen Leistungen aus der Grundsicherung

Der Bestand aller Arbeitslosen setzt sich wie folgt zusammen:

Zum Rechtskreis SGB III (Arbeitslosenversicherung) gehörten 36,8 Prozent (78.244 Personen) aller Arbeitslosen. Das sind 0,8 Prozent weniger als im März. Im Vorjahresvergleich stieg die Zahl der Arbeitslosen im SGB III um 10,7 Prozent (7.584 Menschen). 

Zum Rechtskreis SGB II (Grundsicherung / Bürgergeld) zählten im Berichtsmonat 63,2 Prozent (134.191 Personen) aller Arbeitslosen. Im Vergleich zum Vormonat blieb sie konstant, während sie im Vergleich zum Vorjahr um 0,5 Prozent stieg.

Entwicklung in den Regionen: Stadt/Landgefälle bei Arbeitslosenquote

Im Landkreis Fulda bleibt die Arbeitslosenquote bei 4 Prozent – unverändert der beste Wert aller 27 hessischen Kreise und kreisfreien Städte. Unter der hessischen Quote von 6 Prozent liegen aktuell 18 Kreise. Dazu zählen unter anderem der Vogelsbergkreis (4,3 Prozent), der Wetteraukreis und Waldeck-Frankenberg (4,5 Prozent), sowie der Kreis Kassel (4,6 Prozent). Die höchsten Arbeitslosenquoten haben die Städte Hanau mit 10,9 Prozent, gefolgt von Offenbach (9,5 Prozent), Kassel (9,1 Prozent) und Wiesbaden (8,2 Prozent).

Arbeitsstellen: Immer weniger neu gemeldete Stellen 

Im April waren bei den hessischen Arbeitsagenturen und Jobcentern insgesamt 41.484 offene Stellen gemeldet. Das waren 526 Stellen (1,3 Prozent) mehr als im März, aber 4.163 (-9,1 Prozent) weniger als vor einem Jahr. Bei den neu gemeldeten Stellen sieht die Entwicklung deutlich schlechter aus. Gegenüber März gingen die Meldungen um 14,9 Prozent und im Vergleich zum Vorjahr um 11,6 Prozent zurück. Auch bereinigt um saisonale Effekte zeigt sich sowohl bei den Neuzugängen als auch beim Bestand eine identische Entwicklung.

Betrachtet man die im April neu gemeldeten 8.204 Stellen nach geforderten Qualifikationen, so wurden vorwiegend Fachkräfte gesucht (4.084), gefolgt von Experten und Spezialisten (2.435) und Helfern (1.685). Allerdings ist die Nachfrage nach Fachkräften im Vergleich zum Vorjahr deutlich gesunken (-17,1 Prozent) während die anderen Anforderungsniveaus geringere Rückgänge aufweisen. 

Sozialversicherungspflichtige Beschäftigung weiter rückläufig

Gemäß den jüngsten verfügbaren Daten aus Februar waren laut Hochrechnung in Hessen 2.761.700 Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Im Vergleich zum Vorjahr sank damit die Zahl der Beschäftigten um 4.700 Personen (-0,2 Prozent). Damit liegt Hessen über der Entwicklung des Bundes (-0,3 Prozent), ist aber in der Gruppe der Bundesländer mit einer negativen Entwicklung angekommen. 

Ein Blick auf die Branchenentwicklung zeigt, wo im Vergleich zum Vorjahr ein Ab- oder Aufbau der Beschäftigung zu beobachten ist. Unverändert liegt die Arbeitnehmerüberlassung mit -4,5 Prozent an der Spitze der Branchen, die Stellen abbauen, gefolgt vom verarbeitenden Gewerbe mit –2,7 Prozent, wozu auch die Metall-, Elektro- und Stahlindustrie (-2,9 Prozent) und die Herstellung von Vorprodukten und chemischen Erzeugnissen (-4,8 Prozent) gehört.

Die größten Zuwächse weisen unverändert die Bereiche Heime und Sozialwesen (2,8 Prozent), Gesundheitswesen (2,3 Prozent), die Öffentliche Verwaltung (1,9 Prozent) sowie Finanz- und Versicherungsdienstleistungen (1,2 Prozent) auf.

Halbzeit am Ausbildungsmarkt: Zahl der Bewerber/innen steigt weiter an

Seit Oktober 2025 haben sich bei den Agenturen für Arbeit und den Jobcentern in Hessen 29.609 Bewerberinnen und Bewerber für eine Berufsausbildungsstelle für das nach den Sommerferien im Herbst beginnende Ausbildungsjahr gemeldet. Das sind 4,6 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Damit liegt die Zahl auf dem höchsten Niveau seit Beginn der Corona-Pandemie. Hiervon hatten 17.927 junge Menschen bis April 2026 weder eine Ausbildungsstelle noch eine Alternative gefunden. Dem stehen derzeit 24.045 gemeldete Ausbildungsstellen gegenüber. Aufgrund von prozessualen Umstellungen wird diese Zahl in der Statistik derzeit unvollständig abgebildet. Sie liegt nach Schätzungen für März mit einem Minus von 11 Prozent jedoch deutlich unter dem Wert des Vorjahreszeitraums. 

„Die positive Nachricht vom Ausbildungsmarkt ist das steigende Interesse junger Menschen an einer Ausbildung. Seit 2021 hat sich ihre Zahl um 3.000 gesteigert und trotz der demografischen Entwicklung fast das Vor-Corona Niveau erreicht. Die schlechte Nachricht: Die aktuelle wirtschaftliche Entwicklung macht sich auch auf dem Ausbildungsmarkt bemerkbar. Im vergangenen Berufsberatungsjahr haben die Arbeitgeber in Hessen rund 6,5 Prozent weniger Ausbildungsstellen gemeldet als im Jahr zuvor. Gleichzeitig suchten fast 5 Prozent mehr Jugendliche einen Ausbildungsplatz. Im laufenden Ausbildungsjahr wird das Missmatch von Angebot zu Nachfrage noch größer werden, darauf deuten die aktuellen Zahlen hin. Dabei ist Ausbildung mehr denn je die Zukunftsinvestition für unsere Gesellschaft. Umso wichtiger ist es, junge Menschen und Betriebe zusammenzubringen und frühzeitig Perspektiven zu schaffen. Die Bundesagentur für Arbeit unterstützt Unternehmen mit Beratung und verschiedenen Fördermöglichkeiten,“ kommentiert Martin die aktuellen Entwicklungen am Ausbildungsmarkt.

Unterstützung für einen erfolgreichen Ausbildungsabschluss

Damit eine Ausbildung erfolgreich abgeschlossen werden kann, bietet die Bundesagentur für Arbeit verschiedene Fördermöglichkeiten an. Dazu gehört unter anderem die Assistierte Ausbildung (AsA), die Auszubildende bei fachlichen oder persönlichen Herausforderungen unterstützt. Auch für junge Menschen mit Behinderungen stehen spezielle Förderangebote zur Verfügung. Da Ausbildungsplätze nicht immer direkt vor der Haustür liegen, kann eine regionale Mobilität helfen. In solchen Fällen unterstützt die Bundesagentur für Arbeit beispielsweise mit einem Mobilitätszuschuss.