Bilanz und Ausblick: Arbeitsmarkt in Schleswig-Holstein

RD-Chef Markus Biercher, DGB Nord-Vorsitzende Laura Pooth und UVNord-Hauptgeschäftsführer Michael Thomas Fröhlich ziehen gemeinsame Jahresbilanz 2025 und geben Ausblick auf 2026
 

-   Zuwachs bei der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung

-   Zahl der Arbeitslosen im Vorjahresvergleich gestiegen

-   Zuversichtlicher Ausblick auf 2026 trotz bestehender Unwägbarkeiten

-   Arbeits- und Fachkräftesicherung bleibt zentrale Herausforderung

26.01.2026 | Presseinfo Nr. 5

Im Rahmen einer gemeinsamen Pressekonferenz haben Markus Biercher, Chef der Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit, die DGB Nord-Vorsitzende Laura Pooth und UVNord-Hauptgeschäftsführer Michael Thomas Fröhlich heute (26. Januar 2026) in Kiel die Arbeitsmarktbilanz für 2025 vorgestellt und einen Ausblick auf 2026 gegeben.

„Ich kann für 2025 eine positive Bilanz ziehen“, sagte Biercher. „Angesichts der angespannten gesamtwirtschaftlichen Lage liegt ein herausforderndes Jahr hinter uns. Im bundesweiten Vergleich steht Schleswig-Holstein jedoch gut da.“ Insgesamt habe sich der Arbeitsmarkt im Land als stabil erwiesen. „Noch nie waren so viele Menschen in Schleswig-Holstein sozialversicherungspflichtig beschäftigt wie im vergangenen Jahr: Insgesamt 1.062.800 Personen – das sind 4.300 oder 0,4 Prozent mehr als im Vorjahr“, so Biercher weiter. Gleichzeitig habe die wirtschaftliche Entwicklung auch Spuren hinterlassen: „Im Vorjahresvergleich 2025 zu 2024 ist die Zahl der Arbeitslosen um 3.400 Personen beziehungsweise 3,7 Prozent gestiegen.“ Auch die Nachfrage nach Arbeitskräften entwickelte sich insgesamt positiv. Den Agenturen für Arbeit wurden im Jahr 2025 insgesamt 54.400 sozialversicherungspflichtige Stellen gemeldet, ein Plus von 1.000 Stellen beziehungsweise 1,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zum Jahresende befanden sich 22.000 Stellen im Bestand.

Gewerkschaftlich wird die Entwicklung differenziert bewertet. Die DGB Nord-Vorsitzende Laura Pooth erklärte: „Im Rückblick lässt sich sagen, die Arbeitslosigkeit ist in Schleswig-Holstein nicht so stark gestiegen wie in den industriellen Zentren im Süden des Landes. Faktisch profitieren wir in der Krise von der eher kleinteiligen Wirtschaftsstruktur Schleswig-Holsteins und von weniger krisenanfälligen Branchen wie der Nahrungsmittelindustrie oder der Medizintechnik. Dennoch ist die Arbeitslosenquote immer noch deutlich höher als in Bayern oder Baden-Württemberg.“

Auch aus Sicht der Arbeitgeber hat sich die konjunkturelle Abkühlung 2025 deutlich bemerkbar gemacht. UVNord-Hauptgeschäftsführer Michael Thomas Fröhlich sagte: „Der allgemeinen konjunkturellen Lage geschuldet, hat die Dynamik auf dem Arbeitsmarkt im vergangenen Jahr deutlich an Fahrt verloren. Von der neuen Bundesregierung konnten bisher keine Aufbruchstimmung und kein Reformeifer für eine Konjunkturbelebung erzeugt werden. Die Unternehmen fahren in ihrer Personalpolitik daher aktuell auf Sicht.“

Ausblick 2026: positive Entwicklungen bei Beschäftigung und Arbeitslosigkeit   

Mit Blick auf 2026 zeigte sich Biercher – trotz bestehender Unwägbarkeiten – zuversichtlich: „Die Arbeitsmarktlage bleibt insgesamt stabil. Ich rechne mit einer weiteren Zunahme der Beschäftigung und zugleich mit einem leichten demografisch-bedingten Rückgang der Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Vorjahr. Das frühzeitig vom Bund gemeinsam mit den Kommunen auf den Weg gebrachte Investitionspaket wird Wirkung entfalten – auch auf dem Arbeitsmarkt.“ Für alle Arbeitsmarktpartner werde auch 2026 die Arbeits- und Fachkräftesicherung die zentrale Herausforderung bleiben. „Wir – die Arbeitsagenturen und Jobcenter – werden daher insbesondere in die Qualifizierung von Arbeitslosen und Beschäftigten investieren und uns gleichzeitig dem Thema ‚faire Erwerbsmigration‘ mit besonderem Nachdruck widmen“, so Biercher abschließend.

Mit Blick auf die Fachkräftesicherung mahnte Pooth, soziale Standards nicht infrage zu stellen. „Debatten über den Abbau sozialer Rechte helfen weder dem Arbeitsmarkt noch der Wirtschaft. Mit einer Einschränkung von Arbeits- und Gesundheitsschutz würde der Fachkräftesicherung ein Bärendienst erwiesen. Um dem Fachkräftemangel zu begegnen, müssen alle Menschen die Chance erhalten, Teil der Lösung sein zu können. Dazu gehören Langzeitarbeitslose, Menschen mit Behinderung oder Jugendliche ohne Berufsausbildung ebenso wie Menschen in unfreiwilliger Teilzeit oder ohne deutschen Pass.“

Zugleich warnte Fröhlich davor, die aktuell gedämpfte Lage falsch zu interpretieren. „Die Situation darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Arbeits- und Fachkräftemangel gelöst oder in weite Ferne gerückt ist. Sobald die Konjunktur wieder Fahrt aufnimmt, beginnt der Run auf die besten und passenden Köpfe. Wir müssen jetzt die Weichen stellen: Fachkräftegewinnung aus dem Ausland weiter erleichtern, Geflüchtete besser und vor allem schneller für den ersten Arbeitsmarkt fit machen und ihnen damit eine verlässliche Bleibeperspektive geben, Langzeitarbeitslose aktivieren, die Erwerbsquote von Frauen weiter erhöhen und Jugendlichen Lust auf die duale Ausbildung machen. Grundvoraussetzung dafür ist aber, dass die richtigen Signale aus Berlin kommen, die Reformvorschläge für eine neue Erbschaftssteuer, das Tariftreue- und Vergabegesetz und eine neue Entgelttransparenzrichtlinie zählen jedenfalls nicht dazu.“