Im April wurden bei den Agenturen für Arbeit 77.295 betriebliche Ausbildungsstellen gezählt - 10.780 oder 12,2 Prozent weniger als vor einem Jahr. Allerdings lassen sich vorübergehend nicht alle bei den Arbeitgeber-Services und Berufsberatungen der Agenturen für Arbeit betreuten Ausbildungsstellen zählen. Grund ist eine bürokratische Erleichterung, für die die amtliche Statistik noch angepasst werden muss. Die Differenz lässt sich jedoch grob schätzen. Demnach waren im April bei den Agenturen für Arbeit rund 81.800 Ausbildungsstellen gemeldet - rund 6.300 oder 7,2 Prozent weniger als vor einem Jahr 1.
„Aktuell stehen der NRW-Ausbildungsmarkt und damit auch die zukunftsorientierte Sicherung von Fachkräftebedarfen für die Wirtschaft in NRW vor einigen Herausforderungen“, sagte Dirk Strangfeld, Geschäftsführer der Regionaldirektion NRW der Bundesagentur für Arbeit. „Unsere größte Sorge ist, dass zu wenig ausgebildet wird. Es liegt auf der Hand, warum Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber derzeit sehr zurückhaltend sind bei der Meldung von Ausbildungsplätzen. Nicht nur am Arbeitsmarkt hinterlässt die krisenhafte Wirtschaftslage Spuren – auch am Ausbildungsmarkt sind die Auswirkungen zu spüren.“ Doch Fachkräfte sind jetzt schon knapp, so Strangfeld weiter, das zeigt auch der Blick auf den Arbeitsmarkt. Hier kamen im April auf 100 offene Stellen für Fachkräfte rechnerisch rund 219 potentielle Bewerberinnen und Bewerber. Und gerade junge Fachkräfte unter 25 Jahren waren gefragt, sagte Strangfeld: „Man kann mit gutem Gewissen sagen, dass das Angebot an jungen Fachkräften knapp ist. So sind zum Beispiel nur rund 1,7 Prozent aller Arbeitslosen ausgebildete Fachkräfte unter 25 Jahren – und diese sind häufig nur für eine kurze Übergangszeit zwischen zwei Beschäftigungen arbeitslos. Wer diese jungen Mitarbeitenden für sein Unternehmen sucht, bildet sie am besten gleich selbst aus!“ Noch ist es für kein Unternehmen zu spät: „Rund ein Viertel aller Jugendlichen bewirbt sich spät, im Frühjahr und im Sommer ist die Dynamik am Ausbildungsmarkt besonders hoch. Daher lohnen sich Stellenmeldungen gerade auch im zweiten Halbjahr. Unser Arbeitgeber-Service geht aus diesem Grund noch einmal verstärkt auf die Unternehmen zu und wirbt Ausbildungsstellen ein.“
Vier Prozent weniger Bewerbende mit (Fach-)Hochschulreife
Im Schuljahr 2025/2026 kehrt der überwiegende Teil der Gymnasien in NRW vom achtjährigen zum neunjährigen Abitur zurück. Dadurch fällt dieses Jahr beinahe ein ganzer gymnasialer Abiturjahrgang aus. Das hat auch Auswirkungen auf den Ausbildungsmarkt, wenn auch mit geringeren Zahlen, da viele Schülerinnen und Schüler die Hochschulreife auch auf berufsbildenden Schulen oder in Gesamtschulen ablegen. Hier dauert es bis zur Hochschulreife in der Regel neun Jahre.
Die NRW-Landesregierung rechnet mit rund 30.000 Schulabgängerinnen und Schulabgängern mit Hochschulreife, im vergangenen Jahr waren es fast 74.000 (Fach-) Abiturienten. Das macht sich auch bei den Agenturen für Arbeit bemerkbar, bei denen sich bis Ende April 2.233 Schülerinnen und Schüler von allgemeinbildenden Schulen oder 5,0 Prozent weniger gemeldet haben. Das Minus bei Bewerberinnen und Bewerbern mit (Fach-) Hochschulreife beträgt aktuell 4,0 Prozent oder 1.011 Personen.
„Die Ausbildung hat in den vergangenen Jahren deutlich an Attraktivität für junge Menschen gewonnen. Deshalb nimmt die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber auch seit drei Jahren trotz sinkender Abgangszahlen von den allgemeinbildenden Schulen zu“, sagte Strangfeld. „In diesem Jahr wird diese Entwicklung durch die Rückkehr von G8 auf G9 etwas ausgebremst. Andererseits interessieren sich vor allem junge Menschen von berufsbildenden oder Gesamtschulen für eine Ausbildung. Deshalb geht auch die Zahl der Bewerberinnen und Bewerbern mit Hochschulreife nicht so stark zurück, wie die Gesamtzahl aller Abiturienten von allen Schulformen.“
Trotzdem, sagte Strangfeld weiter, ist auch der geringere Rückgang eine Herausforderung für den Ausbildungsmarkt: „Es gibt Ausbildungsgänge, für die Unternehmen stark auf junge Auszubildende mit Hochschulreife setzen. Das kann auch zu einem Wettbewerb um Auszubildende führen, bei dem zwangsläufig einige Unternehmen den Kürzeren ziehen werden. Diese Unternehmen suchen nach guten Alternativen und Möglichkeiten. Mein Rat ist, sich an ihren Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit zu wenden. Wir beraten sehr gerne und unterstützen gegebenenfalls auch. Zum Beispiel mit einer Assistierten Ausbildung.“
Revision der Statistik am Ausbildungsstellenmarkt
Im April waren bei den Agenturen für Arbeit 86.754 Jugendliche gemeldet, die eine Ausbildung beginnen wollen. Das waren 539 oder 0,6 Prozent mehr als vor einem Jahr.
Bei den Agenturen für Arbeit wurden im April 77.295 gemeldete betriebliche Ausbildungsstellen gezählt. Das waren 10.780 Stellen oder 12,2 Prozent weniger gezählte Stellen als im Vorjahr. Die statistische Abbildung der gemeldeten Berufsausbildungsstellen ist seit April 2025 unvollständig. Die Auswirkungen konzentrieren sich auf das Berichtsjahr 2025/26. Hintergrund sind prozessuale Umstellungen. Die Bundesagentur für Arbeit überprüft und vereinfacht derzeit Prozesse, um Angebote für Arbeitgebende und Unternehmen zu verbessern und um bürokratischen Aufwand zu reduzieren. Dazu gehört, dass seit April 2025 Ausbildungsstellen auch ohne erfasste Ausbildungsberechtigung im Arbeitgeberservice aufgenommen werden, da diese von den Kammern geprüft wird. Zuvor doppelte sich die Prüfung der Ausbildungsberechtigungen. Durch die Abschaffung dieser doppelten Prüfung senken die Agenturen für Arbeit die bürokratischen Hürden für Unternehmen. Diese Verfahrensänderung muss noch in die statistische Erhebung integriert werden, das wird im Sommer 2026 abgeschlossen.
Bis dahin schätzt die Regionaldirektion NRW die tatsächliche Anzahl der gemeldeten betrieblichen Ausbildungsstellen. Demnach waren im April rund 81.800 Ausbildungsstellen bei den Agenturen für Arbeit gemeldet worden. Das entspricht einem Minus zum Vorjahr von rund 6.300 Angeboten oder 7,2 Prozent.
Dasselbe Bild zeigt sich bei den unbesetzten Ausbildungsstellen: Im April waren in NRW noch 46.224 Stellen unbesetzt, 5.502 oder 10,6 Prozent weniger als vor einem Jahr. Wird die Untererfassung berücksichtigt, sind aktuell in den Agenturen für Arbeit noch rund 49.300 unbesetzte Stellen gemeldet. Diesen standen im April 59.072 Bewerberinnen und Bewerber gegenüber, die noch keinen Ausbildungsplatz gefunden haben. Von diesen hatten 10.251 eine Alternative, also einen Plan B in der Tasche, falls es mit dem Start in die Berufsausbildung nicht klappt.
Informationen und Grafiken im Anhang zur Presseinformation zu den Themen:
- Entwicklung Ausbildungsstellen seit 2019
- Entwicklung unbesetzte Ausbildungsstellen
- Alter und Schulabschluss der Bewerberinnen und Bewerber
Weiterführende Informationen im Internet
Ausbildungsreport NRW: ausführlicher statistischer Bericht und weitere Grafiken zum Ausbildungsmarkt.
BERUFE.TV - das Filmportal rund um Berufe
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1 Dabei handelt es sich um eine grobe Schätzung der Regionaldirektion NRW.