NRW-Ausbildungsmarkt im Juni: NRW startet in die ganz heiße Phase am Ausbildungsmarkt

Im Juli tritt der Ausbildungsmarkt in Nordrhein-Westfalen in seine ganz heiße Phase ein. Dass das zu der Hitzeperiode der vergangenen Tage passt, ist eher zufällig. Ausschlaggebend sind die Sommerferien. Bis zu ihrem Start wollen die Unternehmen noch möglichst viele der aktuell über 38.000 freien betrieblichen Ausbildungsplätze an künftige Auszubildende vergeben. Deren Ausbildung startet dann zum 3. August oder 1. September. Dafür in den Startlöchern stehen aktuell noch über 53.000 Bewerberinnen und Bewerber. Der Großteil von ihnen hat derzeit noch keinen Plan B, falls es mit der Ausbildung in diesem Jahr nicht klappt.

30.06.2026 | Presseinfo Nr. 15

„In vielen Unternehmen fallen die Entscheidungen über die Besetzung von Ausbildungsplätzen erst in den Wochen vor, nicht selten sogar erst knapp nach dem Start der Sommerferien am 20. Juli“, sagte Roland Schüßler, Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion NRW der Bundesagentur für Arbeit. „Wir treten jetzt also in die ganz heiße Phase am Ausbildungsmarkt ein, in der es für beide Seiten noch viel zu gewinnen gibt. Für die jungen Menschen geht es darum, einen der über 38.000 freien Ausbildungsplätze zu bekommen. Für die Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber darum, die passende Auszubildende oder den passenden Auszubildenden zu finden.“

Dabei sieht Schüßler für viele Unternehmen in diesem Jahr gute Chancen am Ausbildungsmarkt: „Ein Faktor dabei ist, dass der befürchtete Einbruch bei den höher qualifizierten Jugendlichen aufgrund der Verlängerung der gymnasialen Oberstufe von acht auf neun Jahre am Ausbildungsmarkt in seiner Dramatik weitgehend ausgeblieben ist.“ Bis Ende Juni bewarben sich 27.308 junge Menschen mit einer Hochschulreife auf eine Ausbildungsplatz – das entspricht einem Rückgang bei den Bewerbungen von 3,6 Prozent zum Vorjahr. Oder in einer absoluten Zahl: 1.028 junge Menschen mit Abitur oder Fachabitur haben sich bislang weniger als vor einem Jahr bei den Berufsberatungen angemeldet, um sich bei der Suche nach einer Ausbildung unterstützen zu lassen.“ Die meisten Schülerinnen und Schüler mit Hochschulreife, die sich auf eine Ausbildung bewerben, kommen nicht vom Gymnasium, sondern aus Berufskollegs und Gesamtschulen: „Wir haben mit allen Partnern, den Kammern wie auch der Landespolitik, in den vergangenen Jahren viele Aktivitäten an diesen Schulformen gestartet, um für die Ausbildung zu werben und den Schülerinnen und Schülern den Einstieg ins Berufsleben zu erleichtern. Dass dies Früchte getragen hat, drückt sich auch in diesen Zahlen aus.“ Dabei ist die Nachfrage größer als das Angebot, sagte Schüßler: „Über 8.000 Stellen für Bewerberinnen und Bewerber mit Hochschulreife sind bei den Arbeitsagenturen gemeldet. Aktuell sind von diesen noch rund 4.000 unbesetzt. Gleichzeitig suchen noch rund 10.800 Schülerinnen und Schüler mit Hochschulreife eine Ausbildungsstelle.“

Ungleichgewicht von Angebot und Nachfrage

Ein ähnliches Ungleichgewicht prägt derzeit auch den gesamten Ausbildungsmarkt, ungeachtet der schulischen Qualifikation, sagte Schüßler. So zählten die Arbeitsagenturen im Juni 38.654 unbesetzte gemeldete Ausbildungsstellen. „Dabei konnte in der Statistik aufgrund prozessualer Umstellungen nicht alle Stellen gezählt werden, die in der Vermittlung sind. Vermutlich im nächsten Monat sind diese Umstellungen aber abgeschlossen.“ Rechnerisch stehen diesen 53.443 Bewerberinnen und Bewerber gegenüber, die noch auf einen Ausbildungsplatz in diesem Jahr hoffen. „11.590 Bewerberinnen und Bewerber haben uns berichtet, dass sie einen Plan B haben, wenn es dann doch mit dem Ausbildungsmarkt nicht klappt“, so Schüßler. Weitere 41.853 setzen nach wie vor alles auf die Karte Ausbildung. Aber auch hier wird sich die Eine oder der Andere bald Gedanken über mögliche Alternativen machen - spätestens, wenn die Zeugnisse ausgegeben sind und die Schulzeit damit abgeschlossen ist.“

„Dass viele Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber erst noch die Entscheidung zur Besetzung freier Ausbildungsstellen fällen werden, hat Gründe“, sagte Schüßler. „Diese sind sehr vielfältig. Ein wichtiger Grund ist, dass sie nicht ausreichend Bewerbungen erhalten haben. Oder dass Bewerberinnen und Bewerber sich schließlich doch für einen anderen Beruf oder für ein anderes Unternehmen entschieden haben.“ Im Hintergrund steht häufig die fehlende Bekanntheit oder in den Augen junger Menschen die fehlende Attraktivität des Berufsbildes. Ein weiterer wichtiger Grund ist das regionale Mismatch: „Sehr verkürzt gesagt: Viele unbesetzte Stellen befinden sich zum Beispiel in Südwestfalen, die unversorgten Jugendlichen leben im Ruhrgebiet. Diese überspitzte Formulierung macht gut deutlich, welche Faktoren am Ausbildungsmarkt wirken und es Unternehmen teilweise sehr schwer machen, Nachwuchs zu finden, selbst unter den Bedingungen eines rechnerischen Ungleichgewichts von Angebot und Nachfrage.“

Unterstützung der Arbeitsagenturen für Unternehmen und Jugendliche

„Als Agenturen für Arbeit ist es unsere Aufgabe, dass Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber und Bewerberinnen und Bewerber Menschen zusammenfinden. Dazu machen wir viele Angebote, um die Vermittlung und dann auch das Gelingen der Ausbildung zu unterstützen – auch mit einer Förderung. Zum Beispiel mit der assistierten Ausbildung, die von der Nachhilfe bis zum Coaching vieles möglich macht“, sagte Schüßler. Und mit Blick auf die nun beginnende heiße Phase am Ausbildungsmarkt: „Die duale Berufsausbildung in Deutschland ist weltweit eine der besten Eintrittskarten in das Berufsleben. Weltweit gibt es auch kein vergleichbares System der Ausbildung, mit dem Unternehmen ähnlich gut ihren Nachwuchs auf anspruchsvolle Aufgaben vorbereiten können. Umso wichtiger ist es, dass jetzt, ein bzw. zwei Monate vor dem offiziellen Start sich beide Seiten noch einmal engagieren – und auf gar keinen Fall die Köpfe hängen lassen! Dazu möchte ich ermutigen. Denn es lohnt sich!“

Informationen und Grafiken im Anhang zur Presseinformation zu den Themen:

  • Entwicklung Ausbildungsstellen seit 2019
  • Entwicklung unbesetzte Ausbildungsstellen
  • Alter und Schulabschluss der Bewerberinnen und Bewerber

Weiterführende Informationen im Internet

Ausbildungsreport NRW: ausführlicher statistischer Bericht und weitere Grafiken zum Ausbildungsmarkt.

Praktikumssuche der Bundesagentur für Arbeit in Nordrhein-Westfalen