NRW-Arbeitsmarkt im Juli: Jahreszeitlich üblicher Anstieg der Arbeitslosigkeit

Im Juli ist die Arbeitslosigkeit in Nordrhein-Westfalen im Vergleich zum Vormonat um 1,7 Prozent oder 13.532 Personen gestiegen. Arbeitslos gemeldet waren 793.155 Frauen und Männer, das waren 6.041 Personen oder 0,8 Prozent weniger als im Vorjahr. Zum Beginn des dritten Quartals ist ein Anstieg der Arbeitslosigkeit üblich, in diesem Monat fiel dieser im langjährigen Vergleich unterdurchschnittlich aus. Die prozentual stärkste Zunahme der Arbeitslosigkeit gab es in der Gruppe junger Menschen unter 25 Jahren. Viele Absolventinnen und Absolventen einer dreijährigen Berufsausbildung meldeten sich für eine Übergangszeit arbeitslos. Die Arbeitslosenquote stieg im Vergleich zum Vormonat um 0,2 Prozentpunkte auf 7,9 Prozent, das waren 0,1 Punkte weniger als vor einem Jahr.

Zwar wird für den kommenden Monat ein weiterer saisonal bedingter Anstieg der Arbeitslosigkeit erwartet. Aktuelle Prognosen gehen jedoch davon aus, dass die Zahl von 800.000 arbeitslos gemeldeten Menschen anders als vor einem Jahr nicht erreicht wird.

31.07.2026 | Presseinfo Nr. 16

„Mit rund 793.000 arbeitslosen Frauen und Männern liegt die Arbeitslosigkeit in NRW weiterhin sehr hoch, eine Folge des anhaltend starken wirtschaftlichen Drucks, unter dem große wie kleine Unternehmen vor allem angesichts erheblicher globaler Risiken unverändert stehen. Daher ist eine Trendwende am Arbeitsmarkt nach wie vor nicht in Sicht. Wir sehen jedoch immerhin einzelne Lichtblicke“, sagte Roland Schüßler, Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion NRW der Bundesagentur für Arbeit. „So lag die Zahl der Arbeitslosen in den letzten drei Monaten leicht unter der des jeweiligen Vorjahresmonats. Damit ist der stetige Anstieg der Arbeitslosigkeit, der seit Oktober 2022 kontinuierlich vorangeschritten war, erst einmal zum Stillstand gekommen. Im Juli zeigt sich das auch daran, dass die Arbeitslosigkeit saisonbereinigt gesunken ist.“ Im Juli enden viele Ausbildungsverhältnisse – die Abschlussprüfungen finden kurz vor den Sommerferien statt, Absolventinnen und Absolventen melden sich für eine Übergangszeit arbeitslos – zudem laufen auch häufig Arbeitsverträge zum Halbjahr aus, während Neueinstellungen aber frühestens nach der Urlaubszeit erfolgen: „Im langjährigen Vergleich steigt die Arbeitslosigkeit im Juli um rund 17.000 Personen. In diesem Monat sind es knapp 4.000 weniger. Das wird Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die jetzt arbeitslos geworden sind, kaum ihre Sorgen nehmen. Auf der anderen Seite zeigt es, dass wir aktuell eine etwas bessere Entwicklung am Arbeitsmarkt als in den vergangenen beiden Jahren sehen, was auch ihre Chancen auf eine neue Arbeitsstelle erhöht.“

Dennoch lag die Zahl der beendeten Erwerbstätigkeiten weiterhin auf einem hohen Niveau. Insgesamt mussten sich im Juli 50.201 Menschen neu arbeitslos melden: „Die Zahl der Frauen und Männer, die ihren Job im vergangenen Monat verloren haben, unterscheidet sich kaum von den Monaten zuvor. Das macht noch einmal deutlich, dass wir uns weiterhin in einer konjunkturell schwierigen Lage befinden. Andererseits haben aber auch über 40.000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im vergangenen Monat eine neue Stelle antreten können. Das ist ein solcher Lichtblick: Eine ‚4‘ als erste Ziffer bei den Übergängen aus der Arbeitslosigkeit in eine neue Erwerbstätigkeit hatten wir schon seit längerer Zeit im Juli nicht mehr.“

Knapp über die Hälfte der Arbeitslosmeldungen im Juli kam aus der Gruppe junger Menschen unter 25 Jahren. „Das liegt vor allem am Ende der dreijährigen betrieblichen Berufsausbildungen. Nicht alle Absolventinnen und Absolventen können in ihrem Ausbildungsbetrieb nahtlos in eine Tätigkeit als Fachkraft wechseln und melden sich erst einmal arbeitslos.“ Gerade hier gibt es gute Nachrichten, sagte der Arbeitsmarktexperte: „Fachkräfte, vor allem mit einer aktuellen Ausbildung, sind am Arbeitsmarkt sehr begehrt. Von allen arbeitslosen Menschen sind derzeit nur 2,0 Prozent jünger als 25 Jahre und haben eine abgeschlossene Berufsausbildung. Das zeigt uns deutlich, wie begehrt diese jungen Menschen am Arbeitsmarkt sind. Die meisten werden deshalb schon nach einer kurzen Phase der Übergangsarbeitslosigkeit eine Stelle als Fachkraft antreten können.“

Qualifikation zahlt sich zudem auch buchstäblich aus, sagte Schüßler weiter. So verdienten in NRW Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die als Fachkräfte auf dem Niveau einer beruflichen Ausbildung arbeiteten, laut der gerade für 2025 veröffentlichten Entgeltstatistik im Median 3.986 Euro brutto. „Das waren knapp 1.000 Euro mehr als Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer erzielen, die als Helferin oder Helfer arbeiten.“ Für Schüßler ist das eines von mehreren guten Argumenten für Weiterbildung: „Das Entgelt ist nur ein Aspekt, zeigt aber deutlich, welche beruflichen und privaten Möglichkeiten eine Weiterbildung bietet. Um einen Abschluss nachzuholen, gibt es mehrere Möglichkeiten, zum Beispiel eine durch einen Bildungsgutschein geförderte Umschulung oder auch schrittweise mit einer Teilqualifizierung.“ Informationen und Beratung zu den verschiedenen Möglichkeiten erhalten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bei den Berufsberatungen im Erwerbsleben der Agenturen für Arbeit, sagte Schüßler. Auch biete ein Abschluss noch weitere Möglichkeiten: „Im Handwerk kann man im Anschluss zum Beispiel noch einen Meistertitel erwerben. Das ist sicherlich nicht einfach und verlangt von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern einiges, doch auch hier ist das Entgelt eines unter vielen guten Argumenten, diesen Schritt zu versuchen.“ Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die auf Grundlage eines Meister-, Techniker- oder Fachwirtstitel berufstätig sind, verdienten 2025 mit einer Vollzeitstelle im Mittel 5.166 Euro brutto. „Der Bedarf an qualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist nahezu in allen Branchen da. Und dies auch trotz der aktuell krisenhaften Stimmung in der Wirtschaft und einer weiterhin sichtbaren Zurückhaltung von Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern bei Neueinstellungen.“

Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung

Im Juli waren in Nordrhein-Westfalen 793.155 Menschen arbeitslos gemeldet. Die Arbeitslosenquote stieg leicht um 0,2 Prozentpunkte auf 7,9 Prozent. Vor einem Jahr lag die Quote um 0,1 Punkte höher.

Die Arbeitslosigkeit stieg im Juli in allen statistischen Bevölkerungsgruppen. Zahlenmäßig am stärksten bei den Frauen mit einem Plus von 7.858 Personen oder 2,3 Prozent. Um 1,3 Prozent oder 5.674 Personen legte die Arbeitslosigkeit bei den Männern zu. Den prozentual stärksten Anstieg gab es bei jungen Menschen unter 25 Jahren mit einem Zuwachs von 10,4 Prozent oder 6.946 Personen auf 74.026 Personen. Von diesen haben 55.203 Personen oder 74,6 Prozent keine abgeschlossene Berufsausbildung. 15.951 arbeitslose jungen Frauen und Männer oder aktuell 21,5 Prozent der jungen Arbeitslosen können eine solche vorweisen. 1.267 haben eine akademische Ausbildung.

Im Juli meldeten sich mit 50.201 Frauen und Männer 8.919 Personen oder 21,6 Prozent mehr als im Vormonat nach dem Ende einer Erwerbstätigkeit arbeitslos. Ihre Arbeitslosigkeit beenden durch die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit konnten 40.063 Frauen und Männer.

Die Unterbeschäftigung sank im Vergleich zum Vorjahr um 1,1 Prozent oder 10.657 Personen auf 953.550 unterbeschäftigte Menschen. Im Vergleich zum Vormonat stieg die Zahl um 5.739 Personen oder 0,6 Prozent. Die Unterbeschäftigung fasst die Gesamtzahl aller Menschen zusammen, die im System der Arbeitsvermittlung entweder als arbeitslos gemeldet sind oder als Teilnehmerinnen und Teilnehmer an arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen vorübergehend nicht als arbeitslos gelten. Auch Kundinnen und Kunden der Arbeitsagenturen und Jobcenter, die kurzfristig arbeitsunfähig sind oder beispielsweise eine Selbständigkeit unterstützt durch einen Gründungszuschuss anstreben, gelten nicht als arbeitslos.

Zahl der gemeldeten offenen Stellen deutlich höher als im Vorjahr – bleibt aber auf niedrigem Niveau.

Die Zahl neu gemeldeter offener Stellen ist auch im Juli auf einem niedrigen Niveau geblieben, lag aber deutlich über dem Vorjahreswert. Neu gemeldet wurden in NRW 26.500 Stellen. Das waren 3.876 oder 17,1 Prozent mehr als vor einem Monat und gegenüber dem Vorjahr 2.940 oder 12,5 Prozent mehr Stellen. Insgesamt waren in NRW 160.397 offene Stellen gemeldet, 34.670 oder 27,9 Prozent mehr als im Vorjahr.

Eine Konstante am Stellenmarkt bleibt die Nachfrage nach Fachkräften. Für Menschen ohne eine aktuelle berufliche Qualifikation wurden im Juli 24.491 offen Stellen angeboten, für Fachkräfte mit dualer Ausbildung hingegen 100.854.

Zwar ist auch für Fachkräfte die Arbeitsmarktlage schwieriger geworden. Dennoch sind sie seltener arbeitslos als Menschen ohne Qualifikation und haben auch bessere Chancen, zurück in Arbeit zu kommen. Im Juli waren in den Agenturen für Arbeit und den Jobcentern 221.852 Fachkräfte mit dualer Berufsausbildung arbeitslos gemeldet. Gleichzeitig suchten 431.745 Frauen und Männer ohne formale Qualifikation eine Arbeit. Auf 100 offene Fachkraftstellen kamen damit im Juli 220 Arbeitslose mit einer Berufsausbildung. Im Bereich einfacher Helfertätigkeiten war die Konkurrenz deutlich höher: Hier bewarben sich rechnerisch rund 1.763 Personen auf 100 offene Stellen.

In der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung gab es im Mai, dem aktuellen Datenstand, einen geringfügigen Rückgang von 5.700 Personen gegenüber dem Vormonat auf nun 7.353.600 sozialversicherungspflichtig beschäftigte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Das waren 5.300 Personen oder 0,1 Prozent weniger als vor einem Jahr.

Der Arbeitsmarkt in den NRW-Regionen

Erwartungsgemäß stieg im Vergleich zum Vorjahr in allen sechs NRW-Arbeitsmarktregionen im Juli die Arbeitslosigkeit. Gleichzeitig waren im Juli in jeder der Regionen die Zahl der Arbeitslosen niedriger als vor einem Jahr.

Im Vergleich zum Vormonat waren im Münsterland 3,1 Prozent oder 1.420 Personen mehr arbeitslos als einen Monat zuvor. Insgesamt gab es hier im Juli 47.843 Arbeitslose. In Ostwestfalen Lippe waren im Juli 75.622 Menschen arbeitslos gemeldet, 1.998 Personen oder 2,7 Prozent mehr als im Vormonat. In Südwestfalen waren 1.101 Menschen oder 2,2 Prozent mehr arbeitslos gemeldet als im Monat zuvor. Im Juli lag hier die Arbeitslosigkeit bei insgesamt 50.692 Personen. Auch im Rheinland stieg die Zahl der Arbeitslosen, im Vergleich zum Vormonat um 4.296 Personen oder 1,6 Prozent auf jetzt 273.016 Frauen und Männer. Im Ruhrgebiet legte die Arbeitslosigkeit zum Vormonat um 3.798 Personen oder 1,4 Prozent zu. Aktuell sind hier 268.168 Menschen arbeitslos gemeldet. Das geringste Plus bei der Zahl arbeitsloser Menschen gab es im Bergischen Land. Hier waren im Juli 77.814 Frauen und Männer arbeitslos gemeldet – 919 Personen oder 1,2 Prozent mehr als einen Monat zuvor.

Mit 4,9 Prozent lag die Arbeitslosenquote im Münsterland am niedrigsten. Im Bergischen Land lag sie mit 7,8 Prozent um 0,1 Punkten unter dem NRW-Durchschnitt von 7,9 Prozent, im Ruhrgebiet stieg die Arbeitslosenquote um 0,1 Punkte auf nun 10,6 Prozent.

Weitere Informationen:

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