NRW-Ausbildungsmarkt im Juli: 7,8 Prozent weniger Ausbildungsstellen in NRW – Einstiegsqualifikation bietet für Unternehmen und Jugendliche Einstieg in die Ausbildung. Noch 34.000 Eintrittskarten ins Berufsleben zu vergeben

Einen Monat vor dem regulären Start des Ausbildungsjahres sind in NRW noch 34.227 betriebliche Ausbildungsstellen unbesetzt. Das sind zwar weniger als vor einem Jahr zum selben Zeitpunkt. Doch gleichzeitig gibt es immer noch sehr viele gute Chancen auf einen Start in die Ausbildung noch in diesem Jahr, sagte der Chef der Bundesagentur für Arbeit in NRW. Es lohne sich, jetzt, auch während der Sommerferien, bei der Recherche und Bewerbung nicht nachzulassen und weiter die passende Stelle zu suchen. Die duale Berufsausbildung sei die beste Eintrittskarte in ein erfolgreiches Berufsleben.

 

31.07.2026 | Presseinfo Nr. 17

„Aktuell steht leider auch der Ausbildungsmarkt unter dem starken Einfluss der weltweit krisenhaften Konjunktur. Dadurch verliert die Ausbildung jedoch nicht an Wert. Die duale Berufsausbildung, wie wir sie in Deutschland kennen, ist weltweit eine der besten Eintrittskarten in das Berufsleben – und davon gibt es in NRW aktuell noch über 34.000 zu vergeben“, sagte Roland Schüßler, Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion Nordrhein-Westfalen der Bundesagentur für Arbeit. „Auch wenn die Wirtschaft derzeit weniger Ausbildungsstellen anbietet und es dadurch schwerer wird, den passenden Platz zu finden, lohnt es sich auch jetzt noch, einen Monat vor dem Start der Ausbildung, sich weiter zu bewerben. Am besten mit Unterstützung der Berufsberatungen der Agenturen für Arbeit, die bei der Stellenrecherche und der Bewerbung gut unterstützen können. Jede aktuell noch unbesetzte Stelle ist eine Chance auf den erfolgreichen Berufseinstieg, die man nutzen sollte!“

Insgesamt wurden bis Ende Juli 89.661 betriebliche Ausbildungsstellen bei den Agenturen für Arbeit gemeldet. Das waren 7.543 betriebliche Stellen oder 7,8 Prozent weniger als vor einem Jahr. „Das ist ein historischer Tiefstand, an dem die aktuelle Wirtschaftskrise erheblichen Anteil hat. Unternehmen müssen auf die Kosten schauen – und zögern bei der Ausbildung. Das bedeutet aber auch, dass man bei einer Investition in die Zukunft zögert“, sagte Schüßler weiter. „Die Arbeitgeber-Service der Agenturen für Arbeit beraten und unterstützen Unternehmen sehr gerne, die noch mit sich um einen Einstieg in die Ausbildung ringen oder auch die richtige Kandidatin oder den richtigen Kandidaten noch nicht gefunden haben.“

Win-Win am Ausbildungsmarkt – die Einstiegsqualifikation

In wirtschaftlich schwierige Zeiten können auch neue Wege attraktiv werden, sagte Schüßler weiter. Ein solcher könnte die Einstiegsqualifikation sein, ein sozialversicherungspflichtiges Langzeitpraktikum. „Die Einstiegsqualifikation ist erst einmal eine Förderinstrument für junge Frauen und Männern, die keinen Ausbildungsplatz finden konnten. Das Langzeitpraktikum bietet ihnen die Chance, einen Einstieg in die Praxis zu finden und sich dort auch zu bewähren.“

Eine Einstiegsqualifikation kann jedoch auch für Unternehmen eine „Brücke in die Ausbildung“ sein, ist Schüßler überzeugt: „Brücken kann man in der Regel in beide Richtungen beschreiten. So ist das auch hier. Andere sprechen vielleicht von einer Win-Win-Situation. Gerade dann, wenn man sich als Unternehmen nicht sicher ist, ob man in die Ausbildung junger Menschen investieren möchte, bietet die Einstiegsqualifikation eben auch für Unternehmen einen, vielleicht sogar den ersten Einstieg in die Berufsausbildung.“ Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber lernen durch die Einstiegsqualifizierung potenzielle Auszubildende kennen, beide Seiten lernen und gewinnen Praxis im Umgang miteinander und mit dem Ausbildungsverhältnis: „Das führt dann im besten Fall dazu, dass aus dem Langzeitpraktikum ein amtliches Ausbildungsverhältnis wird.“

Die Agenturen für Arbeit und Jobcenter fördern das Langzeitpraktikum durch einen Zuschuss zur Praktikumsvergütung und eine Pauschale für die Beiträge zur Sozialversicherung. Die Zeit des Praktikums, maximal ein Jahr, kann auf eine anschließende Ausbildung angerechnet werden.

Zahl der Bewerberinnen und Bewerber bleibt stabil. Aber mehr unversorgte Jugendliche als vor einem Jahr

Während die Zahl der Ausbildungsangebote rückläufig ist, blieb die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber 2026 stabil, sagte Schüßler: „Wobei wir feststellen, dass sich viele Jugendliche schon sehr früh gemeldet haben. Zur Halbjahresbilanz im März sah es noch nach einem guten Plus bei den Bewerberinnen und Bewerbern aus, seitdem sind aber viel weniger dazugekommen, als vergleichsweise in den vorhergehenden Jahren. Anders gesagt: Die Jugendlichen melden sich frühzeitiger bei den Agenturen für Arbeit, weil für sie die berufliche Ausbildung sehr attraktiv ist, vielleicht sogar im Vergleich zu früher deutlich an Attraktivität gewonnen hat. Man kann viele Einflussfaktoren für diese neue Haltung nennen. Einer ist aber sicherlich auch, dass alle Akteure am Ausbildungsmarkt sich seit Jahren erfolgreich für die Berufsausbildung stark gemacht haben.“

Insgesamt haben sich bis Ende Juli 101.774 Bewerberinnen und Bewerber auf Ausbildungsstellen bei den Agenturen für Arbeit in NRW gemeldet. Das waren 362 junge Menschen oder 0,4 Prozent mehr, als vor einem Jahr. Von diesen suchten noch 47.055 Bewerberinnen und Bewerber einen Ausbildungsplatz. 3.326 mehr als im Vorjahr. Auch hier muss man noch einmal unterscheiden: 12.163 junge Frauen und Männer hatten bereits einen Plan B in der Tasche, falls sich Plan A, die Berufsausbildung nicht realisieren lässt. Das waren 9,6 Prozent oder 1.070 Jugendliche mehr als vor einem Jahr. Aber auch die Zahl derjenigen ist gestiegen, die noch keinen Plan B haben und daher als „unversorgt“ gelten. Im Juli waren das 34.892 junge Frauen und Männer – 2.256 Personen oder 6,9 Prozent mehr als im Vorjahr.

Branchen: Die meisten unbesetzten Stellen in Industrie und Handel

Beim Blick auf die Branchen zeigt sich, dass es im Juli die meisten freien Ausbildungsstellen noch im Handel und dem verarbeitenden Gewerbe, also der Industrie gab. 8.967 freie Ausbildungsstellen meldeten Unternehmen aus dem Bereich des Handels – wobei der Blick auf eine Branche eine Vielzahl von Berufen umfasst. Im Handel reicht die Spanne der angebotenen Berufe vom Verkauf über die Lagerlogistik bis hin ins Büro. Dazu passt, dass der Handel im Juli die meisten offenen Ausbildungsstellen noch im Beruf Kaufmann/-frau im Einzelhandel (3.750 offene Stellen) anbot, gefolgt von der Ausbildung zu Verkäuferinnen und Verkäufern (2.929 offene Stellen). Mit 7.330 freien Ausbildungsplätzen folgten Industriebetriebe auf Platz zwei. Die meisten freien Ausbildungsstellen gab es hier im Juli mit 736 für den Beruf der/des Industriekaufmanns/-frau, gefolgt von der Ausbildung zur/zum Industriemechaniker/in mit 655 offenen Stellen. Ein Beruf, der häufig in Handel und Industrie ausgebildet wird, ist der zum/zur Lagerlogistiker/-in mit 1.142 freien Stellen

Auch im Baugewerbe waren noch 3.874 Ausbildungsplätze unbesetzt. Ein großer Teil des Handwerks zählt hier dazu. Dazu passt es, dass es die Ausbildung im Beruf des/der Elektroniker/in Energie und Gebäudetechnik mit 659 offenen Stellen in die Top Ten der freien Ausbildungsstellen geschafft hat. Im Gesundheits- und Sozialwesen gab es noch 2.004 unbesetzte Ausbildungsstellen. Zwei Berufe dominieren hier: Die Zahnmedizinischen Fachangestellten mit aktuell 968 freien Ausbildungsstellen sowie die Ausbildung für Medizinische Fachangestellte mit noch 858 Stellen.

Informationen und Grafiken im Anhang zur Presseinformation zu den Themen:

  • Entwicklung Ausbildungsstellen seit 2019
  • Entwicklung unbesetzte Ausbildungsstellen
  • Alter und Schulabschluss der Bewerberinnen und Bewerber

Weiterführende Informationen im Internet

Ausbildungsreport NRW: ausführlicher statistischer Bericht und weitere Grafiken zum Ausbildungsmarkt.

Praktikumssuche der Bundesagentur für Arbeit in Nordrhein-Westfalen