Schwache Entwicklung während der Sommerferien

In Nordrhein-Westfalen hat sich der Arbeitsmarkt während der Sommerferien schwächer entwickelt als erwartet. Im August waren 808.970 Frauen und Männer arbeitslos gemeldet. Das waren 15.815 Personen oder 2,0 Prozent mehr als im Vormonat. Damit nahm die Arbeitslosigkeit wie schon im vergangenen Jahr im August auf über 800.000 Menschen zu. Zudem lag die Arbeitslosigkeit auch leicht über der des Vorjahres, um 0,6 Prozent oder 5.155 Frauen und Männern. Die Arbeitslosenquote stieg um 0,1 Prozentpunkte auf 8,0 Prozent - wie im Jahr zuvor.

28.08.2026 | Presseinfo Nr. 19

„Die Arbeitslosigkeit ist im vergangenen Monat stärker gestiegen, als wir es aufgrund der vorhergehenden Monate erwarten konnten“, sagte Dirk Strangfeld, Geschäftsführer der Regionaldirektion NRW der Bundesagentur für Arbeit. „Die Gründe für den Anstieg im August sind saisonaler wie auch konjunktureller Natur, beide zusammen führen wie schon vor einem Jahr dazu, dass während der Sommerferien die Arbeitslosigkeit in NRW auf über 800.000 Personen gestiegen ist.“

„Wir haben in diesem Jahr immer wieder betont, dass wir zwar eine Aufhellung am Arbeitsmarkt erkennen können, aber noch keine echte Trendwende sehen. Das hat sich im August leider bestätigt, da sich wieder mehr Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer arbeitslos melden mussten als in den Vormonaten – im Vergleich zum Juli fast 4.300 mehr“, sagte Strangfeld. Hinzu komme, dass das „Ausgangsniveau in der Arbeitslosigkeit in NRW nach wie vor hoch ist, nach vier Jahren, in denen die Wirtschaft unablässig unter Druck steht.“ Zwar stagnierte zuletzt die Zahl der Arbeitslosen, „wir konnten sogar einen leichten Rückgang beobachten. Doch im August ist diese Entwicklung erst einmal zu einem Ende gekommen.“

Eine positive Nachricht sieht Strangfeld trotzdem: „Die Zahl der Neueinstellungen ist stabil auf dem Niveau der Vormonate geblieben, obwohl aufgrund der Sommerpause in den Unternehmen durchaus mit einem Rückgang zu rechnen gewesen wäre. Im August wurden zudem fast 30.000 neue Stellen gemeldet, mehr als im Durchschnitt der Vormonate. Das passt zu Aussagen aus der Wirtschaft, dass die Auftragsbücher wieder etwas voller sind.“

Zu den jahreszeitlich üblichen Einflüssen gehört das Ende der beruflichen Ausbildungen, sagte Strangfeld weiter: „Viele berufliche Ausbildungsgänge enden in den Monaten Juni bis August. Das ist einer der typischen saisonalen Faktoren. Dazu gehört auch, dass viele dieser jungen, frisch ausgebildeten Menschen relativ schnell ihre erste Anstellung als Fachkraft finden werden. Ein weiterer Faktor ist das Ende der arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen wie zum Beispiel Umschulungen oder andere Qualifizierungsprogramme. In diesem Monat waren es fast 8.000 Frauen und Männer, die nach dem Ende ihrer Ausbildungsmaßnahmen erst einmal wieder arbeitslos geworden sind.“

Für die kommenden Monate geht Strangfeld davon aus, dass die Arbeitslosigkeit wieder sinkt: „Jetzt beginnt die Zeit der Herbstbelebung. Wann wir in NRW wieder unter die Zahl von 800.000 arbeitslos gemeldeten Menschen kommen, hängt davon ab, wie die Wirtschaft im Spätsommer und Herbst in Fahrt kommt. Viele der hemmenden Faktoren bestehen nach wie vor, angefangen bei den weltpolitischen Entwicklungen. Vor diesem Hintergrund sind Prognosen kaum möglich.“

Zum NRW-Ausbildungsmarkt findet heute (28. August) in Düsseldorf eine gemeinsame Pressekonferenz von IHK NRW, dem Westdeutschen Handwerkskammertag, dem Verband Freier Berufe NRW sowie der Regionaldirektion NRW der Bundesagentur für Arbeit statt.

Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung

Im August waren in Nordrhein-Westfalen 808.970 Menschen arbeitslos gemeldet. Die Arbeitslosenquote legte um 0,1 Prozentpunkte auf 8,0 Prozent zu. Vor einem Jahr lag die Quote ebenfalls bei 8,0 Prozent.

Im August nahm die Zahl der arbeitslosen jungen Menschen unter 25 Jahren im dritten Monat in Folge zu. 5.795 junge Frauen und Männer oder 7,8 Prozent waren mehr als vor einem Monat arbeitslos gemeldet. Insgesamt waren 79.821 junge Menschen arbeitslos gemeldet, 4.152 Personen oder 5,5 Prozent mehr als vor einem Jahr. Von diesen hatten 59.306 Personen oder 74,3 Prozent keine abgeschlossene Berufsausbildung. 17.127 arbeitslose jungen Frauen und Männer oder 21,5 Prozent der jungen Arbeitslosen können eine solche vorweisen. Im Mai, einen Monat vor dem Ende der dualen Ausbildungsgänge, waren es 6.135 Personen mit einer Berufsausbildung weniger. Schon nach einer kurzen Übergangsarbeitslosigkeit werden viele eine Arbeit als Fachkraft antreten können. Das zeigt, dass eine abgeschlossene Berufsausbildung ein guter Start in ein erfolgreiches Berufsleben und ein guter Schutz vor Arbeitslosigkeit ist.

Im August meldeten sich mit 54.464 Frauen und Männer nach dem Ende einer Erwerbstätigkeit arbeitslos. Das waren 4.263 Personen oder 8,5 Prozent mehr als einen Monat zuvor. Vor einem Jahr mussten sich 6.033 Personen oder 12,5 Prozent weniger aus einer Erwerbstätigkeit arbeitslos melden. Beenden konnten ihre Arbeitslosigkeit mit der Aufnahme einer Erwerbstätigkeit 39.783 Frauen und Männern. Das waren 280 Personen weniger als im vorhergehenden Monat, im Vergleich zum Vorjahr jedoch 3,4 Prozent oder 1.318 Personen mehr.

Gesunken ist im Vergleich zum Vorjahr die Unterbeschäftigung. 961.673 Menschen galten als unterbeschäftigt, das waren 3.457 Personen oder 0,4 Prozent weniger als vor zwölf Monaten. Im Vergleich zum Vormonat stieg die Unterbeschäftigung leicht um 5.988 Personen oder 0,6 Prozent. Die Unterbeschäftigung fasst die Gesamtzahl aller Menschen zusammen, die im System der Arbeitsvermittlung entweder als arbeitslos gemeldet sind oder als Teilnehmerinnen und Teilnehmer an arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen vorübergehend nicht als arbeitslos gelten. Auch Kundinnen und Kunden der Arbeitsagenturen und Jobcenter, die kurzfristig arbeitsunfähig sind oder beispielsweise mit einem Gründungszuschuss versuchen, eine Selbständigkeit zu etablieren, gelten nicht als arbeitslos.

Leichter Anstieg bei neu gemeldeten offenen Stellen

Im August war die Zahl der neu gemeldeten offenen Stellen etwas größer als in den Vormonaten. 29.212 neue Stellen wurden gemeldet, 2.712 oder 10,2 Prozent mehr als vor einem Monat und 5.136 oder 21,3 Prozent mehr als vor einem Jahr. Insgesamt waren bei den Agenturen für Arbeit 161.196 offene Stellen gemeldet, 34.529 oder 27,3 Prozent mehr als im Vorjahr.

Auch im August blieb die Nachfrage nach Fachkräften eine Konstante am Stellenmarkt. Für Menschen ohne eine aktuelle berufliche Qualifikation wurden im August 24.791 offene Stellen angeboten, für Fachkräfte mit dualer Ausbildung hingegen 101.105.

Zwar ist auch für Fachkräfte die Arbeitsmarktlage herausfordernder geworden. Doch sind sie seltener arbeitslos als Menschen ohne Qualifikation und haben auch bessere Chancen, zurück in Arbeit zu kommen. Im August waren in den Agenturen für Arbeit und den Jobcentern 224.510 Fachkräfte mit dualer Berufsausbildung gemeldet. Gleichzeitig suchten 438.432 Frauen und Männer ohne formale Qualifikation eine Arbeit. Auf 100 offene Fachkraftstellen kamen damit im August 222 Arbeitslose mit einer Berufsausbildung. Im Bereich einfacher Helfertätigkeiten war die Konkurrenz deutlich höher: Hier bewarben sich rechnerisch rund 1.769 Personen auf 100 offene Stellen.

In der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung gab es im Juni, dem aktuellen Datenstand für die Hochrechnung, eine geringfügige Abnahme um 7.300 Personen auf nun 7.348.400 sozialversicherungspflichtig beschäftigte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Das waren 1.800 Personen weniger als vor einem Jahr.

Der Arbeitsmarkt in den NRW-Regionen

In allen sechs NRW-Arbeitsmarktregionen stieg im August die Arbeitslosigkeit:

Im Bergischen Land stieg im Vergleich zum Vormonat die Zahl der Arbeitslosen um 1.316 Frauen und Männer oder 1,7 Prozent auf 79.130 arbeitslos gemeldete Menschen. Um 1,8 Prozent legte die Arbeitslosigkeit im Ruhrgebiet zu. 4.877 Personen waren hier mehr arbeitslos als im Vormonat, insgesamt waren das 273.045 arbeitslose Menschen. In Südwestfalen waren 935 Menschen oder 1,8 Prozent mehr arbeitslos gemeldet. Im August lag hier die Arbeitslosigkeit bei 51.627 Personen. In Ostwestfalen Lippe waren 77.162 Menschen arbeitslos gemeldet, 1.540 Personen oder 2,0 Prozent mehr als im Monat vorher. Im Rheinland stieg die Zahl der Arbeitslosen um 5.413 Personen oder ebenfalls 2,0 Prozent auf jetzt 278.429 Frauen und Männer. Im Münsterland nahm die Arbeitslosigkeit um 3,6 Prozent zu. 1.734 Menschen waren hier mehr als im Vormonat arbeitslos gemeldet, insgesamt waren es im August 49.577 Personen.

Mit 5,1 Prozent lag die Arbeitslosenquote im August im Münsterland am niedrigsten. Im Bergischen Land lag sie mit 7,9 Prozent knapp um 0,1 Punkte unter dem NRW-Durchschnitt von 8,0 Prozent, im Ruhrgebiet stieg die Arbeitslosenquote um 0,2 Punkte auf nun 10,8 Prozent.

Weitere Informationen:

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