„Ein geringfügiger Rückgang der Arbeitslosigkeit im Februar kommt zwar immer wieder vor, doch in diesem Jahr war aufgrund des weiterhin schwierigen wirtschaftlichen Umfeldes nicht damit zu rechnen“, sagte Roland Schüßler, Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion NRW der Bundesagentur für Arbeit. „Im langjährigen Durchschnitt legt die Arbeitslosigkeit zum Ende des Winters um rund 1.000 Arbeitslose mit Ausschlägen nach oben oder unten zu. Wir hatten deshalb damit rechnen können, dass NRW im Februar die Grenze von 800.000 Arbeitslosen überschreitet. Dass es nun nicht so weit gekommen ist, ist eine gute Nachricht. Andererseits ist die Zahl der Arbeitslosen im Vergleich zum Vorjahr weiter gestiegen, wenn auch nur leicht. Damit bleibt das Grundniveau der Arbeitslosigkeit weiter hoch. Das bedeutet aber auch, dass aktuell noch kein Signal für eine stabile Erholung am NRW- Arbeitsmarkt erkennbar ist.“
Für die kommenden Monate rechnet Schüßler mit einem Rückgang der Arbeitslosigkeit. „Vor zwei Jahren, als sich die schwierige wirtschaftliche Lage zunehmend am Arbeitsmarkt auswirkte, hatte der Arbeitsmarkt auch sein typisches saisonales Schema verlassen, also Rückgang der Arbeitslosigkeit im Frühling und Herbst, Zunahme im Winter und Sommer. Dahin sind wir zurückgekehrt.“ So stieg im Februar die Arbeitslosigkeit nur in der Personengruppe der unter 25Jährigen. „Das betrifft vor allem junge Menschen, die jetzt ihre dreieinhalbjährigen Ausbildung - zum Beispiel zur Mechatronikerin oder zum Mechatroniker – abgeschlossen haben. Viele junge Absolventen melden sich für eine Übergangszeit arbeitslos. Da wir um den hohen Fachkräftebedarf in der Wirtschaft wissen, gehen wir davon aus, dass es nicht lange dauert, bis diese frisch ausgebildeten jungen Menschen ihre erste Anstellung als Fachkraft finden. Das ist ein Grund, warum die Arbeitslosigkeit in den kommenden Monaten schrittweise zurückgehen wird.“
Vier Jahre Krieg in der Ukraine - Integration macht gute Fortschritte
Eine positive Nachricht gibt es von der Integration ukrainischer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in den Arbeitsmarkt. „Die Integration der aus der Ukraine geflüchteten Menschen macht große Fortschritte. In NRW haben wir seit Beginn des russischen Angriffskriegs und der darauf folgenden Flucht ukrainischer Menschen vor den Auswirkungen des Krieges im Februar 2022 rund 52.000 sozialversicherungspflichtige Beschäftigte aus der Ukraine dazugewinnen können. Das ist eine für sich allein genommen schon beeindruckende Zahl. Wenn wir gleichzeitig sehen, dass im selben Zeitraum die Beschäftigung in NRW um etwas über 200.000 Frauen und Männer zugenommen hat, dann kommt rechnerisch also jede vierte neue Arbeitskraft in NRW aus der Ukraine. Das zeigt gut, welche Bedeutung diese Menschen mittlerweile für die Wirtschaft in NRW haben.“
Schüßler hob hervor, dass Integration Zeit brauche. Daher seien die größten Fortschritte nach einer kurzen Verzögerung in den Jahren 2024 und 2025 gemacht worden: „Integration braucht Zeit. Vor allem der Spracherwerb, aber auch fehlendes Wissen über das Aufnahmeland und fehlende Netzwerke erschweren den Zugang zum Arbeitsmarkt am Anfang erheblich. Integration ist daher immer ein Langstreckenlauf.“ Wer die Geduld aufbringt, wird dafür auch belohnt: „NRW hat nicht nur mittlerweile mit Abstand von allen Bundesländern die meisten Ukrainerinnen und Ukrainer in den Arbeitsmarkt integriert. Es gibt darüber hinaus auch Arbeitsmarktregionen in NRW, in denen heute schon, ohne die Integrationsbemühungen der Menschen aus der Ukraine, die Zahl der Erwerbspersonen vor Ort gesunken wäre.“
Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung
Im Februar waren in Nordrhein-Westfalen 796.582 Menschen arbeitslos gemeldet. Die Arbeitslosenquote sank um 0,1 Prozentpunkte auf 7,9 Prozent. Vor einem Jahr lag die Quote bei ebenfalls 7,9 Prozent.
Die stärkste Bewegung am Arbeitsmarkt gab es im Februar bei den jungen Menschen unter 25 Jahren. Hier stieg die Arbeitslosigkeit um 4,2 Prozent oder um 2.832 Personen auf 70.784 junge Männer und Frauen. Das waren 1.837 Personen oder 2,7 Prozent mehr als vor einem Jahr. Maßgeblicher Grund ist das Ende der dreieinhalbjährigen Ausbildung zum Jahreswechsel. Viele junge Absolventen melden sich vorübergehend für eine Übergangszeit bei den Arbeitsagenturen arbeitslos.
Die Unterbeschäftigung sank im Vergleich zum Vorjahr um 1,6 Prozent oder 15.327 Personen auf 964.777. unterbeschäftigte Menschen. Im Vergleich zum Vormonat stieg ihre Zahl um 2.262 Personen oder 0,2 Prozent. Die Unterbeschäftigung fasst die Gesamtzahl aller Menschen zusammen, die arbeitslos sind plus die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen, die nicht als arbeitslos gelten. Auch Kundinnen und Kunden, die kurzfristig arbeitsunfähig sind oder beispielsweise mit einem Gründungszuschuss versuchen, eine Selbständigkeit zu etablieren, gelten nicht als arbeitslos.
Nachfrage nach Fachkräften dominiert Arbeitsmarkt
Weiterhin dominiert am Stellenmarkt die Nachfrage nach Fachkräften. Im Februar waren in NRW 155.456 offene Stellen gemeldet. Davon waren 98.375 stellen oder 63,3 Prozent ausgeschrieben für Fachkräfte mit einer dualen Berufsausbildung. Deutlich geringer, mit nur 23.203 offenen Stellen, fiel das Angebot für Menschen ohne eine abgeschlossene berufliche Qualifikation aus. Das waren 14,9 Prozent aller gemeldeten Stellen.
Demgegenüber waren in den Agenturen für Arbeit und den Jobcentern 221.480 Fachkräfte mit dualer Berufsausbildung gemeldet – 7.565 Personen oder 3,5 Prozent mehr als vor einem Jahr. Gleichzeitig waren 438.812 Frauen und Männer ohne formale Qualifikation arbeitslos. Das waren 4.388 Personen oder 1,0 Prozent weniger als vor einem Jahr. Zwar ist auch für Fachkräfte die Arbeitsmarktlage schwieriger geworden. Dennoch sind sie seltener arbeitslos als Menschen ohne Qualifikation und haben auch bessere Chancen, zurück in Arbeit zu kommen. Das zeigt auch die einfache Gegenüberstellung von Stellen und Bewerberinnen und Bewerber: Auf 100 offene Fachkraftstellen kamen damit im Januar 225 Arbeitslose mit einer Berufsausbildung. Im Bereich einfacher Helfertätigkeiten war die Konkurrenz deutlich höher: Hier bewarben sich rund 1.891 Menschen auf 100 offene Stellen.
Die Zahl sozialversicherungspflichtig beschäftigter Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer lag im Dezember (aktueller Datenstand) mit 7.393.600 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer um 2.200 Personen über dem Vorjahr. Im Vergleich zum Vormonat entspricht das einem saisonüblichen Rückgang um 35.400 Personen oder 0,5 Prozent.
Der Arbeitsmarkt in den NRW-Regionen
In fünf von sechs NRW-Arbeitsmarktregionen ist im Februar die Zahl der arbeitslos gemeldeten Menschen gesunken. In Ostwestfalen-Lippe stieg sie um 0,4 Prozent oder 267 Personen auf 76.162 Arbeitslose. Den stärksten Rückgang gab es im Münsterland - um 0,4 Prozent 215 auf nun 48.808 arbeitslos gemeldete Personen. Im Rheinland sank die Arbeitslosigkeit um 0,3 Prozent oder 717 Personen auf 274.577 Arbeitslose, im Ruhrgebiet um 0,2 Prozent oder 598 Personen auf 267.283 Arbeitslose. Die Arbeitslosenquote lag im Februar mit 5,0 Prozent im Münsterland am niedrigsten. Im Bergischen Land lag sie mit 7,9 Prozent auf dem NRW-Durchschnitt von 7,9 Prozent. Mit 10,6 Prozent lag die Arbeitslosenquote im Ruhrgebiet am höchsten.
Weitere Informationen:
Weitere Zahlen, Daten und Fakten zum NRW-Arbeitsmarkt lesen Sie hier