Am heutigen Dienstag wird auch die Halbjahresbilanz am Ausbildungsmarkt vorgestellt.
„Obwohl das konjunkturelle Umfeld für Wirtschaft und Arbeitsmarkt in NRW nach wie vor sehr schwierig ist, hat sich der Arbeitsmarkt im März besser als in den vergangenen drei Jahren entwickelt“, sagte Roland Schüßler, Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion NRW der Bundesagentur für Arbeit. „Damit hat sich der Arbeitsmarkt im aktuellen Monat ohne große Abweichung so entwickelt, wie es aufgrund des langjährigen Vergleichs zu erwarten war. Das war in den vergangenen Jahren nicht so. Doch um von einer dauerhaften Trendwende zu sprechen, ist es, auch mit Blick auf die derzeit unvorhersehbare Entwicklung in der Weltwirtschaft, deutlich zu früh. Allerdings gibt es Anzeichen für eine leichte Entspannung, die wir nach drei Jahren steigender Arbeitslosigkeit auch sehr gut gebrauchen können. So ist wieder etwas mehr Bewegung in den Arbeitsmarkt gekommen, wenn auch weiterhin auf einem niedrigen Niveau.“
Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber haben in diesem Monat mehr offene Arbeitsstellen gemeldet als im Vergleich zum Vorjahr, sagte Schüßler weiter. „Für uns ist der Vergleich zum Vorjahr relevant. Da sehen wir neben einem leichten Anstieg bei der Nachfrage nach Arbeitskräften, dass fast fünf Prozent mehr Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer eine neue Arbeit finden konnten als vor einem Jahr. Auch der Blick auf die Jahre davor ist eindeutig: Seit 2023 erlebten viele arbeitslose Menschen den Arbeitsmarkt durchgehend wie eingefroren. Da ist in diesem Jahr mit dem Start in die Frühjahrsbelebung etwas mehr Bewegung reingekommen.“ Zum Start des Frühjahres sank die Arbeitslosigkeit auch leicht saisonbereinigt.
„Ein ermutigendes Signal“ sieht Schüßler in einigen Arbeitsmarktregionen in NRW: „Seit 2022 ist die Arbeitslosigkeit landesweit kontinuierlich gestiegen. Nicht in großen Sprüngen, immer nur in kleinen Schritten. Aber die Entwicklung ging überall in die falsche Richtung. Auch in diesem Monat ist die Arbeitslosigkeit auf Landesebene im Vergleich zum Vorjahr wieder gestiegen. Jedoch nur noch geringfügig, um 0,3 Prozent. Was hat sich verändert? In 26 der 53 Kommunen und kreisfreien Städte von NRW ist die Arbeitslosigkeit real gesunken. Also fast in der Hälfte. So zum Beispiel in Höxter im Vergleich zum Vorjahr um 8,9 Prozent, in Coesfeld um 8,0 Prozent oder in Kleve um 6,1 Prozent. Das ist eine positive Nachricht. Andererseits dürfen wir uns von diesen hohen Werten nicht täuschen lassen. Es gibt auch Kommunen, wo es nur 0,1 oder 0,2 Prozent sind und die Entwicklung auch schnell wieder in die entgegengesetzte Richtung umschlagen kann.“ Zudem stieg in manchen kreisfreien Städten und Landkreisen die Arbeitslosigkeit auch im März erneut und um mehrere Prozent.
„Wenn wir das zusammennehmen und ein griffiges Bild formulieren möchten, können wir sagen, dass Wirtschaft und Arbeitsmarkt zum Start des Frühjahrs vom ersten in den zweiten Gang geschaltet haben. Das war in vielen Fällen auch wegen weiterer Faktoren wie der demografischen Wende notwendig, weil einfach Stellen nachbesetzt werden mussten. Doch spüren unsere Kolleginnen und Kollegen in den Arbeitsagenturen auch noch jeden Tag das Zögern der Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern, einen weiteren Gang am Arbeitsmarkt höher zu schalten.“
Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung
In Nordrhein-Westfalen waren im März 789.840 Menschen arbeitslos gemeldet. Das waren 6.742 Personen oder 0,8 Prozent weniger als vor einem Monat. Vor einem Jahr lag die Arbeitlosigkeit um 2.324 Personen oder 0,3 Prozent niederiger. Die Arbeitslosenquote blieb bei 7,9 Prozent. Vor einem Jahr lag die Quote ebenfalls bei 7,9 Prozent.
Bei jungen Menschen unter 25 Jahren gab es im März die meiste Bewegung am Arbeitsmarkt. Hier sank die Arbeitslosigkeit um 1,9 Prozent oder um 1.354 Personen auf 69.430 junge Männer und Frauen. Vor einem Jahr lag die Jugendarbeitslosigkeit um 2,2 Prozent oder 1.520 Personen niedriger. Junge Menschen profitieren in der Regel stärker vom Start der Frühjahrsbelebung, da sie häufig gute Qualifikationen mitbringen, die am Arbeitsmarkt besonders gefragt sind.
Die Unterbeschäftigung sank im Vergleich zum Vorjahr um 1,5 Prozent oder 14.993 Personen auf 959.930 unterbeschäftigte Frauen und Männer. Im Vergleich zum Vormonat sank ihre Zahl um 6.900 Personen oder 0,7 Prozent. Die Unterbeschäftigung fasst die Gesamtzahl aller Menschen zusammen, die entweder arbeitslos gemeldet sind oder Teilnehmerinnen und Teilnehmer an arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen. Letztere werden nicht als arbeitslos gezählt. Auch Kundinnen und Kunden von Arbeitsagenturen und Jobcentern, die kurzfristig arbeitsunfähig sind oder beispielsweise mit einem Gründungszuschuss versuchen, eine Selbständigkeit zu etablieren, gelten nicht als arbeitslos.
Nachfrage nach Fachkräften dominiert Arbeitsmarkt
Weiterhin dominiert am Stellenmarkt die Nachfrage nach Fachkräften. Im März waren in NRW 156.430 offene Stellen gemeldet. Davon waren 98.958 Stellen oder 63,3 Prozent ausgeschrieben für Fachkräfte mit einer dualen Berufsausbildung. Deutlich geringer, mit nur 22.829 offenen Stellen, fiel das Angebot für Menschen ohne eine abgeschlossene berufliche Qualifikation aus. Das waren 14,6 Prozent aller gemeldeten Stellen.
Demgegenüber waren in den Agenturen für Arbeit und den Jobcentern 218.612 Fachkräfte mit dualer Berufsausbildung gemeldet – 5.687 Personen oder 2,7 Prozent mehr als vor einem Jahr. Gleichzeitig waren 436.250 Frauen und Männer ohne formale Qualifikation arbeitslos. Das waren 8.132 Personen oder 1,8 Prozent weniger als vor einem Jahr. Zwar ist auch für Fachkräfte die Arbeitsmarktlage schwieriger geworden. Dennoch sind sie seltener arbeitslos als Menschen ohne Qualifikation und haben auch bessere Chancen, zurück in Arbeit zu kommen. Das zeigt auch die einfache Gegenüberstellung von Stellen und Bewerberinnen und Bewerber: Auf 100 offene Fachkraftstellen kamen damit im Januar 220 Arbeitslose mit einer Berufsausbildung. Im Bereich einfacher Helfertätigkeiten war die Konkurrenz deutlich höher: Hier bewarben sich rund 1.910 Menschen auf 100 offene Stellen.
Die Zahl sozialversicherungspflichtig beschäftigter Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer lag im Januar (aktueller Datenstand) mit 7.351.400 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer um 0,1 Prozent oder 5.800 Personen unter dem Vorjahr. Im Vergleich zum Vormonat entspricht das einem saisonüblichen Rückgang um 41.500 Personen oder 0,6 Prozent.
Der Arbeitsmarkt in den NRW-Regionen
In allen sechs NRW-Arbeitsmarktregionen ist im März die Zahl der arbeitslos gemeldeten Menschen gesunken. Den stärksten Rückgang gab es im Münsterland – um 1,8 Prozent oder 871 Personen auf nun 47.937 arbeitslos gemeldete Personen. Die Arbeitslosenquote sank um 0,1 Punkte auf 4,9 Prozent. In Ostwestfalen-Lippe sank die Zahl arbeitslos gemeldeter Menschen um 1,3 Prozent oder 974 Personen auf 75.188 Arbeitslose. Die Quote lag wie im Vormonat bei 6,5 Prozent. Das Bergische Land verbuchte einen Rückgang der Arbeitslosigkeit um 1,3 Prozent oder 1.037 Personen auf 77.697 Personen. Die Quote sank um 0,1 Punkte auf 7,8 Prozent. Im Ruhrgebiet waren 0,8 Prozent oder 2.132 Personen weniger arbeitslos gemeldet als im Vormonat. Bei 265.151 Arbeitslose sank die Quote im März um 0,1 Punkte auf 10,5 Prozent. Im Rheinland sank die Arbeitslosigkeit um 0,5 Prozent oder 1.461 Personen auf 273.116 Arbeitslose, die Quote lag wie im Vormonat bei 7,6 Prozent. In Südwestfalen sank die Zahl der Arbeitslosen um 267 Personen oder 0,5 Prozent auf 50.751 Personen. Die Quote blieb bei 6,5 Prozent.
In zwei Arbeitsmarktregionen sank die Zahl der arbeitslos gemeldeten Menschen auch im Vergleich zum Vorjahr: Im Münsterland lag die Zahl der Arbeitslosen im März um 3,0 Prozent oder 1.461 Personen unter dem Vorjahreswert. Im Rheinland sank die Zahl der Arbeitslosen geringfügig um zehn Personen.
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