„Klar ist aber, dass das an der Grundaussage nichts ändern wird. Die Zahl der bei den Arbeitsagenturen gemeldeten Ausbildungsstellen ist seit der Corona-Pandemie im vierten Jahr in Folge rückläufig. Damit ist die Halbjahresbilanz am Ausbildungsmarkt weiterhin deutlich von der ungünstigen wirtschaftlichen und politischen Weltlage geprägt“, sagte Roland Schüßler, Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion NRW der Bundesagentur für Arbeit. „Bei vielen Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern führt der Blick in Zeitungen und Auftragsbücher dazu, dass sie die Entscheidung zur Ausbildung von Fachkräften erst einmal aufschieben. Das ist nachvollziehbar, birgt allerdings die Gefahr, dass am Ende zu wenig ausgebildet wird. Fachkräfte sind jetzt schon knapp. Jeder Ausbildungsvertrag, der in diesem Jahr nicht abgeschlossen wird, bedeutet in drei bis vier Jahren, wenn die demografische Wende ihren ersten Höhepunkt erleben wird, eine Nachwuchsfachkraft weniger.“
Vor diesem Hintergrund bewertet Schüßler das weiterhin wachsende Interesse junger Menschen an einer dualen Berufsausbildung positiv: „Obwohl die Zahl der Schulabgängerinnen und Schulabgänger in NRW rückläufig ist und obwohl in diesem Sommer zusätzlich fast ein kompletter gymnasialer Abiturjahrgang ausfällt, steigt im dritten Jahr in Folge die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber am Ausbildungsmarkt. Das ist die positive Nachricht zur Halbzeitbilanz am Ausbildungsmarkt: Die Ausbildung ist attraktiv, viele Schulabgängerinnen und Schulabgänger sind überzeugt, dass ihnen mit einer abgeschlossenen Ausbildung als Fachkraft ein erfolgreicher Start in ihr Berufs- und Erwachsenenleben gelingen wird. Das ist auch ein Erfolg für alle Partner am Ausbildungsmarkt, die seit Jahren gemeinsam mit Blick auf die Fachkräftesicherung mit viel Engagement für die Berufsausbildung geworben haben.“
Einstiegsqualifikation: Mit dem Langzeitpraktikum in die Ausbildung
In einer wirtschaftlich schwierigen Zeit sieht Schüßler die Einstiegsqualifikation, ein sozialversicherungspflichtiges Langzeitpraktikum, als geeignete Brücke in die Ausbildung: „Arbeitgeberin oder Arbeitgeber lernen durch die Einstiegsqualifizierung potenzielle Auszubildende kennen. Die Agenturen für Arbeit und Jobcenter fördern sie durch einen Zuschuss zur Praktikumsvergütung und eine Pauschale für die Beiträge zur Sozialversicherung. Die Zeit des Praktikums, maximal ein Jahr, kann auf eine anschließende Ausbildung angerechnet werden. Ich würde mich sehr freuen, wenn viele Unternehmen diese Chance ergreifen und Jugendliche über ein solches Praktikum schon einmal an die Ausbildung heranführen. Mit der wirtschaftlichen Entspannung kann die Ausbildung des Fachkräftenachwuchses dann sofort beginnen.“ Zudem, sagt Schüßler weiter, „zeigt die Erfahrung, dass die jungen Menschen überzeugen und Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber diese Chance ergreifen und frühzeitig das Praktikum in eine Ausbildung umwandeln. Dafür muss aber erst einmal der erste Schritt gemacht werden.“
Revision der Statistik am Ausbildungsstellenmarkt
Im März waren bei den Agenturen für Arbeit 80.841 Jugendliche gemeldet, die eine Ausbildung beginnen wollen. Das waren 890 oder 1,1 Prozent mehr als vor einem Jahr.
Bei den Agenturen für Arbeit wurden im März 74.182 gemeldete betriebliche Ausbildungsstellen gezählt. Das waren 10.735 Stellen oder 12,6 Prozent weniger gezählte Stellen als im Vorjahr. Die statistische Abbildung der gemeldeten Berufsausbildungsstellen ist seit April 2025 unvollständig. Die Auswirkungen konzentrieren sich auf das Berichtsjahr 2025/26. Hintergrund sind prozessuale Umstellungen. Die Bundesagentur für Arbeit überprüft und vereinfacht derzeit Prozesse, um Angebote für Arbeitgebende und Unternehmen zu verbessern und um bürokratischen Aufwand zu reduzieren. Dazu gehört, dass seit April 2025 Ausbildungsstellen auch ohne erfasste Ausbildungsberechtigung im Arbeitgeberservice aufgenommen werden, da diese von den Kammern geprüft wird. Zuvor doppelte sich die Prüfung der Ausbildungsberechtigungen. Durch die Abschaffung dieser doppelten Prüfung senken die Agenturen für Arbeit die bürokratischen Hürden für Unternehmen. Diese Verfahrensänderung muss noch in die statistische Erhebung integriert werden, das wird im Sommer 2026 abgeschlossen.
Im Februar 2026 (Daten für den Berichtsmonat März liegen noch nicht vor) lag die tatsächliche Anzahl der gemeldeten betrieblichen Ausbildungsstellen in NRW schätzungsweise um 5,8 Prozent höher. Die vollständige Zahl der bei den Arbeitsagenturen im März gemeldeten Ausbildungsstellen lässt sich grob schätzen. Demnach wurden bis Ende März bei den Agenturen für Arbeit in NRW rund 79.300 Ausbildungsstellen gemeldet. Das entspräche einem Minus zum Vorjahr von rund 6.500 Angeboten oder 7,6 Prozent.
Unbesetzt waren im März in NRW 47.928 Stellen, 6.299 oder 11,9 Prozent weniger als vor einem Jahr. Auch hier kommt es zur einer vorübergehenden Untererfassung. Doch lässt sich auch hier grob die Untererfassung schätzen. Demnach sind derzeit bei den Agenturen für Arbeit geschätzt rund 51.100 betriebliche Stellen gemeldet, die noch unbesetzt sind. Dem standen im März 59.071 Bewerberinnen und Bewerber gegenüber, die noch keinen Ausbildungsplatz gefunden haben. Von diesen hatten 9.492 eine Alternative, also einen Plan B in der Tasche, falls es mit dem Start in die Berufsausbildung nicht klappt.
Informationen und Grafiken im Anhang zur Presseinformation zu den Themen:
- Entwicklung Ausbildungsstellen seit 2019
- Entwicklung unbesetzte Ausbildungsstellen
- Alter und Schulabschluss der Bewerberinnen und Bewerber
Weiterführende Informationen im Internet
Ausbildungsreport NRW: ausführlicher statistischer Bericht und weitere Grafiken zum Ausbildungsmarkt.