Eine aktuelle Statistik der Bundesagentur für Arbeit zeigt, wie viele Betriebe tatsächlich internationale Arbeitskräfte beschäftigen. Fazit: In Sachsen ist es jeder vierte Betrieb. Insgesamt arbeiten die 151.000 ausländischen Staatsbürger in 25.800 Betrieben – Tendenz steigend. Der Freistaat holt damit im Bundesvergleich auf. Das Wachstum fällt stärker aus als im Durchschnitt, auch weil das Ausgangsniveau niedriger war.
Konjunktur bremst – Trends treiben: Trotz der aktuell angespannten wirtschaftlichen Lage und einer zurückhaltenden Einstellungsbereitschaft der sächsischen Wirtschaft bleibt der demografische Wandel die zentrale Herausforderung für den sächsischen Arbeitsmarkt. In den kommenden Jahren werden deutlich mehr Menschen in den Ruhestand gehen als nachrücken. Bedeutet: In den kommenden fünf Jahren kann jeder Dritte der rund 180.000 Altersabgänge wegen fehlendem Nachwuchs nicht nachbesetzt werden. Zuwanderung und die Integration von ausländischen Menschen sind daher ein wichtiger Teil der Lösung.
„Der sächsische Arbeitsmarkt ist angesichts der demografischen Entwicklung auf Zuwanderung angewiesen. Umso erfreulicher ist es, dass immer mehr Betriebe ausländische Arbeitnehmer beschäftigen. Deren Anteil ist in den letzten Jahren auf 25 Prozent gestiegen. Diese fast 26.000 Arbeitgeber sind Chancengeber, sie bauen den Zusammenhalt innerhalb ihrer Belegschaft aus und sichern langfristig ihre dringend benötigten Arbeits- und Fachkräfte. Die neusten Auswertungen belegen, dass sächsische Betriebe bei der Beschäftigung ausländischer Arbeitskräfte auf einem guten Weg sind. Dennoch sehe ich Luft nach oben. Letztendlich ist entscheidend, dass ein Mitarbeiter für den Unternehmenserfolg und als wertvolles und gleichberechtigtes Mitglied einer Mannschaft arbeitet – unabhängig von der Herkunft, Hautfarbe, Religion oder Sprache“, sagte Klaus-Peter Hansen, Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion Sachsen der Bundesagentur für Arbeit.
Statistischer Überblick: Internationale Arbeitskräfte in sächsischen Betrieben
Jeder vierte Betrieb in Sachsen beschäftigt ausländische Arbeitskräfte
In Sachsen gab es vergangenes Jahr (Stand: Juni 2025) insgesamt 102.900 Betriebe mit mindestens einem sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. 25.800 (25 Prozent) dieser Betriebe beschäftigten insgesamt 151.000 ausländische Arbeitnehmer.
Immer mehr sächsische Betriebe setzen auf ausländische Fachkräfte
Seit 2015 hat sich die Zahl verdoppelt. Damals waren es nur 11.654 Betriebe, die ausländische Arbeitskräfte beschäftigten. Auch im 5-Jahresvergleich zeigt sich ein deutliches Wachstum. Im Jahr 2020 haben nur 19.300 Betriebe ausländische Staatsbürger beschäftigt. Damals lag deren Anteil noch bei 18 Prozent – also jeder 6. Betrieb.
Auffällig ist: Während im 5-Jahresvergleich die Gesamtzahl der Betriebe in Sachsen deutlich sinkt (minus 7.000 oder minus 7,4 Prozent), steigt die Zahl der Betriebe mit ausländischen Beschäftigten stark und kontinuierlich (plus 6.500 oder plus 34 Prozent). Das heißt: Das Wachstum ist keine kurzfristige Schwankung, sondern eine stabile Entwicklung über alle Jahre hinweg.
Unterschiede zwischen Ost und West
Bundesweit beschäftigen 4 von 10 Betrieben ausländische Arbeitnehmer. Auch in den wirtschaftsstarken und westdeutschen Bundesländern setzen Arbeitgeber auf Ausländer. In den ostdeutschen Ländern ist es jedoch nur jeder vierte Betrieb, der ausländische Staatsbürger beschäftigt.
Ranking: Anteil der Betriebe, mit mindestens einem ausländischen Beschäftigten (Juni 2025):
Deutschland 41 Prozent
Berlin 52 %
Baden-Württemberg 49
Hessen 49
Hamburg 48
Bremen 47
Nordrhein-Westfalen 44
Bayern 44
Saarland 42
Rheinland-Pfalz 42
Niedersachsen 36
Schleswig-Holstein 33
Brandenburg 28
Sachsen 25
Thüringen 23
Sachsen-Anhalt 23
Mecklenburg-Vorpommern 23 %
Die ostdeutschen Bundesländer verzeichnen insgesamt eine hohe Dynamik und steigende Anteile. Westdeutsche Länder hatten bereits höhere Ausgangsanteile und längere Zuwanderungstraditionen. Dort ist internationale Beschäftigung bereits etabliert.
Dynamischer Anstieg von geringem Niveau
Von 2020 bis 2025 ist die Zahl der Betriebe, die ausländische Menschen beschäftigen in Sachsen um 6.500 oder 34 Prozent gestiegen. Bundesweit lag dieser Anstieg bei rund 119.000 oder 16 Prozent. Das belegt: Sachsens Wirtschaft wächst mehr als doppelt so stark wie der Bundesdurchschnitt – im Kontext der ausländischen Beschäftigten.
Das kräftigste Wachstum von Betrieben mit ausländischen Beschäftigten im 5-Jahresvergleich gibt es in den Ostdeutschen Bundesländern: Sachsen-Anhalt (plus 43 Prozent), Mecklenburg-Vorpommern (plus 42 Prozent), Brandenburg (41 %), Sachsen (+34%) und Thüringen (+33).
Das geringste Wachstum gibt es in den wirtschaftsstarken Westländern: Saarland (plus 12%), Hessen (plus 11), Bayern (plus 11 %) und Baden-Württemberg (plus 7%).
Hier zeigt sich, dass der Anstieg in Sachsen deutlich dynamischer ist, Sachsen stark aufholt, hat aber ein geringes Ausgangsniveau im Vergleich zu westdeutschen Flächenländern – wo die Beschäftigung ausländischer Menschen ganz normal ist (Sachsen ist strukturell noch unter westdeutschem Niveau). Deshalb fallen die Zuwächse prozentual stärker aus.
Große Betriebe setzen häufiger auf Internationalität
Auffällig ist der Blick auf die Unternehmensgröße. Je mehr Beschäftigte ein Unternehmen hat, desto höher der Ausländeranteil an deren Belegschaft. Beispielsweise haben nur zwölf Prozent (7.000) der Betriebe mit 1 bis 4 Beschäftigten (58.000) in Sachsen ausländische Arbeitnehmer. In Unternehmen mit fünf bis 19 Beschäftigten liegt dieser Anteil bei 30 Prozent, in Betrieben mit zwanzig bis 99 Beschäftigten liegt der Ausländeranteil bei 63 Prozent. Mittlere und große Unternehmen beschäftigen sehr oft ausländische Staatsbürger (Betriebe von 100 bis 499 Beschäftigte: zu 88 Prozent und Betriebe mit 500 und mehr Beschäftigten: nahezu 100 Prozent).
Jeder dritte Leipziger und Dresdner Betrieb setzt auf internationale Arbeitskräfte
Leipziger und Dresdner Betriebe liegen innerhalb Sachsens bei der Beschäftigung ausländischer Arbeitskräfte ganz vorne. Von allen 15.200 Leipziger Betrieben haben 5.400 (35 Prozent) ausländische Beschäftigte. Von den 13.800 Dresdner Betrieben sind es 4.600 (33 Prozent) Betriebe, die auf dieses Potenzial setzen. Aber auch Betriebe aus dem Landkreis Görlitz und der Stadt Chemnitz haben einen überdurchschnittlichen Ausländeranteil in ihrer Belegschaft.
Am geringsten ist der Ausländeranteil bei den Betrieben im Erzgebirgskreis, in Mittelsachsen und im Landkreis Leipzig.
Ranking: Betriebe mit mind. einem ausländischen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten
Leipzig, Stadt 35 Prozent
Dresden, Stadt 33
Görlitz 29
Chemnitz, Stadt 29
Sächsische Schweiz-Osterzgebirge 24
Nordsachsen 21
Vogtlandkreis 21
Zwickau 20
Meißen 20
Bautzen 20
Leipzig 19
Mittelsachsen 19
Erzgebirgskreis 16
Herausforderungen: Oft fehlt die Erfahrung im Umgang mit ausländischen Fachkräften. Trotz der positiven Entwicklungen zeigt die Statistik, dass drei Viertel der Unternehmen in Sachsen noch keine internationalen Arbeitskräfte beschäftigen. Die Gründe dafür sind jedoch nicht immer in Vorurteilen zu finden. Beispielsweise haben Unternehmen oft keine Erfahrung im Umgang mit ausländischen Arbeitskräften und fühlen sich mit Sprachbarrieren, kulturellen Unterschieden oder rechtlichen Fragen unsicher. Die Erfahrung zeigt, dass Betriebe, die einmal ausländische Mitarbeiter eingestellt haben, oft weitere internationale Arbeitskräfte beschäftigen.
Das Wachstum ist nicht nur auf die Großstädte beschränkt, sondern in vielen Landkreisen sichtbar. Besonders im Leipziger Umland zeigen sich hohe Wachstumsraten. Dort setzen immer mehr Betriebe auf ausländische Arbeitskräfte. So ist im 5-Jahres-Vergleich in Nordsachsen die Zahl der Betriebe mit ausländischen Arbeitnehmern um 43 Prozent gestiegen, im Landkreis Leipzig (plus 43 %), im LK Bautzen (plus 39%) und in der Stadt Leipzig (plus 37%). Das belegt: Internationale Beschäftigung ist längst kein reines Großstadtphänomen mehr.
Statistischer Überblick: Internationale Arbeitskräfte bei den Beschäftigten
Jeder 11. Arbeitnehmer in Sachsen ist ein ausländischer Staatsbürger
Im letzten Jahr (Stand Juni 2025) waren in Sachsen 151.000 Ausländer sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Damit liegt der Ausländeranteil an der Gesamtbeschäftigung (1,63 Mio.) bei 9,3 Prozent. Das ist für den Freistaat Sachsen der bisher höchste Anteil. Noch im Jahr 2013 lag dieser Anteil bei 1,8 Prozent.
Verglichen mit dem Bund und anderen westdeutschen Bundesländern gibt es hier aber noch viel Luft nach oben. Bundesweit lag der Ausländeranteil an der Gesamtbeschäftigung bei 16,7 Prozent.
Ausländische Staatsbürger tragen zur Stabilität der Beschäftigung bei
Von Juni 2024 auf Juni 2025 ist die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Sachsen um 12.400 (minus 0,8 Prozent) auf 1,625.500 gesunken. Im gleichen Zeitraum ist die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten Ausländer um 9.500 (plus 6,7 Prozent) auf 151.000 gestiegen, während dessen die Beschäftigtenzahl der deutschen Staatsbürger um 21.900 gesunken ist (minus 1,5 Prozent).
Kompensation statt Verdrängung
Insgesamt ist in Sachsen ein demographisch bedingter Rückgang der deutschen Beschäftigten zu beobachten. Viele Arbeitnehmer scheiden aufgrund des Renteneintritts aus dem Berufsleben aus. Nur Dresden und Leipzig profitieren von einem Bevölkerungswachstum. Alle anderen sächsischen Regionen verzeichnen demografische Rückgänge.
Gleichzeitig steigt die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten Ausländer kontinuierlich an und kompensiert den demografiebedingten Rückgang der deutschen Bevölkerung. Das bedeutet, dass keine Arbeitsplätze von einheimischen Arbeitnehmern verdrängt werden. Vielmehr sorgt die Migration dafür, dass freiwerdende Stellen nachbesetzt werden können.
Das belegt auch der Blick auf die Beschäftigungsquoten. Die Beschäftigungsquote der Deutschen liegt bei rund 70 Prozent und belegt, dass trotz der rückläufigen Zahl der deutschen Beschäftigten, deren Anteil an der deutschen Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter stabil bleibt. Im Jahr 2022 lag die Beschäftigungsquote der Deutschen noch bei 67,8 Prozent und ist trotz der vielen Abgänge von Deutschen in die Altersrente auf 70 Prozent gestiegen.
Die meisten Ausländer arbeiten auf Fachkräfteniveau
Von den 151.000 Ausländern arbeiten 52.100 auf Helferniveau (34,5 Prozent), weil sie keinen Abschluss haben, schnell eine Arbeit aufnehmen wollten, um Geld zu verdienen oder weil die Anerkennung des Abschlusses noch nicht abgeschlossen ist. 69.800 oder 46,2 Prozent sind auf Fachkräfteniveau beschäftigt, 9.000 auf Niveau von Spezialisten (Meister/Techniker | 6 Prozent) und 20.100 als Experte (Akademikerniveau | 13,3 Prozent). Fazit: Zwei Drittel oder 99.000 ausländische Staatsbürger arbeiten in qualifizierten Jobs.