Digitalisierung in Thüringen: Chancen und Herausforderungen für die Zukunft der Arbeit

Neue IAB-Studie zu Substituierbarkeitspotenziale und Zukunftsperspektiven

11.05.2026 | Presseinfo Nr. 32

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) Sachsen-Anhalt-Thüringen hat im Rahmen des Relaunches des IAB-Job-Futuromaten eine umfassende Untersuchung zu den Auswirkungen der Digitalisierung auf Berufe in Thüringen durchgeführt. Die Ergebnisse zeigen, dass die Digitalisierung nicht nur Routinetätigkeiten, sondern auch zunehmend nicht-routine-Tätigkeiten von Spezialisten und Experten verändern wird.

Die sogenannten Substituierbarkeitspotenziale, die angeben, wie viel Prozent der Tätigkeiten in einem Beruf durch Digitalisierung oder Automatisierung ersetzt werden können, variieren stark zwischen verschiedenen Berufsgruppen.

Zitat:

Dr. Per Kropp vom IAB-Regional Sachsen-Anhalt – Thüringen erklärt: „Bislang traf dies insbesondere für Routinetätigkeiten z. B. in Helferberufen zu. Nun sind durch produktiv nutzbare KI-Technologie auch zunehmend nicht-routine-Tätigkeiten von Spezialisten und Experten betroffen. Zuletzt ist das Substituierbarkeitspotenzial vor allem für IT- und naturwissenschaftlichen Dienstleistungsberufe stark gestiegen. Während Medizinische und nicht-medizinische Gesundheitsberufe sowie Soziale und kulturelle Dienstleistungsberufe eher niedrige Werte aufweisen, haben Fertigungs- und Fertigungstechnische Berufe höhere Substituierbarkeitspotenziale. Da letztere in Thüringen häufiger vorkommen, liegt das durchschnittliche Substituierbarkeitspotenzial in Thüringen über dem gesamtdeutschen Mittelwert. Dies trifft besonders für die Landkreise Sonneberg und Gotha zu.“

 

Die Untersuchung zeigt auch, dass die Substituierbarkeitspotenziale von Männern und Frauen seit 2013 ähnliche gestiegen sind, wobei Männer von einem höheren Anfangsniveau aus starteten. Interessanterweise ersetzt die KI eher Tätigkeiten, die mehrheitlich von Frauen erledigt werden. Zwischen den verschiedenen Alterskohorten gibt es insgesamt kaum Unterschiede.

Die Digitalisierung wird auch in Zukunft immer wichtiger werden, da sie eng mit anderen prägenden Trends am Arbeitsmarkt zusammenhängt. Durch Produktivitätsgewinne soll sie eine hohe Wertschöpfung sichern, auch wenn die Zahl der Beschäftigten demografisch bedingt sinkt. Der Klimawandel wird einen enormen Druck erzeugen, smarte Energiesysteme zu etablieren und das "Internet der Dinge" auf den gesamten Produktzyklus auszuweiten. Dies alles setzt Digitalisierung voraus, verändert Berufsbilder und schafft letztlich auch neue Berufe.

Die Autoren der Studie erwarten, dass Berufe oder Regionen mit hohem Substituierbarkeitspotenzial auch künftig nicht Beschäftigungsverluste, sondern einen besonderen Bedarf an Weiterbildung und zukunftsorientierter Wirtschaftspolitik aufweisen werden. Dies unterstreicht die Notwendigkeit, dass Politik, Wirtschaft und Gesellschaft gemeinsam an Lösungen arbeiten, um die Chancen der Digitalisierung zu nutzen und die Herausforderungen zu meistern.

 

Zitat:

Markus Behrens, Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen der Bundesagentur für Arbeit, betont die Bedeutung der Weiterbildungsagenturen in Sachsen-Anhalt und Thüringen: „Substituierbarkeitspotenzial ist nicht gleichbedeutend mit Arbeitsplatzabbau, sondern ein Indikator für Arbeitsplatzwandel. Statt reiner Substitution ist eine breite Kompetenzverschiebung und damit einhergehend der Bedarf an stetiger Qualifizierung zu erwarten. Wir unterstützen Unternehmen, Beschäftigte und Arbeitsuchende mit Beratung und Fördermöglichkeiten, um sich auf die Anforderungen der Zukunft vorzubereiten und KI-Kompetenzen aufzubauen. Sein Appell: Unternehmen und Beschäftigte sollten die Angebote nutzen, um sich frühzeitig auf die Anforderungen der Zukunft vorzubereiten.“