Zum Gastgewerbe zählen zwei Bereiche: Beherbergung und Gastronomie. Zur Beherbergung gehören zum Beispiel Hotels, Pensionen und Gasthäuser. Zur Gastronomie zählen Restaurants, Bars, Kantinen, Systemgastronomie und Caterer. Die Branche ist sehr vielfältig. Sie reicht vom Campingplatz bis zum Fünf-Sterne-Hotel und von der kleinen Kneipe bis zum großen Gastronomieunternehmen.
Weniger Beschäftigte, mehr Minijobs
Im Juni 2019 arbeiteten 22.500 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte im Gastgewerbe in Thüringen, genauso viele wie in der Mitte 2025. Die Zahl deutscher Beschäftigter sank um 15 Prozent. Gleichzeitig stieg die Zahl ausländischer Beschäftigter um 63 Prozent. Auch ältere Beschäftigte sind stärker vertreten. Ihre Zahl stieg im Vergleichszeitraum um 300 auf 4.900. Anders entwickelte sich die Zahl der Minijobs. Sie stieg von 15.600 im Jahr 2019 auf 17.300 im Jahr 2025. Das galt sowohl für Deutsche als auch für Ausländerinnen und Ausländer. In den Sommermonaten Juni bis August gibt es regelmäßig mehr Arbeit. Daher werden in dieser Zeit zusätzliche kurzfristige Beschäftigte eingesetzt, 2025 gab es rund 40 mehr als 2019. Die Zahl der Betriebe sank von 3.700 im Jahr 2019 auf 3.600 im Jahr 2025. Das Medianentgelt lag Ende 2024 bei 2.450 Euro brutto im Monat. Damit gehört das Gastgewerbe weiterhin zu den Branchen mit niedrigeren Einkommen.
Folgen der Corona-Pandemie wirken nach
Das Gastgewerbe war besonders stark von der Corona-Pandemie betroffen. Viele Beschäftigte wechselten in andere Branchen. Dort fanden sie oft bessere Bezahlung oder familienfreundlichere Arbeitszeiten. Viele erfahrene Fachkräfte kehrten nicht zurück.
Weniger offene Stellen gemeldet
Im Jahr 2019 wurden den Arbeitsagenturen durchschnittlich 1.100 freie Stellen im Gastgewerbe gemeldet. Im Jahr 2025 waren es noch knapp die Hälfte. Vor allem Stellen für Fachkräfte gingen deutlich zurück. Ihre Zahl sank um fast 500.
Mögliche Gründe für den Rückgang der Stellenmeldungen:
- Viele Betriebe arbeiten nach den Krisenjahren mit kleinerem Personalbestand.
- Kürzere Öffnungszeiten reduzieren den Personalbedarf.
- Schwache Konjunktur und steigende Kosten bremsen Neueinstellungen.
Ausbildungsmarkt bleibt schwierig
Bis Ende September 2019 standen 150 gemeldeten Bewerberinnen und Bewerbern rund 500 Ausbildungsstellen gegenüber. Zum gleichen Zeitpunkt im Jahr 2025 kamen 140 Bewerberinnen und Bewerber auf 250 Ausbildungsstellen. Junge Menschen haben heute viele Wahlmöglichkeiten. Sie achten stärker auf Arbeitszeiten, Einkommen und Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben. Deshalb bleiben gerade im Gastgewerbe viele Ausbildungsplätze unbesetzt. Im September 2025 waren rund 24 Ausbildungsstellen in Hotellerie und Gastronomie noch offen.
Zitat:Markus Behrens, Vorsitzender der BA-Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen, erklärt: „Das Gastgewerbe reagiert traditionell stark auf wirtschaftliche Entwicklungen. In guten Zeiten steigt die Nachfrage. In Krisenzeiten kommt es schnell zu Einbrüchen. Auch die aktuelle wirtschaftliche Lage belastet die Branche. Um den Fachkräftebedarf zu sichern, wird das Gastgewerbe neue Wege gehen müssen. Dazu gehören Qualifizierungen eigener Beschäftigter, moderne Arbeitszeitmodelle und angepasste Geschäftsmodelle. So kann der Personalbedarf besser gedeckt werden.“