Beschäftigungsanteil binnen fünf Jahren verdreifacht
Die Situation am Arbeitsmarkt von Schutzsuchenden- also Menschen, die in Sachsen-Anhalt einen Antrag auf Schutz aus völkerrechtlichen, humanitären oder politischen Gründen gestellt haben- hat sich in den letzten fünf Jahren deutlich verändert.
Eine neue Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) Sachsen-Anhalt-Thüringen zeigt, dass die Zahl der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Schutzsuchenden um 176 Prozent zugenommen hat, während die Beschäftigung insgesamt stagnierte. Dieser Anstieg der Schutzsuchenden an allen Beschäftigten ist besonders bemerkenswert, da er auf einen Anteil von 1,7 Prozent im Jahr 2025 im Vergleich zu 0,6 Prozent im Jahr 2020 ansteigt.
Beschäftigung und Branchen
Die meisten der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Schutzsuchenden sind jung und haben keinen formalen Berufsabschluss, was oft mit Tätigkeiten im Helfersegment einhergeht. Sie arbeiten schwerpunktmäßig in Verkehr und Logistik sowie Lebensmittel und Gastgewerbe, Berufen, die in Sachsen-Anhalt als Engpassberufe gelten oder systemrelevant sind. Unter den Bewerbern für eine Berufsausbildungsstelle liegt ihr Anteil bei 6,1 Prozent.
Geschlechtsspezifische Unterschiede
Es bestehen große Unterschiede zwischen schutzsuchenden Frauen und Männern auf dem Arbeitsmarkt. Während Frauen generell rund die Hälfte der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten stellen, sind es unter den Schutzsuchenden nur 27 Prozent. Auch ihr Übergang in Beschäftigung findet später und seltener statt als unter den Männern: Nach sechs Jahren zeigt sich für 68 Prozent der Männer, aber nur für 22 Prozent der Frauen ein erster Übergang in Beschäftigung.
Expertenmeinung
Zitat:Dr. Michaela Fuchs vom IAB-Regional Sachsen-Anhalt – Thüringen erklärt: „Angesichts ihrer jungen Altersstruktur bieten die Schutzsuchenden Potenzial, um die demografisch bedingte Alterung und Schrumpfung des Arbeitskräfteangebots in Sachsen-Anhalt abzufedern. Es braucht allerdings Zeit, bis die Schutzsuchenden auf dem Arbeitsmarkt Fuß fassen können, denn viele von ihnen unterliegen anfangs Beschäftigungsverboten oder müssen zuerst Sprach- und Integrationskurse besuchen."
Fazit und Ausblick
Die Studie zeigt, dass die Integration von Schutzsuchenden in den Arbeitsmarkt eine wichtige Rolle für die Zukunft des Arbeitsmarktes in Sachsen-Anhalt spielt. Es ist notwendig, dass Politik, Wirtschaft und Gesellschaft gemeinsam an der Lösung dieser Herausforderungen arbeiten, um die Chancen der Fluchtmigration zu nutzen und die Herausforderungen zu meistern. Durch gezielte Maßnahmen und Unterstützung kann der Übergang der Schutzsuchenden in den Arbeitsmarkt erleichtert werden, was langfristig zu einer Stärkung des Arbeitsmarktes in Sachsen-Anhalt beitragen kann.
Die Studie ist auf der Internetseite des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung abgelegt. https://iab.de/publikationen/publikation/?id=15688742