Thüringen: Widersprüche und Klagen in der Grundsicherung

Anstieg bei weniger Bürgergeldbeziehern

22.01.2026 | Presseinfo Nr. 4

Die Zahl der Widersprüche gegen Bürgergeldbescheide in Thüringen ist im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Im Jahr 2025 wurden 12.600 Widersprüche eingelegt, 2024 waren es 11.300. Das entspricht einem Anstieg von rund 11 Prozent. Die Zahl der Klagen blieb konstant. 2025 wurden rund 1.300 neue Klagen eingereicht, das entsprach dem Wert von 2024.

Weniger Leistungsberechtigte im Jahresdurchschnitt 2025

Im Jahresdurchschnitt 2025 wurden 111.300* erwerbsfähige und nichterwerbsfähige Leistungsberechtigte von den Jobcentern in Thüringen betreut, im Jahresdurchschnitt 2024* waren es 118.200. Das ist ein Rückgang um rund 5,9 Prozent.

Zitat:

„Weniger Leistungsberechtigte heißt nicht automatisch weniger Rechtsmittel. Die Zahl der Bescheide und ihre Komplexität bestimmen stark, wie viele Widersprüche und Klagen es gibt. Gerade bei den Kosten der Unterkunft ist die Gesetzeslage sehr komplex und Bescheide werden unterschiedlich interpretiert, was zu mehr Widersprüchen und Gerichtsverfahren führt“, erklärte Markus Behrens, Vorsitzender der BA-Regionaldirektion Thüringen-Thüringen.

Gründe für Widersprüche und Klagen

Von den 12.600 im Jahr 2025 neu eingelegten Widersprüchen betrafen 15 Prozent das Sachgebiet „Kosten der Unterkunft“. Rund 14 Prozent betrafen Widersprüche gegen Bescheide, in denen es um „Aufhebung und Erstattung“ geht. Das sind Widersprüche gegen Bescheide, in denen das Jobcenter Leistungen nicht mehr bewilligt oder etwa die Höhe der Leistung verringert. Der Hintergrund: Die Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhalts werden für jeden Monat der Hilfebedürftigkeit im Voraus erbracht. Fällt aber dann im tatsächlichen Berechnungsmonat der Leistungsanspruch weg oder verringert sich, versendet das Jobcenter einen Aufhebungs- und Erstattungsbescheid an die Kunden.

Bei den 1.300 im Jahr 2025 in Thüringen neu eingelegten Klagen standen die rechtlichen Auseinandersetzungen um die Kosten der Unterkunft und Heizung mit über 200 Fällen an erster Stelle (rund 17 Prozent). Danach folgten Rechtsstreitigkeiten um die Aufhebung und Erstattung von Leistungen mit knapp 150 Fällen. Sie machten damit knapp 11 Prozent der Klagen aus.

Erledigte Klagen und Widersprüche

Im Jahr 2025 wurden in Thüringen 12.600 Widersprüche gegen Entscheidungen der Jobcenter abgeschlossen oder abschließend bearbeitet. Davon wurden 7.900 zurückgewiesen, in 3.900 Fällen wurde einem Widerspruch teilweise oder ganz stattgegeben. Häufig wurde den Widersprüchen auch deswegen stattgegeben, weil Kunden bislang nicht vorhandene Unterlagen nachreichten und damit eine andere Entscheidung möglich war. Die Jobcenter konnten also aufgrund fehlender Unterlagen vorher nicht anders entscheiden.

2025 wurden insgesamt 1.300 Klagen abgeschlossen. Darunter waren rund 100 Vergleiche, in 400 Fällen wurde der Klage ganz oder teilweise stattgegeben und in 200 Fällen wurde die Klage
anderweitig erledigt, etwa durch Anerkenntnis der Jobcenter.

Tipp:*hochgerechnete Daten