Immer mehr Betriebe in Thüringen setzen auf internationale Arbeitskräfte
Anlässlich des Weltflüchtlingstages am 20. Juni lohnt sich ein Blick auf die Entwicklung der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung in Thüringen. Eine aktuelle Statistik zeigt, dass fast jeder vierte Betrieb internationale Arbeitskräfte beschäftigt. Tendenz steigend.
Konjunktur bremst – Trends treiben: Trotz der aktuell angespannten wirtschaftlichen Lage und einer zurückhaltenden Einstellungsbereitschaft der Unternehmen bleibt der demografische Wandel die zentrale Herausforderung für den Arbeitsmarkt in Thüringen. In den kommenden Jahren werden deutlich mehr Menschen in den Ruhestand gehen als nachrücken. Das bedeutet, Altersabgänge können wegen fehlendem Nachwuchs nicht nachbesetzt werden. Zuwanderung und die Integration von ausländischen Menschen sind daher ein wichtiger Teil der Lösung.
Fast jeder vierte Betrieb in Thüringen beschäftigt ausländische Arbeitskräfte
In Thüringen gab es vergangenes Jahr (Stand: Juni 2025) insgesamt 51.366 Betriebe mit mindestens einem sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. 11.725 (22,8 Prozent) dieser Betriebe beschäftigten mindestens einen ausländischen Arbeitnehmenden. Seit 2015 hat sich die Zahl mehr als verdoppelt. Damals waren es nur 5.339 Betriebe, die ausländische Arbeitskräfte beschäftigten.
Dynamischster Anstieg in den ostdeutschen Bundesländern
Von 2020 bis 2025 ist die Zahl der Betriebe, die ausländische Menschen beschäftigen, in Thüringen um 2.923 oder 33 Prozent gestiegen. Dennoch fiel der Anstieg des Anteils an ausländischen Arbeitskräften im 5-Jahresvergleich gegenüber den anderen ostdeutschen Bundesländern am geringsten aus: Sachsen-Anhalt (+ 43 Prozent), Mecklenburg-Vorpommern (+ 42 Prozent), Brandenburg (+ 41 Prozent), Sachsen (+ 34 Prozent) und Thüringen (+ 33 Prozent). Bundesweit lag der Anstieg bei rund 16 Prozent.
Ausländische Staatsbürger tragen zur Stabilität der Beschäftigung bei
Von Juni 2024 auf Juni 2025 ist die Zahl der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Ausländer um 4.970 auf 78.540 gestiegen, während dessen die Beschäftigtenzahl der deutschen Staatsbürger um 13.810 auf 704.590 gesunken ist. Vergleicht man die letzten zehn Jahre, ist die Anzahl sozialversicherungspflichtig beschäftigter Ausländer von 20.620 auf 78.540 (+ 281 Prozent) angestiegen. Deren Anteil an der Gesamtbeschäftigung in Thüringen hat sich somit fast vervierfacht.
Große Betriebe setzen häufiger auf Internationalität
Auffällig ist der Blick auf die Unternehmensgröße. Je mehr Beschäftigte ein Unternehmen hat, desto höher der Ausländeranteil an deren Belegschaft. Beispielsweise haben nur 10 Prozent der Betriebe mit 1 bis 4 Beschäftigten in Thüringen ausländische Arbeitnehmende. In Unternehmen mit 5 bis 19 Beschäftigten liegt dieser Anteil bereits bei 27 Prozent. Große Unternehmen (500 und mehr Beschäftigte) haben zu über 99 Prozent ausländische Angestellte.
Betriebe stehen oft vor großen Herausforderungen
Trotz der positiven Entwicklungen zeigt die Statistik, dass noch immer fast drei Viertel der Unternehmen in Thüringen keine internationalen Arbeitskräfte beschäftigen. Die Gründe dafür sind jedoch nicht immer in Vorurteilen oder einer mangelnden Einstellungsbereitschaft zu finden. Beispielsweise fehlt es den Unternehmen oft an Erfahrung im Umgang mit ausländischen Arbeitskräften oder sie fühlen sich aufgrund von Sprachbarrieren, kulturellen Unterschieden oder rechtlichen Fragen unsicher. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass Betriebe, die einmal ausländische Mitarbeitende eingestellt haben, oft weitere internationale Arbeitskräfte beschäftigen.
Markus Behrens, Vorsitzender der Geschäftsführung der BA-Regionaldirektion Sachsen-Anhalt – Thüringen, schätzt ein:
„Der Arbeitsmarkt ist angesichts der demografischen Entwicklung zwingend auf Zuwanderung angewiesen. Insbesondere aufgrund des bestehenden Fachkräftebedarfs wird die Arbeitsmarktintegration von ausländischen Beschäftigten zunehmend eine wichtigere Rolle spielen. Umso erfreulicher ist es, dass die aktuellen Auswertungen zeigen, dass Thüringen auf einem guten Weg ist und immer mehr Betriebe ausländische Arbeitnehmende beschäftigen. Sie sichern sich damit langfristig ihre dringend benötigten Arbeits- und Fachkräfte. Dennoch sehe ich noch Luft nach oben. Sich für ausländische Angestellte zu öffnen, ist heute kein bloßer Trend mehr, es ist eine kluge Investition, um dem Fachkräftemangel in der Region aktiv entgegenzuwirken.“