Immer weniger landwirtschaftliche Arbeitskräfte in Sachsen-Anhalt

Wenn Erdbeeren, Spargel oder Gurken reif sind, zählt oft jede Minute. Doch wer erntet, das Obst und Gemüse, das täglich frisch in den Supermärkten liegt? Saisonarbeitskräfte spielen eine immer wichtigere Rolle in der Landwirtschaft in Sachsen-Anhalt. Der Anteil ausländischer Beschäftigter steigt dabei kontinuierlich an.

09.07.2026 | Presseinfo Nr. 44

Der anhaltende Strukturwandel und die demografische Entwicklung hinterlassen auch in der Landwirtschaft in Sachsen-Anhalt spuren. Die Zahl an landwirtschaftlich Beschäftigten ist seit Jahren rückläufig. Auch immer weniger junge Menschen in der Region entscheiden sich für eine Ausbildung im Agrarsektor. Perspektivisch müssen zunehmend größere Anstrengungen unternommen werden, um europäische Saisonarbeitskräften zu finden. Durch das teils steigende Lohnniveau und das Wirtschaftswachstum in den Heimatländern, sinkt der finanzielle Anreiz, für die Erntearbeit nach Deutschland zu kommen. Gleichzeitig müssen Betriebe Investitionen in Unterbringungsmöglichkeiten tätigen und faire Arbeitsbedingungen absichern, um im Ringen um motivierte Erntehelfer konkurrenzfähig zu bleiben.

Gesamtzahl der Beschäftigten in der Landwirtschaft seit 2015 rückläufig

Im September 2025 arbeiteten 12.159 Menschen in Sachsen-Anhalt sozialversicherungspflichtig in landwirtschaftlichen Betrieben. Das sind 2.828 weniger als vor zehn Jahren (-19 Prozent). Besonders deutlich ist der Rückgang bei Beschäftigten mit deutscher Staatsangehörigkeit. Waren es im September 2015 noch 14.279, sank die Zahl im September 2025 um 28 Prozent auf 10.270. Eine Ursache dafür ist auch der anhaltende Wandel in der Landwirtschaft hin zu weniger, aber dafür größeren Betrieben mit effizienterem Maschineneinsatz und zunehmender Automatisierung.

Zahl der ausländischen Arbeitskräfte hat sich mehr als verdoppelt

Im gleichen Zeitraum hat sich die Zahl der sozialversicherungspflichtigen ausländischen Beschäftigten in der Landwirtschaft mehr als verdoppelt, von 708 auf 1.889 Menschen. Diese Entwicklung zeigt, dass der Beschäftigungsrückgang in diesem Wirtschaftszweig nur durch ausländische Arbeitskräfte kompensiert werden kann. Ohne deren Unterstützung würde die Zahl noch stärker sinken. Der größte Teil stammt dabei aus der Europäischen Union, insbesondere aus Polen und Rumänien.

Beschäftigung in der Landwirtschaft ist saisonal geprägt

Die kurzfristige Beschäftigung in der Landwirtschaft ist durch wiederkehrende, jahreszeitlich bedingte Arbeiten stark saisonal geprägt. Neben den dauerhaft Beschäftigten gibt es einen hohen Anteil an Helfern, die regelmäßig für einige Wochen oder Monate im Jahr benötigt werden. Der Bedarf an Saisonkräften steigt üblicherweise ab März an, die Spitzen liegen zwischen April und September. In Sachsen-Anhalt waren beispielsweise in der Hochsaison im Juni 2025 rund 1.072 Menschen in der Landwirtschaft kurzzeitig beschäftigt, darunter 801 ausländische Arbeitnehmende. Eine kurzfristige Beschäftigung liegt vor, wenn diese für eine Zeitdauer ausgeübt wird, die im Laufe eines Kalenderjahres oder auch kalenderjahrüberschreitend, auf nicht mehr als 70 Arbeitstage begrenzt ist.

Zitat:
Markus Behrens, Vorsitzender der Geschäftsführung der BA-Regionaldirektion Sachsen-Anhalt – Thüringen, schätzt ein:

„Der Bedarf an Arbeitskräften in der Landwirtschaft kann nicht mehr allein mit Beschäftigten aus dem Inland gedeckt werden. Viele traditionsreiche Familienbetriebe und Agrargenossenschaften in Sachsen-Anhalt stehen unter enormem wirtschaftlichem Druck. Fällt die Ernte wegen fehlender Helfer aus, droht Höfen das finanzielle Aus. Deshalb werden regelmäßig auch ausländische Kräfte in der Landwirtschaft beschäftigt. In Sachsen-Anhalt lag der Anteil im September 2025 bei rund 16 Prozent. Insbesondere Saisonarbeitskräfte aus Polen und Rumänien bilden damit seit mehreren Jahren das verlässliche Rückgrat während der arbeitsintensiven Frühjahr- und Sommermonate, das dafür sorgt, dass heimische Lebensmittel von der Altmark bis zur Saale-Unstrut-Region überhaupt geerntet werden können.“