Immer weniger landwirtschaftliche Arbeitskräfte in Thüringen

Wenn Erdbeeren, Spargel oder Gurken reif sind, zählt oft jede Minute. Doch wer erntet, das Obst und Gemüse, das täglich frisch in den Supermärkten liegt? Saisonarbeitskräfte spielen eine immer wichtigere Rolle in der Landwirtschaft in Thüringen. Der Anteil ausländischer Beschäftigter steigt dabei weiter an.

09.07.2026 | Presseinfo Nr. 45

Der anhaltende Strukturwandel und die demografische Entwicklung hinterlassen auch in der Landwirtschaft in Thüringen spuren. Die Zahl an landwirtschaftlich Beschäftigten ist seit Jahren rückläufig. Auch immer weniger junge Menschen in der Region entscheiden sich für eine Ausbildung im Agrarsektor. Perspektivisch müssen zunehmend größere Anstrengungen unternommen werden, um europäische Saisonarbeitskräften zu finden. Durch das teils steigende Lohnniveau und das Wirtschaftswachstum in den Heimatländern, sinkt der finanzielle Anreiz, für die Erntearbeit nach Deutschland zu kommen. Gleichzeitig müssen Betriebe Investitionen in Unterbringungsmöglichkeiten tätigen und faire Arbeitsbedingungen absichern, um im Ringen um motivierte Erntehelfer konkurrenzfähig zu bleiben.

Gesamtzahl der Beschäftigten in der Landwirtschaft seit 2015 rückläufig

Im September 2025 arbeiteten 11.338 Menschen in Thüringen sozialversicherungspflichtig in landwirtschaftlichen Betrieben. Das sind 3.395 weniger als vor zehn Jahren (- 23 Prozent). Besonders deutlich ist der Rückgang bei Beschäftigten mit deutscher Staatsangehörigkeit. Waren es im September 2015 noch 13.659, sank die Zahl im September 2025 um 26 Prozent auf 10.128. Eine Ursache dafür ist auch der anhaltende Wandel in der Landwirtschaft hin zu weniger, aber dafür größeren Betrieben mit effizienterem Maschineneinsatz und zunehmender Automatisierung.

Zahl der ausländischen Arbeitskräfte steigt an

Im gleichen Zeitraum ist die Zahl der sozialversicherungspflichtigen ausländischen Beschäftigten in der Landwirtschaft leicht gestiegen, von 1.079 auf 1.120 Menschen. Diese Entwicklung zeigt, dass der Beschäftigungsrückgang in diesem Wirtschaftszweig teilweise durch ausländische Arbeitskräfte kompensiert werden kann. Ohne deren Unterstützung würde die Zahl noch stärker sinken. Der größte Teil stammt dabei aus Rumänien und aus Drittstaaten.

Beschäftigung in der Landwirtschaft ist saisonal geprägt

Die kurzfristige Beschäftigung in der Landwirtschaft ist durch wiederkehrende, jahreszeitlich bedingte Arbeiten stark saisonal geprägt. Neben den dauerhaft Beschäftigten gibt es einen hohen Anteil an Helfern, die regelmäßig für einige Wochen oder Monate im Jahr benötigt werden. Der Bedarf an Saisonkräften steigt üblicherweise ab März an, die Spitzen liegen zwischen April und September. In Thüringen waren beispielsweise in der Hochsaison im Juni 2025 rund 728 Menschen in der Landwirtschaft kurzzeitig beschäftigt, darunter 632 ausländische Arbeitnehmende. Eine kurzfristige Beschäftigung liegt vor, wenn diese für eine Zeitdauer ausgeübt wird, die im Laufe eines Kalenderjahres oder auch kalenderjahrüberschreitend, auf nicht mehr als 70 Arbeitstage begrenzt ist.

Zitat:
Markus Behrens, Vorsitzender der Geschäftsführung der BA-Regionaldirektion Sachsen-Anhalt – Thüringen, schätzt ein:

„Der Bedarf an Arbeitskräften in der Landwirtschaft kann nicht mehr allein mit Beschäftigten aus dem Inland gedeckt werden. Viele traditionsreiche Familienbetriebe und Agrargenossenschaften in Thüringen stehen unter enormem wirtschaftlichem Druck. Fällt die Ernte wegen fehlender Helfer aus, droht Höfen das finanzielle Aus. Deshalb werden regelmäßig auch ausländische Kräfte in der Landwirtschaft beschäftigt. In Thüringen lag der Anteil im September 2025 bei rund 11 Prozent. Insbesondere Saisonarbeitskräfte aus Rumänien und Drittstaaten bilden damit seit mehreren Jahren das verlässliche Rückgrat während der arbeitsintensiven Frühjahr- und Sommermonate, das dafür sorgt, dass heimische Lebensmittel vom Eichsfeld bis ins Altenburger Land überhaupt geerntet werden können.“