In Sachsen-Anhalt suchten Ende Juli noch 2.800 junge Menschen einen Ausbildungsplatz. Insgesamt hatten sich im Beratungsjahr 9.100 Bewerberinnen und Bewerber bei den Agenturen für Arbeit in Sachsen-Anhalt gemeldet, das sind 251 mehr als im Vorjahr und 556 mehr als 2024.
Angebot und Nachfrage nach Lehrstellen passen nicht immer überein
Im Juli 2026 waren in Sachsen-Anhalt noch 3.300 bei den Arbeitsagenturen und Jobcentern gemeldete Ausbildungsplätze unbesetzt, wobei die meisten freien Berufsausbildungsstellen im Verkauf, in der Lagerwirtschaft und in der Energietechnik sowie Büroberufen zu finden sind. Die aktuellen Zahlen zeigen, dass auf 100 betriebliche Berufsausbildungsstellen aktuell 89 Bewerberinnen und Bewerber kommen. Die beliebtesten Berufe unter den Jugendlichen sind Kfz-Mechatroniker, Kaufmann/-frau Büromanagement und Kaufmann/-frau im Einzelhandel. Dies bedeutet, dass es eine Diskrepanz zwischen den von den Betrieben angebotenen und den von jungen Menschen gewünschten Ausbildungsplätzen gibt. Insgesamt meldeten Arbeitgebende bis Juli 2026 bei den Agenturen für Arbeit 10.300 Ausbildungsstellen zur Besetzung an, 370 weniger als letztes Jahr im Juli und rund 600 weniger als 2024.
Zuwanderung stabilisiert den Ausbildungsmarkt
Betrieben gelingt es zunehmend schwieriger rein aus dem regionalen Potential an Schulabgängerinnen und Schulabgängern alle Lehrstellen zu besetzen. Die Integration von Jugendlichen mit Migrationshintergrund ist daher eine strategische Notwendigkeit geworden. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Ohne die gezielte Integration ausländischer Bewerberinnen und Bewerber werden Ausbildungsplätze in Sachsen-Anhalt zukünftig nicht mehr besetzt werden können. Sie sind dabei ein echter Gewinn und eine unverzichtbare Säule für die Sicherung der Fachkräfte von Morgen. Von den insgesamt 9.107 Bewerberinnen und Bewerbern stammen 1.142 aus dem Ausland. Das sind 223 mehr als in 2025 und 438 mehr als im Jahr 2024.
Warum Praktika ein Schlüssel gegen den Fachkräftemangel sind
Im Übergang von der schulischen in die berufliche Bildung kann insbesondere ein Praktikum für Jugendliche und Unternehmen ein unkomplizierter Weg sein, um gut orientiert in eine Ausbildung zu starten. Jugendliche erhalten dadurch die Chance, eigene Stärken praktisch auszutesten, Berufsfelder hautnah zu erleben und erste wichtige Kontakte für die Zukunft zu knüpfen. Gleichzeitig profitieren Unternehmen enorm, da sie frühzeitig mit den Talenten von morgen in den Dialog treten und sich als attraktiven Arbeitgeber präsentieren können. Angesichts des anhaltenden Fachkräftemangels ist dies ein unverzichtbarer Baustein für eine stabile und zukunftsfähige Wirtschaft.
Zitat:Markus Behrens, Vorsitzender der Geschäftsführung der BA Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen, schätzt ein:
"Die aktuelle wirtschaftliche Lage zeigt sich auch auf dem Ausbildungsmarkt in Sachsen-Anhalt. Unternehmen agieren vorsichtiger, gleichzeitig bleiben Ausbildungsstellen unbesetzt. Die Arbeitsagenturen sind als Vermittler und Unterstützer gefragt. Wir müssen junge Menschen gezielt orientieren, Betriebe bei der Nachwuchsgewinnung begleiten und neue Potenziale, etwa durch Zuwanderung, erschließen."