Zahl der Auszubildenden in Handwerksberufen steigt an
Im August und September starteten viele junge Menschen in Thüringen ins neue Ausbildungsjahr. Die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber liegt dabei in diesem Jahr um 0,6 Prozent niedriger als noch 2025. Die Ausbildungsstellen sind dagegen im Vergleich zum Vorjahr um 11,1 Prozent zurückgegangen.
Auch nach dem Start des neuen Ausbildungsjahres bleibt der Ausbildungsmarkt in Thüringen in Bewegung. Viele Betriebe suchen auch im September noch händeringend nach Azubis, da zahlreiche Stellen unbesetzt geblieben sind. Aber auch viele Jugendliche befinden sich weiterhin auf der Suche nach dem qualifizierten Einstieg ins Berufsleben.
Ende August waren bei den Agenturen für Arbeit in Thüringen noch 2.383 offene betriebliche Ausbildungsstellen gemeldet, während gleichzeitig 1.524 Bewerberinnen und Bewerber weiter eine Berufsausbildung suchten. Auf 100 unbesetzte Ausbildungsstellen kamen damit rein rechnerisch 64 Bewerberinnen und Bewerber. Besonders gefragt sind Lehrlinge im Verkauf bzw. Einzelhandel. Ein Blick auf weitere Branchen zeigt aber ebenfalls Potentiale: Sowohl in der Lagerwirtschaft als auch im Bereich Zerspanungsmechanik werden noch Nachwuchskräfte für dieses Jahr gesucht.
Abgeschlossene Ausbildung als Garant für den erfolgreichen Einstieg ins Erwerbsleben
Menschen ohne Berufsabschluss sind häufiger von Arbeitslosigkeit betroffen und arbeiten oft in Helfertätigkeiten. Die Arbeitslosenquote von Menschen ohne abgeschlossene Berufsausbildung betrug zuletzt in 2025 in Thüringen 28,2 Prozent, während sie bei Menschen mit Berufsabschluss bei 4,3 Prozent lag. Aber auch finanziell lohnt sich eine Berufsausbildung. Fachkräfte mit abgeschlossener Berufsausbildung verdienten im Durchschnitt rund 640 Euro monatlich mehr, als Menschen ohne Ausbildung.
Nachfrage an Ausbildung im Handwerk steigt weiter an
Die hohe Nachfrage nach qualifiziertem Nachwuchs im Handwerk trägt Früchte. Seit 2022 verzeichnete die Branche einen Anstieg bei den sozialversicherungspflichtig beschäftigten Auszubildenden um 6 Prozent auf insgesamt 10.129. Dieser positive Trend unterstreicht nicht nur die steigende Attraktivität handwerklicher Bildungswege, sondern zeigt auch, dass die Betriebe mit Nachdruck in ihre zukünftige Fachkräftesicherung investieren. Eine Schlüsselrolle bei dieser Entwicklung spielen zunehmend auch ausländische Lehrlinge. Seit 2022 ist deren Anzahl von 587 auf 907 (+55 Prozent) gestiegen. Während der Anteil ausländischer Nachwuchskräfte im Handwerk bei rund 9 Prozent lag, betrug er über alle Berufszweige hinweg landesweit sogar rund 13 Prozent. Die Personengruppe leistet damit einen unverzichtbaren Beitrag zur Stabilisierung des regionalen Ausbildungs- und Arbeitsmarktes.
Markus Behrens, Vorsitzender der Geschäftsführung der BA Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen, schätzt ein:
Zitat:"Für den Endspurt auf dem Ausbildungsmarkt ist es noch längst nicht zu spät. Wir sehen nach wie vor eine hohe Dynamik. Jugendliche sollten daher jetzt unbedingt am Ball bleiben, denn die Chancen, noch eine passende Lehrstelle zu finden, stehen gut. Allerdings schaut der Nachwuchs heute ganz genau hin, wo er einen Vertrag unterschreibt. Arbeitgeber, die jetzt noch freie Stellen besetzen wollen, sollten aktiv mit ihren Pluspunkten werben. Das muss nicht immer nur das Gehalt sein. Finanzielle Hilfen bei der Mobilität, flexible Arbeitszeiten und eine klare Übernahmeperspektive sind heute entscheidende Argumente der Generation Z bei der Berufswahl. Ein unbesetzter Ausbildungsplatz ist eine verpasste Chance – für beide Seiten. Die Berufsberaterinnen und -berater der Agenturen für Arbeit unterstützen junge Menschen aktiv bei der kurzfristigen Suche nach einer Lehrstelle, um in diesem Jahr noch möglichst viele Jugendliche und Betriebe erfolgreich zusammenzubringen.“