Thüringen: Pendlerströme der Azubis – Männlicher Nachwuchs dominiert

Während der Ausbildungsmarkt weiter um Nachwuchs kämpft, zieht es immer mehr junge Menschen über die Landesgrenzen hinweg. Täglich verlassen mehr Auszubildende ihre Heimat für den Berufsweg, als Lehrlinge, die von außerhalb nach Thüringen einpendeln. 

24.09.2026 | Presseinfo Nr. 60

In Thüringen gibt es mehr Auspendler als Einpendler unter den Auszubildenden. Insgesamt 4.183 Nachwuchskräfte pendeln täglich zu ihrem Ausbildungsplatz in andere Bundesländer. Das sind 461 junge Menschen mehr als vor fünf Jahren. Nach Thüringen pendeln 2.307 junge Menschen. Das sind 69 Nachwuchskräfte mehr als vor fünf Jahren. Dieser Negativsaldo verdeutlicht eine wachsende Herausforderung für die regionale Wirtschaft, denn mit jedem Lehrling der auspendelt, droht die Region eine Fachkraft von morgen zu verlieren.

Junge Männer pendeln häufiger zur Ausbildungsstätte als Frauen

Auffällig dabei ist das deutliche Geschlechtergefälle: Während der Anteil der auspendelnden Frauen vergleichsweise gering bleibt, treiben vor allem männliche Auszubildende das Pendlersaldo nach oben. Grund dafür ist häufig die Konzentration industrieller und handwerklicher Ausbildungsstätten außerhalb der Region, die mehrheitlich von jungen Männern gewählt werden. Von den 4.183 Auspendlern sind 2.565 männlich und 1.618 weiblich. Nicht anders sieht es bei den Einpendlern nach Thüringen aus, von 2.307 sind 1.460 männlich und 847 weiblich. 

TOP 3-Branchen der Ein- und Auspendler

Drei Schwerpunktbranchen zeichnen sich bei den Auspendlern ab. Das sind das verarbeitende Gewerbe (794), das Gesundheits- und Sozialwesen (671) sowie der Handel/Instandhaltung/Reparatur von Kraftfahrzeugen (508). Bei den Einpendlern sieht es ähnlich aus. Der Großteil ist im verarbeitenden Gewerbe (486) tätig, dicht gefolgt vom Gesundheits- und Sozialwesen (jeweils 367) sowie dem Baugewerbe (345).

Die meisten Auszubildenden stammen aus dem Burgenlandkreis

Hauptsächlich kommen die Nachwuchskräfte aus dem Burgenlandkreis (337), Zwickau (183) und dem Vogtlandkreis (146) nach Thüringen. Die meisten jungen Nachwuchskräfte aus Thüringen pendeln hingegen nach Göttingen (424), gefolgt von Coburg (281) und Hersfeld-Rotenburg (239). 

Markus Behrens, Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen der Bundesagentur für Arbeit schätzt ein:
Zitat:

„Wenn vor allem junge Männer für die Ausbildung Thüringen verlassen, verpassen wir die Chance, sie frühzeitig an unsere regionalen Unternehmen zu binden. Unsere Betriebe bieten hervorragende Bedingungen vor der Haustür. Die Aufgabe sollte es deshalb für uns alle sein, diese Angebote für die Jugendlichen noch sichtbarer zu machen. Dabei spielt auch der Ausbau des ÖPNV in ländlichen Regionen eine entscheidende Rolle. Jeder Auspendler weniger ist ein Gewinn für die dringend notwendige Fachkräftesicherung in der Region.“

 

Erläuterungen:

Pendler werden nach Ein- und Auspendlern unterschieden:

  • Einpendler sind sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, die nicht am Arbeitsort wohnen.
  • Auspendler sind sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, die nicht am Wohnort arbeiten.

Betrachtet werden alle sozialversicherungspflichtigen Auszubildenden, die derzeitig eine Ausbildung absolvieren.